Rumänien im Mittelpunkt

Der 24. europäische Volksgruppenkongress in Klagenfurt blickt gen Osten

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Eine Fotoausstellung erlaubte einen Einblick in die rumäniendeutsche Gemeinschaft. Foto: Andrey Kolobov

Der 24. Europäische Volksgruppenkongress des Landes Kärnten (Österreich) fand vom 16. bis zum 18. Oktober in Klagenfurt am Wörtersee statt. Die Organisatoren wählten heuer „Blickpunkt Rumänien“ als Schwerpunkt der Veranstaltung. Damit verbunden war eine Fotoausstellung im Foyer des Verwaltungszentrums der Kärntner Landesregierung. „Wir blicken auf die Menschen, die malerischen Landschaften, auf das durch die Jahrhunderte erhaltene Kulturerbe, zu deren Entstehung Generationen beigetragen haben. Wir richten unser Augenmerk auf die gegenwärtige Situation der deutschen Minderheit in Rumänien“, sagte Anita Pavel, Geschäftsführerin des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, über die Ausstellung. Diese bestand aus Fotografien, die im Rahmen des Wettbewerbs „Die Rumäniendeutschen“ des Hermannstädter Forums entstanden sind, sowie jenen von Leopold Meindl, Mitglied des Verbandes Österreichischer Amateurfotografen.

Zum Auftakt des Kongresses wurden im Spiegelsaal des Amtes der Kärntner Landesregierung zwei Vorträge zum Thema „Blickpunkt Rumänien“ gehalten. Winfried Ziegler, von der Ausbildung her Historiker, bekannt als Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Jugendorganisationen in Rumänien e. V. (ADJ), referierte über die deutschen Minderheiten in Rumänien. Roger Pârvu, Projektleiter bei der Evangelischen Akademie Siebenbürgen, hielt einen Vortrag mit dem Titel „Rumäniens langer Weg in die Demokratie“. Pârvu bekräftigte bereits am Anfang seines Vortrages die Tatsache, dass Rumänien ein demokratischer Staat ist. Zwar seien die „demokratischen Strukturen und der Kampf dafür in der Geschichte Rumäniens nicht natürlich“ und das „Selbstbestimmungsrecht gehöre zwischen die eigenen vier Wände“, jedoch sei „die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zum großen Weckgeläute“ für die Zivilgesellschaft geworden. Hingegen hätte die rumänische Konsumgesellschaft in den Jahren des Aufschwungs zwischen 1997 und 2009 „keine Zeit und kein Interesse für demokratische Werte“ gehabt, behauptete Pârvu. „Rumänien ist ein demokratischer Staat. Zwar steckt die rumänische Demokratie noch in Kinderschuhen, zwar fällt sie mal zu Bett wegen Scharlach oder Mumps und fehlt dabei in der Schule, aber die richtigen Behandlungsmittel sind vorhanden und werden richtig eingesetzt, sodass am Ende ein kräftiger und gebildeter Absolvent vor uns stehen wird“, schloss er optimistisch.

Die eigentliche Eröffnung des Kongresses fand am 17. Oktober im Mozartsaal des Konzerthauses statt. Die Teilnehmer wurden vom Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser in deutscher und slowenischer Sprachen begrüßt. Kaiser erinnerte sich an den ersten Volksgruppenkongress, der 1989 in Warmbad-Villach abgehalten wurde. Der Kongress sei damals ein starkes Zeichen gewesen, viele hätten gedacht, er würde nicht nachhaltig sein, aber der Zustrom und das Interesse an ihm seien ungebrochen. Über 300 Expertinnen und Experten aus ganz Europa haben laut Kaiser an den bisherigen Volksgruppenkongressen mitgewirkt. „Kärnten soll beispielgebend sein für ein gutes Zusammenleben der Volksgruppen in Europa“, sagte er zum Abschluss.

Der diesjährige Kongress stand unter dem Motto „Europa 1913 - 2013: Mehrheit und Minderheit im Wandel der Zeit“. Die Teilnehmer und Fachleute kamen aus der Ukraine, Deutschland, Rumänien und Österreich. Zum Auftakt der Tagung hielt Prof. Dr. Stefan Karner, Vorstand des Instituts für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Universität Graz, den Vortrag zum Thema „Die Deutschen in Slowenien“. Er erinnerte daran, dass die deutsche Minderheit in Slowenien vom Staat immer noch nicht als solche anerkannt ist, daraus folgt zum Beispiel die Tatsache, dass es keinen Unterricht in deutscher Sprache gibt. Statistisch gesehen, ist die deutsche Minderheit in Slowenien sehr klein: Rund 2000 Bürgerinnen und Bürger gaben an, dieser anzugehören. Die tatsächliche Zahl sei jedoch größer, da viele Menschen immer noch Vorbehalte haben, ihre Zugehörigkeit dazu zu bekennen, meinte Karner. „Die Anzahl der Angehörigen einer Volksgruppe soll nicht als Kriterium für deren Anerkennung geltend gemacht werden. Auch wenn es nur sehr wenige sind, sind sie es wert, dass ihre Rechte anerkannt werden“, so Karner. Den österreichischen Politikern riet er, „den Mut dazu zu haben, auch unbequeme Dinge anzusprechen“. Denn es gehe für alle Minderheiten darum, „den repressiven staatlichen Druck wegzunehmen, damit die Angehörigen einer Minderheit sich als solche bekennen können“.

Im weiteren Verlauf der Tagung referierten Prof. Dr. Ihor Zhaloba (Kiew) über „Die multiethnische Bevölkerung der Bukowina im Spannungsfeld der Weltgeschichte“ und Nadine Papai, Geschäftsführerin der Gesellschaft für bedrohte Völker, Wien, zum Thema „Der lange Weg der Anerkennung: Auswirkungen der Entstehung des österreichischen Nationalstaates auf Roma und Sinti im 21. Jahrhundert“. „Nach wie vor werden weltweit Angehörige von ethnischen und religiösen Gruppen innerhalb eines Staates diskriminiert, verfolgt, vertrieben, gefoltert und ermordet“, stellte Papai fest. Der derzeit spürbar stärker werdende Anti-Ziganismus versetze Roma europaweit in Angst und Schrecken, betonte sie. „Es bedarf, auf die Bedürfnisse der Roma zugeschnittener, konkreter Maßnahmen, um die Benachteiligung dieser Menschen zu verhindern oder auszugleichen“, empfahl Papai.

Das Thema „Identität und Diaspora. Das Selbstbild der Kärntner Evangelischen als konfessionelle Minderheit im 20. Jahrhundert“ wurde von D. Dr. Alexander Hanisch-Wolfram, Kurator des Evangelischen Kulturzentrums in Fresach (Österreich) behandelt. Dr. Auguštin Malle berichtete aus Slowenien über „Das Minderheitenschulwesen – Nationalismus oder Emanzipation?“. Zum Abschluss der Tagung sprach Dario Khojaste-Mohtachem aus Berlin über „Kommunale und regionale Minderheitenpolitik in der EU: Die wirtschaftliche und soziale Integration der türkischen Minderheit in Berlin“. Das Thema der regionalen Minderheiten in der EU sprach Prof. Walter Walk von der Freien Universität Berlin im Vortrag zum Thema „Deutsche und polnische Minderheitenpolitik von 1913 bis 2013“ an.
Das Organisationsteam des Europäischen Volksgruppenkongresses unter der Leitung von Peter Karpf stellte interessante Aussichten auf die Jubiläumsausgabe des Kongresses im kommenden Jahr vor.

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