Rumänischer Bergsteiger nimmt siebenten Achttausender ins Visier

Auf die neue Everest-Expedition begibt sich Horia Colibăşanu mit dem Deutschen Ralf Dujmovits

Mittwoch, 03. Mai 2017

Horia Colibăşanu 2014 auf dem Shishapangma
Foto: privat

Der Temeswarer Bergsteiger Horia Colibăşanu startete Anfang April eine neue Expedition im Himalajagebirge. Seit Jahren klettert der rumänische Extremsportler, immer im Frühling, aufs Dach der Welt, ohne Sauerstoffzufuhr und ohne die Hilfe der Einheimischen, der Sherpa. Colibăşanu hat bereits sechs Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff und ohne die Hilfe der Sherpa erklommen und ist der einzige Rumäne, der bisher die Besteigung der Gipfel K2, Annapurna und Dhaulagiri geschafft hat – drei der fünf tödlichsten Gipfel der Welt. Dies wird die achte Expedition für Horia Colibăşanu im Himalaja sein. Zum ersten Mal bildet der Rumäne mit dem deutschen Extrembergsteiger Ralf Dujmovits ein Team. Dujmovits ist der erste Deutsche, der auf die Gipfel aller 14 Achttausender der Welt geklettert ist und somit einer der erfolgreichsten deutschen Höhenbergsteiger. Kurz bevor er sich nach Kathmandu begab, führte die ADZ-Redakteurin Andreea Oance ein Gespräch mit Horia Colibăşanu.

Jedes Jahr im Frühling heißt es für Sie, Rucksack packen und sich auf eine neue Expedition im Himalaja begeben. Was bringt Sie dazu, immer wieder nach diesen Höhen greifen zu wollen?

Zuerst war es die Neugierde, die Versuchung, der Drang zu sehen, ob ich es wirklich schaffen kann, auf einen über 8000 Meter hohen Berg zu klettern. Mir war das Bergsteigen nicht fremd. Ich habe diese Sportart schon seit meiner Kindheit ausgeübt, sodass ich den Anlass, immer höher zu steigen, jedes Mal wahrnahm. Nachdem ich den ersten Achttausender erklommen hatte, kam der natürliche Wunsch, einen weiteren Achttausender zu besteigen usw. Nun wünsche ich mir, meinen Fuß auf alle 14 Achttausender der Welt zu setzen. Wenn ich es schaffe, habe ich in diesem Jahr schon die Hälfte hinter mir.

In den vergangenen Jahren haben Sie sich alternative Trassen auf abrupten Seitenwänden oder den Abstieg vom 8000-Meter-Gipfel auf Skiern vorgenommen. Wie soll die Expedition diesmal verlaufen?

Die Bergsteigesaison beginnt im April. Zuerst müssen wir uns mehrere Wochen lang mit dem Klima im Basislager in 5000 Metern Höhe anfreunden. Das tatsächliche Bergsteigen bis zum Gipfel (8848 Meter) soll, laut Plan, zwischen dem 18. und dem 22. Mai stattfinden. Diesmal werden wir auf der nördlichen Seite klettern. Diese Seitenwand ist sehr „technisch“ – auf der Strecke gibt es drei Situationen, wo wir tatsächlich auf Eiswänden klettern müssen. Dies ist eine schnellere, jedoch kompliziertere Route, die von wenigen Alpinisten benutzt wird. Auf Bergsteiger, die sich nicht gut mit dem Eisklettern auskennen, könnten diese drei Situationen entmutigend wirken, sodass sie die Expedition abbrechen.

Nach mehreren Jahren, in denen Sie mit dem tschechischen Bergsteiger Peter Hamor ein Team gebildet haben, begeben Sie sich diesmal zum ersten Mal mit dem deutschen Bergsteiger Ralf Dujmovits auf Expedition. Wie sind Sie zur dieser Partnerschaft gekommen?

Peter hat bereits den Everest erklommen, sodass unsere Ziele in diesem Jahr etwas verschieden waren. Ralf kenne ich schon seit mehreren Jahren. Wir sind uns in den Basislagern auf dem Berg begegnet. Diesmal haben wir ein gemeinsames Ziel und zwar, auf den Everest ohne Sauerstoffzufuhr und ohne die Hilfe der Sherpa zu steigen. Er ist einer der wenigen Bergsteiger der Welt, der bereits auf alle 14 Achttausender-Gipfel gestiegen ist. Nur auf den Everest ist er mit zusätzlicher Hilfe geklettert, sodass er sich nun wünscht, die Erfahrung eines puren Bergkletterns auch auf dem Everest zu machen. Wir wünschen uns dasselbe, wir kennen unsere Klettertechnik und ich glaube fest daran, dass wir ein gutes Team bilden werden.

Vor etwa zehn Jahren haben Sie auf dem Berg Ihren Partner und Freund Inaki Ochoa verloren. Sie selber wurden damals am Limit gerettet und vor zwei Jahren sind Sie aus purem Zufall dem verheerenden Erdbeben in Nepal entkommen, nachdem sie die Expedition bloß wenige Tage davor abbrachen. Die Begegnung mit dem Tod entmutigt uns meistens. Sie lassen sich davon nicht einschüchtern. Wie kommt das denn?

Wir können dem Tod nicht entkommen, so viel wir das auch versuchen würden. Genauso wie die Geburt liegt auch der Tod nicht in unserer Macht, egal, wie viel wir das auch zu glauben versuchen. Wahrscheinlich habe ich noch Dinge in diesem Leben zu bewältigen, so wie z. B. alle 14 Achttausender zu erklimmen (er lacht) und ich wurde noch nicht von da oben (schaut Richtung Himmel) gerufen. Was die Gefährlichkeit dieser Sportart angeht, war ich immer aufmerksam und habe meine Kraftgrenzen nie überschritten. Ich habe genug Erfahrung gesammelt, um zu wissen, wann es an der Zeit ist zurückzutreten und aufzugeben. Im Laufe der Zeit hatte ich Expeditionen, die ich erst nach zwei oder drei Versuchen durchgeführt habe, oder Expeditionen, die ich wegen Unwetter oder Verletzungen meiner Partner unterbrechen musste.

Dachten Sie jemals daran, diese gefährliche Sportart komplett aufzugeben?

Nein, den Berg kannst du nicht aufgeben, nicht, wenn er Teil deiner Seele ist. Wenn es andere Faktoren geben wird, die nicht von mir abhängen, dann werde ich dieses Schicksal akzeptieren müssen.

Sie sagten in einem früheren Gespräch, dass in Ihrem Bergsteigerrucksack ein Federmesser, Zwiebeln und geräucherter Speck nie fehlen. Was kann man denn noch in Ihrem Rucksack neben der notwendigen Ausrüstung zweifelsohne finden?

Der Löffel ist sehr wichtig, vor allem für die Schwartebrühe in großer Höhe. Im Dokumentarfilm meiner letzten Expedition, Manaslu 2016, gibt es sogar eine Aufnahme, wo wir zu dritt im Zelt neben einem kochenden Topf mit Suppe sitzen. Ein dritter Kollege von uns, der noch ein Anfänger im Bereich des Bergsteigens ist, wartet, dass seine Reihe kommt, um den Löffel zu bekommen. Wir, die bereits mehr Erfahrung haben, wissen, dass keine Mahlzeit in der Welt verlockender ist, als ein Löffel heißer Suppe, die man in 7500 Metern Höhe verzehrt.

Jedes Jahr durften wir über das Internet auch mit auf Ihre Expedition. Werden wir auch diesmal virtuell Seite an Seite mit Ihnen bis aufs Dach der Welt klettern können?

Ja, Sie alle dürfen mit und ich freue mich riesig, dass Interesse dafür besteht. Ich werde immer wieder auf meiner Webseite www.horiacoliba-sanu.com und auf meiner Facebookseite Bilder und Informationen über die Expedition hochladen.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*