Rumänien vor dem nächsten Sturm

Jeffrey Franks vom IWF mit ersten Eindrücken von seiner Mission

Mittwoch, 01. Februar 2012

Bukarest (ADZ/Mediafax) - Rumänien sei neuerlich auf dem „positiven Weg“, erklärte der Delegationsleiter des Internationalen Währungsfonds (IWF), Jeffrey Franks, am Montag, nach ersten Konsultationen mit den rumänischen Regierungsvertretern.

Allerdings müsse das Land „auf weitere Herausforderungen“ gefasst sein, denn es sei in der Situation eines Schiffes, das aus einem Sturm herauskommt, repariert ist, aber dem sich in der Ferne ein weiterer Sturm zeigt. Das Schiff brauche die nötigen Voraussetzungen, um auch durch diesen Sturm zu kommen, denn „über Europa brauen sich dunkle Wolken zusammen“, sagte Franks.

Bezüglich der unmittelbaren Zukunft Rumäniens habe er gute und schlechte Nachrichten, sagte der Leiter der IWF-Mission. „Das Wirtschaftswachstum ist zurück, wir haben vier aufeinanderfolgende Quartale mit Wirtschaftswachstum hinter uns“, sagte Franks, „denn auch im letzten Jahresquartal 2011 scheint es ein Plus von 2,5 Prozent gegeben zu haben, mehr als wir erwartet hatten.

Auch für 2012 erwarten wir ein positives Wirtschaftswachstum. Die schlechte Nachricht ist aber, dass dieses erwartete Wachstum unzureichend ist, um sich auch aufs Lebensniveau der Bevölkerung auszuwirken. 1,5 oder 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum sind besser als nichts. Aber nicht genug. Wir brauchen zusätzliches Wachstum.“

Bezüglich des von den Gewerkschaften gewünschten Ansteigens des Mindestlohns sagte Franks: „Wenn dieser angehoben wird, dann werden die Arbeitgeber unweigerlich reagieren, indem sie weniger Anstellungen tätigen. Aber wir sind gezwungen, Neueinstellungen zu ermutigen – da sind wir auf der Suche nach einem Ausgleich, einem Gleichgewicht.“

In der Ansicht des Chefs der IWF-Mission gibt es in Rumänien noch zu viele Probleme, welche ein richtiges Wachstum der Wirtschaft behindern. Arbeitsplätze gebe es, gegenüber den Bedürfnissen der beschäftigungslosen Bürger Rumäniens, zu wenige. Die größten Probleme gebe es mit den Arbeitsplätzen für Berufsanfänger und jenen für ältere Arbeitnehmer.

Außerdem brauche Rumänien „Politiken, die Wirtschaftswachstum generieren und implizite Lohnerhöhungen, was auch heißt, dass das Unterrichtswesen verbessert werden muss.“

„Wir sind auf dem Weg heraus aus der Rezession“, sagte Franks vor den Medien, „aber es zeichnen sich Probleme im Euro-Raum ab. Die Instabilität der Finanzmärkte überträgt sich in harte Bestrafungen für die EU-Staaten. Und Rumänien ist gezwungen, diese Wirtschafts- und Finanz-Instabilitäten zu umschiffen.“ Einmal mehr mahnte er die Regierenden in Bukarest, die Sozialfonds strikt auf die wirklich Armen und Bedürftigen auszurichten, auf jene, „die wirklich Hilfen brauchen“.

Bezüglich der Privatrenten, in welche die Bürger Rumäniens ermutigt werden, zu investieren, meinte Franks, diese seien in der ersten Aufbauphase eine „Quelle des Defizits“ für den Staat, mittel- und langfristig aber stelle die Privatrente eine „Ressource für neue Arbeitsplätze“ dar.

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