Rumänische Regierung und EU sollten mehr tun

„Kindergarten für jedes Kind“ landesweit umsetzen

Montag, 14. Mai 2012

Im Kindergarten von Tărlungeni sind alle Kinder willkommen.
Foto: Ralf Sudrigian

Über die Bedeutung der Früherziehung für Kinder aus armen Familien müsse man bei den Regierungsbehörden keine Überzeugungsarbeit leisten. Leslie Hawke, seit bald zwölf Jahren in Rumänien, anfangs als Freiwillige der US-Hilfsorganisation „Peace Corps“, seit 2004 zusammen mit Maria Gheorghiu als Mitbegründerin der Nichtregierungsorganisation (NGO) „Ovidiu Rom“, weiß das aus eigener Erfahrung.

Die Mutter des Schauspielers Ethan Hawke, der sie auch tatkräftig unterstützt, will bis 2020 in Rumänien bleiben. Bis dann hofft sie, dass das Programm „Kindergarten für jedes Kind“ landesweit „Schule macht“ und so möglichst vielen Kindern (vor allem aus armen Roma-Familien) bessere Voraussetzungen bietet, um als gesellschaftlich integriert zu gelten.

Man helfe nicht allein den Roma dabei, sondern sich selbst und dem Staat genau so viel. Denn entsprechend ausgebildete Schüler und Jugendliche sind die Arbeitskräfte und auch Steuerzahler von morgen. Die Kehrseite wären Arbeitslose die demselben Staat zusätzliche Kosten bereiten oder unqualifizierte Arbeiter , die im Ausland ihr Glück suchen.

Es habe sich in den letzten Jahren in Rumänien nicht viel verbessert, bedauert Hawke. Die Probleme wachsen weil auch die Zahl der Kinder aus armen Familien zwei bis dreimal größer ist als bei den andern Familien. Die Früherziehung, das heißt ab 3-4 Jahre („um so früher, um so besser“) im Kindergarten ist wie ein Grundstein für die weitere Entwicklung. Wenn die fehlt, ist der Einstieg ins Schulleben viel schwieriger. „Sie werden nicht in der Schule bleiben, wenn sie scheitern.“ Das Scheitern führt zum Schulabbruch und dann bleibt man ausgeschlossen am Rande der Gesellschaft.

Diskriminierung gegenüber Roma? „Ja, mit Sicherheit aber sie ist nicht allgegenwärtig und nicht das ist das einzige Problem“, sagt Leslie Hawke, die in ihrer texanischen Heimat Erziehungswissenschaften studiert hat und als Expertin in Sachen Fundraising gilt. Lehrkräfte wollen helfen, das ist der Sinn ihrer Arbeit. In Rumänien sei das auch der Fall. Nur ist das Schulsystem so ausgerichtet, vor allem die Besten, die Fähigsten auszuwählen. Bei „Ovidiu Rom“ verfolge man, Eltern und Lehrer zu unterstützen, so dass alle Kinder Zugang zur Bildung haben.

„Kindergarten für jedes Kind“ wird zurzeit in 38 Kindergärten angewandt. Mit spektakulären Ergebnissen - wenn die Eltern mit Lebensmitteltickets unterstützt/angespornt werden, so sind die Kinder verstärkt täglich im Kindergarten zu finden. Nur dann gibt es nämlich die monatlichen Tickets im Wert von 50 Lei/Kind. „Ovidiu Rom“ geht hin, wo die lokalen Behörden (Rathaus, Gemeinderat, Schule) sie unterstützen.

Die Gemeinden bewerben sich für dieses Programm und wenn ihre Problembeschreibung, ihre Lösungsvorschläge, ihre Einstellung stimmt, dann ist „Ovidiu Rom“ ihr Partner. Das funktioniere vor allem in Siebenbürgen besser als in anderen Landesteilen, sagt Hawke. In den nächsten Monaten soll das Programm auch in den Kreisen Hermannstadt, Covasna und Mureş ausgebaut werden.

Das Problem der landesweiten Finanzierung der Früherziehung müsse aber von der Regierung übernommen werden. „Das ist eine zu schwere Last auf den Schultern einer NGO“, sagt Leslie Hawke. Auch von der EU erwartet sie mehr. Dort wird das Lebensmittelcoupon-Konzept aber nicht akzeptiert, Kindern wird eigentlich nur dann geholfen, wenn sie in der Schule sind und im Allgemeinen wird über Früherziehung mehr gesprochen als konkret etwas unternommen.

„Ovidiu Rom“ wird hauptsächlich von rumänischen Unternehmen, Multikonzernen und der Geschäftswelt unterstützt. Leslie selbst bringt rund 15 bis 20 Prozent des Geldes aus dem Ausland, vor allem aus den USA. Jeder sollte das Gute tun, zu dem er fähig ist – ungefähr so lautet ein Motto von Leslie, von dem sie viel hält. Dann würde sich die Welt etwas verbessern. Ein Wandel, eine Metamorphose die sie für sich selbst gesucht und auch gefunden hat, als sie New York den Rücken kehrte. Vom Stichwort Metamorphose bis zum Dichter Ovid war es nicht weit, sodass „Ovidiu Rom“ als passende Bezeichnung gewählt wurde für einen Verein der an einen Wandel glaubt, gegen Vorurteile kämpft und durch das bisher Geleistete möglichst viele Entscheidungsträger in Gesellschaft und Politik für seine selbstlosen Ziele zu überzeugen versucht.

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