Rumänische Fahrradproduktion auf Wachstumskurs

Größte Hersteller in Süd- und Westrumänien / Pegas-Marke seit 2013 wieder auf dem Markt

Samstag, 10. September 2016

2015 wurden 900.000 Fahrräder in Rumänien produziert.
Foto: pixabay.com

Temeswar - 900.000 Fahrräder gingen in Rumänien im vergangenen Jahr vom Band, um 10 Prozent mehr als 2014. Sollte der Wachstumsrhythmus auch in diesem Jahr bestehen, so dürfte Rumäniens Fahrradproduktion die Eine-Million-Marke erreichen, wie die Bukarester Wirtschaftszeitung „Ziarul Financiar“ (ZF) schätzt. Gewachsen ist die Produktion seit 2008/2009 kontinuierlich. Wurden 2009 nur 450.000 Bikes in Rumänien hergestellt, so verdoppelte sich die Produktion in sechs Jahren. Und auch was die Herstellung von Bestandteilen für Fahrräder betrifft, verzeichnet das Land ein sattes Plus, die Bestandteilproduktion belief sich 2015 auf 300 Millionen Euro, um 36 Prozent mehr als ein Jahr bevor. 2009 stellten rumänische Fabriken Rad-Bestandteile im Wert von nur 170 Millionen Euro her.

Mit diesen Zahlen belegt Rumänien einen Spitzenplatz in der einschlägigen EU-Statistik. Bei der Produktion von Fahrrädern liegt Rumänien auf dem sechsten Platz in der Europäischen Union, mit einem Anteil von 6,8 Prozent an der gesamteuropäischen Produktion und 900.000 hergestellten Fahrrädern. Den ersten Platz nimmt Italien ein, wo 2015 2,344 Millionen Fahrräder vom Band gingen, es folgen Deutschland (2,186 Millionen), Portugal (1,904 Millionen), Polen (1,21 Millionen) und das Nachbarland Bulgarien (940.000). In der Herstellung von Bestandteilen kann sich Rumänien sogar den zweiten Platz in der EU sichern, hinter Italien und vor Deutschland, Frankreich und Portugal.

Der Großteil der einheimischen Fahrradproduktion wird selbstverständlich in die Länder der Europäischen Union exportiert; die größten drei rumänischen Hersteller Mechrom Industry, Eurosport DHS und Madirom Prod gehören zu Rumäniens 200 wichtigsten Exporteuren, den höchsten Rang belegt Mechrom Industry (160). Der Gesamtumsatz der drei Unternehmen lag 2015 bei 684 Millionen Lei, 107 Millionen Lei mehr als 2014. Während der größte Produzent unter den drei, die Firma Mechrom Industry, in der Gemeinde Mărăcineni bei Piteşti, im Kreis Argeş, beheimatet ist und italienischen Unternehmern gehört, zählt der Eurosport DHS in Sântuhalm bei Deva, Kreis Hunedoara, zu einer chinesisch-deutschen Holding und betreibt auch eigene Geschäfte in Deva, Bukarest, Klausenburg/Cluj-Napoca, Hermannstadt/Sibiu und Temeswar/Timi{oara. Der drittgrößte Hersteller, Madirom Prod, ist in Temeswar eingetragen, gehört zum französischen Riesen Decathlon und lässt in Reschitza/Reşiţa produzieren. Unter den konzerneigenen Markennamen sind die Fahrräder aus dem Banater Bergland auch in den rumänischen Decathlon-Filialen zu kaufen.

Der Verkauf von Fahrrädern ist in Rumänien in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, seit in den Großstädten eine gebildetere, junge urbane Schicht das Fahrradfahren wiederentdeckt hat und sich für die Errichtung von Fahrradwegen einsetzt. Allein in Temeswar, zum Beispiel, gibt es mehrere Vereine, die das Fahrradfahren fördern und immer wieder Großevents mit mehreren hundert Fahrradbegeisterten veranstalten, sowohl in der Stadt selbst als auch im naheliegenden Umland. Ähnliches gibt es in Klausenburg, Hermannstadt oder Kronstadt/Braşov, wo gerade das bergige Umland zu längeren Fahrradtouren einlädt, aber auch in der Hauptstadt Bukarest.

Zu erwähnen ist in diesem Kontext die Initiative einer Gruppe von jungen Bukarester Unternehmern, die in den Jahren 2012/2013 die alte, aus dem Sozialismus stammende einheimische Fahrradmarke Pegas übernahmen und zunächst in einer Bukarester Werkstatt die Herstellung von Fahrradmodellen nach dem alten Pegas-Design aufnahmen. Inzwischen ist Pegas wieder im ganzen Land bekannt, die Preise für ein Pegas-Rad liegen in der Regel zwischen 1000 und 2000 Lei.

Die Pegas-Produktion startete 1972 in den Mechanischen Werken von Tohan Zărneşti bei Kronstadt. Vor der Wende liefen etwa 16.000 Fahrräder monatlich vom Band, vor Einstellung der Produktion aber nur noch 1500 pro Jahr (2004). Gegründet wurde die Fabrik in Zărneşti 1938, damals war sie Teil der Malaxa-Holding, hergestellt wurden vornehmlich Waffen, nach 1948 wurden auch Fahrräder unter den Marken Victoria, Pionier, Junior, Tohan, Pegas, Campion und Motorräder (Carpaţi, Mobra, Hoinar) produziert.

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