Rumänien ist immer noch ein attraktives Land

Christian Avram kehrte nach 20 Jahren als Geschäftsmann in sein Heimatland zurück

Mittwoch, 15. Februar 2012

Christian Avram Foto: privat

Wenn die meisten jungen Rumänen nur eines träumen – auszuwandern – ziehen andere junge Leute nach Rumänien und versuchen hier Karriere zu machen. Christian Avram ist einer dieser jungen Rückkehrer. Der 32-Jährige wurde in der Banater Kleinstadt Hatzfeld/Jimbolia geboren, Anfang der 90er ist er zusammen mit der Familie nach Deutschland ausgewandert, doch den Kontakt zu Rumänien verlor er nie. Vor einigen Jahren kam der Rumäniendeutsche erstmals mit Studentenstipendien, dann mit wirklichen Jobs wieder nach Westrumänien. Zwei Jahre half er Unternehmen aus verschiedenen Bereichen bei ihrer Expansion und Verlagerung nach Rumänien. Nun ist Christian Avram seit fast vier Jahren als Betriebsleiter für die Esser Gruppe, Spritzgusslieferant in der Automotive Industrie in Rumänien, tätig. Sein Streben hört jedoch hier nicht auf. Derzeit entwickelt der junge Ingenieur ein eigenes Geschäft. NewTec Innovation SRL ist im selben Bereich wie die Esser GmbH tätig und wird Kunden aus der Automobilindustrie z. B. Hella, Continental, HUF, Inovan, Norgren beliefern. Was eigentlich einen jungen ausgewanderten Mann dazu bewegt, zurück in die alte Heimat Rumänien zu ziehen, hat die ADZ-Redakteurin Andreea Oance in einem Gespräch mit Christian Avram zu erfahren versucht.

Junge Rumänen träumen nur eines: auszuwandern. Was bewegt einen jungen Ingenieur – einen ausgewanderten Deutschen aus Rumänien – nach 20 Jahren wieder zurückzukehren und hier zu arbeiten?
Deutsche Auswanderer ziehen meist aus beruflichen und wirtschaftlichen Gründen ins Ausland. Bei mir ist dies sicherlich einer der Hauptpunkte, jedoch spielten auch meine Wurzeln, die in Hatzfeld sind, eine nicht unwesentliche Rolle. In einem internationalen Team zu arbeiten, das in Deutschland und Rumänien tätig ist, war schon immer einer meiner Träume. Durch die Zweisprachigkeit und die Erfahrungen mit beiden Mentalitäten konnte ich in sehr kurzer Zeit verschiedene Führungspositionen einnehmen, was für die Karriere ein Sprungbrett sein kann. Ich muss aber dazu sagen, dass ich nicht auf Deutschland verzichtet habe, mein Wohnsitz ist immer noch dort und auch meine Heimreisen werden nicht vernachlässigt.

Esser GmbH hat auch in Polen eine Niederlassung, warum haben Sie trotzdem Rumänien ausgewählt? Haben Ihre rumänischen Wurzeln etwas damit zu tun gehabt?
Die Firma Esser Romania SRL war bereits in Rumänien ansässig, als ich zu dem Team dazugestoßen bin. Zu dem Zeitpunkt fehlte eine Person, die die Interessen der deutschen Führungsebene weiter entwickelt und vor Ort vertritt. Nach ersten Gesprächen wurde eine sehr schnelle Einigung gefunden und der gemeinsame Weg für die Zukunft beschlossen.

Wie haben Sie Rumänien erlebt? Überraschungen, Enttäuschungen...
Ich habe auch während meines Aufenthaltes in Deutschland nie den Kontakt zu Rumänien abgebrochen. Die Urlaube wurden hier verbracht, die Freunde wurden besucht, und am wichtigsten war der Kontakt zu meinem Vater, der in Rumänien lebte. Somit kann ich sagen, dass ich nicht sehr große Überraschungen oder Enttäuschungen nach der Rückkehr miterleben musste. Sicherlich gibt es wesentliche Unterschiede zu den 90er Jahren, als wir ausgewandert sind. Heute ist das Land, hauptsächlich die Region Banat, sehr westlich orientiert. Eine Entwicklung kann man von Jahr zu Jahr in fast allen Bereichen feststellen.

Ist Rumänien immer noch ein attraktives Land, um Geschäfte zu entwickeln?
Rumänien birgt ein großes Potenzial für Export, Einkauf, Outsourcing und Investitionen. Für eine erfolgreiche Expansion nach Rumänien müssen jedoch manche Hürden überwunden werden: sprachliche Barrieren, Unterschiede in der Mentalität und Gesetzen, Bürokratie, fehlende Kooperationsbereitschaft der Behörden, Schmiergeldforderungen. Trotz dieser Schwierigkeiten, die sehr wohl durch Personen gemeistert werden können, die den lokalen Markt kennen und eine deutsche Ausbildung haben, steht einer erfolgreichen Expansion eigentlich nichts im Wege.

Erzählen Sie etwas über Ihren Werdegang. Was haben Sie studiert? Haben Sie auch in Deutschland eine Leitungsfunktion gehabt?
Schon während meiner Schulzeit fand ich es sehr spannend, eigene Projekte zu starten und ein Geschäft daraus zu entwickeln. So habe ich zum Beispiel mit 17 Jahren begonnen, eigene Veranstaltungen zu organisieren. Aus dieser Tätigkeit entwickelte sich kurze Zeit später die Firma P-Systems Eventmanagement, die Events wie Stadtfeste, Open Air Konzerte, Promotion, Oldies Nights von A bis Z durchführte. Diese Tätigkeit war einerseits ein Hobby aber auch eine Einnahmequelle, um das Studium an der Fachhochschule in Kaiserslautern zu finanzieren. Eine weitere sehr positive Erfahrung waren die ersten Schritte in einer leitenden Funktion.

Können Sie einen Vergleich zwischen den zwei Wirtschaftswelten Deutschland und Rumänien ziehen?
Die wesentliche Zahl, um die Wirtschaftswelt Rumänien darzustellen, ist das Wirtschaftswachstum. Die Wirtschaft Rumäniens verzeichnete 2011 erstmals seit 2008 wieder ein Wachstum, das bei rund 2,5 Prozent liegt. Für 2012 wird angesichts der aktuellen Turbulenzen in der Eurozone ein reales BIP-Wachstum zwischen 0,5 und 1,5 Prozent erwartet. Die Inlandsnachfrage bleibt zunächst weiter schwach. Größere Investitionsvorhaben gibt es unter anderem von mehreren Automobilzulieferern, die in den Verwaltungskreisen Arad und Temesch/Timiş investieren wollen. Ein Motorenwerk von BMW soll zum Beispiel in dieses Gebiet verlagert werden. Sorgen bereiten weiterhin Mängel im Justizwesen, die nicht unter Kontrolle gebracht werden können.

Wie sieht Ihre Zukunft aus?
Im Moment fühle ich mich in Temeswar sehr wohl und kann es mir sehr gut vorstellen, noch eine Zeit in Rumänien zu bleiben, um weitere Projekte zu übernehmen. Wichtig ist es jedoch, dass der Kontakt zu der deutschen Heimat weiter aufrecht erhalten wird. Zurzeit ist es etwas schwierig, die Familie zu befriedigen, die in Deutschland lebt und diese Auslandstätigkeit nur schrittweise akzeptieren konnte. Im nächsten Jahr werden die Besuche leider noch spärlicher werden. Es steht durch eine aktuelle Investition, bei der ich persönlich beteiligt bin, sehr viel Arbeit an. Hierbei handelt es sich um die Firma NewTec Innovation SRL, welche im gleichen Bereich wie die Esser GmbH tätig sein wird und Hauptkunden der Automobilindustrie wie Hella, Continental, HUF, Inovan, Norgren usw. beliefern wird. Die Firma bietet den kompletten Lebenslauf eines Produktes von A bis Z (Design, Konstruktion, Werkzeugbau, Prototyp, Serienfertigung, Aftermarket) an.

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