Rumänien wird zum Schrottpark Europas

Tausende Zulassungsanträge für Gebrauchtwagen nach Abschaffung der Umweltgebühr

Mittwoch, 15. März 2017

Die Abschaffung der Einschreibe- und Umweltgebühr für Autos lässt Handel mit Gebrauchtwagen in Rumänien florieren.
Foto: Zoltán Pázmány

Die Abschaffung der Zulassungs- und der Umweltgebühr bringt tausende Altwagen in den rumänischen Verkehr. Seit Februar dieses Jahres sind die Anträge bei den Zulassungsstellen für Fahrzeuge landesweit um einige Dutzend Tausend gestiegen. Temeswar stellt dabei keine Ausnahme dar. Bei der Temescher Registrierungsstelle für Fahrzeuge sind alle Termine bis April ausgebucht. 

 

Vor allem der Handel mit Gebrauchtwagen aus dem In- und Ausland hat im letzten Monat ein Wachstum in Rumänien erlebt. Über 67.000 Second-Hand-Fahrzeuge aus dem Ausland wurden allein im Februar für den Verkehr zugelassen. Laut Angaben des Verbands der Automobilhersteller und –importeure (APIA) ist das die dreifache Anzahl von zugelassenen Gebrauchtautos im Vergleich zum Februar 2016 bzw. die vierfache im Vergleich zur selben Zeitspanne 2015. Auch der Second-Hand-Handel von Fahrzeugen aus Rumänien hat zugenommen. Über 56.000 solche Autos wurden allein im vergangenen Monat landesweit eingeschrieben, teilt das rumänische  Nachrichtenportal Hotnews.ro mit.

Die Daten aus den letzten zehn Jahren zeigen, dass die Einschreibung von Gebrauchtwagen bloß Dezember 2008 und März 2009 die Stufe von 50.000 Einheiten überschritten haben. 2011 war der monatliche Durchschnitt unter 8000 Autos, wobei August vergangenen Jahres die Höchststufe mit 31.000 Einheiten erreicht wurde.

Die neu angemeldeten Fahrzeuge in Rumänien sind nicht nur gebraucht, sondern auch alt. Die Mehrheit der Second-Hand-Autos, die nach dem 1. Februar 2017 zum Verkehr zugelassen wurden, ist älter als 15 Jahre. Über 2000 solche Fahrzeuge wurden allein am 1. Februar, den ersten gebührenfreien Tag, eingeschrieben. Insgesamt über 7000 Autos mit einem Herstellungsdatum, das mehr als 15 Jahre zurückreicht, wurden im vergangenen Monat in Rumänien eingeschrieben.

Die Abschaffung der Umweltgebühr ist der Hauptgrund für die zunehmende Anzahl von Second-Hand-Autos in Rumänien. Diese Gebühr konnte sogar über 1000 Euro betragen – in manchen Fällen bedeutete das mehr als die Hälfte des Wertes des Fahrzeugs als Ganzes. Das entmutigte viele Kunden, die sich dann für den Kauf eines neuen Autos entschieden. Laut Statistiken wurden 2016 rund 300.000 Gebrauchtwagen importiert. Laut Schätzungen des APIA soll in diesem Jahr die Anzahl von Gebrauchtwagen aus dem Ausland, die in Rumänien ankommen, 500.000 Einheiten und somit um das Vierfache die Anzahl der importierten Neuwagen überschreiten.

Im Februar wurden in Rumänien auch neue Autos in den Verkehr gesetzt: fast 8200 neue Autos befahren seit vergangenem Monat die rumänischen Straßen. Über 81.000 neue Autos wurden 2016 in Rumänien verkauft. Leader auf dem Inlandsmarkt bleibt Dacia. In Temeswar wurden im ersten Monat des Jahres insgesamt 298 Fahrzeuge verkauft. Dacia ist mit 84 verkauften Autos auch in der westrumänischen Stadt Marktführer. Den zweiten Platz belegte im Januar Skoda mit 50 Wagen; Volkswagen ist dritter im Temeswarer Verkaufsranking mit 29 verkauften Autos, Ford hat im ersten Monat des Jahres 23 Fahrzeuge verkauft, Hyundai 18 und Opel 13.

Der Fuhrpark im gesamten Verwaltungskreis Temesch zählt derzeit rund 270.000 Fahrzeuge und ist nach Bukarest der zweitgrößte Autopark in Rumänien. Immer mehr Menschen wollen auch im Kreis Temesch ein Fahrzeug einschreiben. Dafür wurde eine Online-Dienstleistung für Programmierungen eingeführt. „Bis zum 1. Februar gab es bis zu 130 Anträge für Autoregistrierungen pro Tag. Derzeit bekommen wir etwa 3400 solche Anträge täglich“, sagt Dinu Leiba, der Chefkommissar der Temescher Zulassungsstelle für Führerscheine und Fahrzeugregistrierung. Das Programm ist somit beim Temescher Auto Registrierungsservice überfüllt. Die Temescher Präfektur kündigte vor Kurzem an, dass für die Einschreibung von Fahrzeugen natürliche Personen eine Programmierung online unter http://www.drpciv.ro/rezervaretm/inmatriculare.php erhalten können. Bis zum Redaktionsschluss der BZ waren alle Termine im März und in den ersten zwei Arbeitswochen im April vollgebucht.

Nachdem die Umweltgebühr für Gebrauchtwagen abgeschafft wurde, ist auch die Ablehnungsquote bei Autoinspektionen vom Rumänischen Autoregister (RAR) um 5 Prozent gestiegen. Laut Angaben von RAR wird jedes vierte Second-Hand-Auto bei der technischen Inspektion abgelehnt. Die technische Kontrolle ist obligatorisch und bleibt der einzige Filter vor der Zulassung von importierten Autos in Rumänien.

Kommentare zu diesem Artikel

Hugo, 19.03 2017, 20:57
Ein 15 Jahre altes Auto muss nicht schlecht sein, wenn es gut gepflegt und gewartet ist (=regelmäßiger Service), zumal diese Autos noch nicht so mit anfälliger Elektronik vollgestopft sind. Bei den vollverzinkten Karosserien dürfte auch Rost kein so starkes Problem sein.
Allerdings ist das Problem in Rumänien, dass erst repariert wird, wenn wirklich Schäden auftreten, da aus Geldmangel/“Sparsamkeit“ die Wartungsintervalle nicht beachtet werden.
So etwas wie die regelmäßige „Inspektion“ ist hier oft unbekannt und man wird für verrückt gehalten, wenn man an einem „nicht kaputten“ Auto etwas nachschauen lassen möchte. Allenfalls die Autowäsche wird gemacht, so dass das Auto meist „außen hui, innen pfui“ ist, das heißt Aussehen ist wichtiger als die Technik.
Das Verständnis für die notwendige Wartung fehlt leider, man kann das sehr gut an den Fahrrädern in Rumänien beobachten, an denen meist sämtliche Zubehörteile fehlen oder kaputt sind, und niemand hat offenbar je etwas davon gehört, daß man ein Fahrrad auch putzen kann, weil es dann länger hält. Stattdessen wird dann halt ein billiges anderes gekauft.
Mit den meist zu großen und für das Fahrkönnen überdimensionierten Autos hat Manfred Recht, leider liegt dieses meist auf dem Niveau des Pferdfuhrwerkes, während der Motor nicht stark genug sein kann, was in Verbindung mit der schlechten Ausbildung in den Fahrschulen und dem fehlenden Bewusstsein für Gefahr dann eben zu den hohen Unfallzahlen führt.
Und nicht die Autos verursachen die Unfälle, wie Herrmann schreibt, sondern die Fahrer, die evtl. mit kaputten Bremsen und abgefahrenen Reifen unterwegs sind und noch das Mobiltelefon in der Hand halten, anstatt auf den Verkehr zu achten.
Das Nichtbeachten der Verkehrsregeln tut dann den Rest, damit es „kracht“.
Manfred, 16.03 2017, 13:49
Beim Autokauf sind zu viele Rumänen beratungsresistent-anstatt sich einen kleinen jungen Gebrauchten(den man sich leisten könnte) zu kaufen,wird was zum "Protzen" gekauft,viel zu alt,zu groß,spritfressend und selbstredend überteuert.PS und Reifengröße sind wichtig,nicht die Laufleistung,nicht der technische Zustand.Würde man diesen gefährlichen Schrott nach deutschen Maßstäben überprüfen,würden 90 % durchfallen.
@ Hermann Grimm:Genauso gefährlich wie der schlechte Allgemeinzustand der Technik ist die fatale Fehleinschätzung vieler Fahrer zum eigenen Können,egal ob Laie oder "Profi".
Hermann Grimm, 15.03 2017, 09:04
Hoffentlich kommen nicht nur Schrotautos aus dem Westen nach Siebenbürgrn.
Denn kaputte Autos verursachen Unfällen und hier hat Rumänien schon eine beängstigende
Statistik.

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