Rumänischer Umweltaktivist erhielt EuroNatur-Preis

Gabriel Păun macht sich für den Erhalt der letzten Urwälder stark

Samstag, 29. Oktober 2016

Der rumänische Waldschützer Gabriel Păun erhielt am 12. Oktober den EuroNatur-Preis 2016
Foto: Matthias Schickhofer/ EuroNatur

Der rumänische Umweltaktivist Gabriel Păun ist Mitte Oktober mit dem EuroNatur-Preis 2016 ausgezeichnet worden. Gabriel Păun steht somit in derselben Reihe mit Persönlichkeiten wie Prinz Charles, Michail Gorbatschow und dem US-Bestseller-Autor Jonathan Franzen, die ihrerseits den EuroNatur-Preis für ihr Engagement zum Schutz des europäischen Naturerbes bekommen haben. „Ich bin dankbar, dass ich heute mit Ihnen sein darf, um Millionen Rumänen und Menschen aus ganz Europa zu vertreten, die sich dafür einsetzen, die letzten Urwälder unseres Kontinents zu erhalten“, sagte Gabriel Păun bei der Preisverleihung auf der Bodenseeinsel Mainau in Deutschland.

„Es gibt nicht mehr so viele Wälder wie diese. Sie bedecken vielleicht ein Prozent der Fläche meines Landes, die dennoch etwa drei Viertel aller in der EU übrig gebliebenen Urwälder darstellen. Sie bedecken so wenig Fläche, aber sie sind die wertvollsten Wälder von allen, denn diese letzten großen Wälder sind Zeugen der Geschichte“, fügte der Umweltaktivist hinzu. Bereits im sehr jungen Alter kam Gabriel Păun der Natur nahe, verriet EuroNatur-Präsidiumsmitglied Jörg Nitsch in seiner Laudatio auf den Preisträger. „Bereits mit vier Jahren nahm ihn sein Vater mit hinaus in die Wälder, um die Wölfe heulen zu hören. Gabriel Păun hat mir berichtet, dass ihn diese sehr eindrücklichen Erfahrungen, die er als kleiner Junge gemacht hat, sehr stark geprägt haben“, erzählte Nitsch.

Seit Jahren setzt sich der gelernte Biologe Gabriel Păun für den Natur- und Tierschutz in Rumänien ein. Zwischen 2005 und 2008 engagierte er sich als Programm Campaigner für Greenpeace in Rumänien. Vier Jahre lang hatte er auch für die Organisation Vier Pfoten gearbeitet – aufgrund der von Gabriel Păun umgesetzten Kampagnen haben große Unternehmen der Ernährungs- und Outdoorindustrie ihre Produktionen umgestellt und achten viel mehr auf Tierschutzaspekte. 2009 gründete Gabriel Păun die NGO Agent Green, deren Hauptziel es ist, illegale Machenschaften beim Holzeinschlag in den Wäldern Rumäniens aufzudecken und diese an die Öffentlichkeit zu bringen. Unter anderem machte sich die Organisation für den Erhalt des Urwaldes „Coşava Mică“ im Semenic-Gebirge im Banater Bergland stark. Dieser Wald ist einer der wenigen Überreste der Buchenurwälder Europas. 2015 schaffte es Agent Green, dank einer groß angelegten Kampagne, diesen rund 750 Hektar großen Urwald vor den Kettensägen zu retten.

„Das Naturerbe, auf das wir uns heute beziehen, ist der Wald. EuroNatur will mit dieser Preisverleihung ein deutliches Signal setzen für den Schutz der letzten Urwälder Europas“, sagte EuroNatur-Präsidentin Christel Schroeder in ihrer Ansprache. „Der Wert des Waldes ist nicht mit dem Wert seiner Holzressourcen gleichzusetzen. Viel wertvoller sind die Ökosystem-Dienstleistungen der Wälder, von denen alle profitieren, z. B. durch die Erneuerung von Süßwasserreserven, durch die Sauerstoffproduktion, durch den Beitrag zum Erhalt der Biodiversität und zum Schutz des Klimas“, fügte Schroeder hinzu.
Vor zwei Jahren wurde eine tschechische Gruppe von Waldschützern mit dem EuroNatur-Preis geehrt. Die Gruppe Hnuti DUHA hatte gegen den Kahlschlag im Nationalpark Sumava gekämpft – mit Erfolg. „Eine wichtige Bedingung dafür war die transnationale Zusammenarbeit und Unterstützung, weil die europaweite Aufmerksamkeit viele Menschen im Land nachdenklich gemacht hat. Politiker wurden zum Umdenken gebracht“, betonte die EuroNatur-Präsidentin.

Auch der rumänische Waldschützer Gabriel Păun war im Laufe seiner Tätigkeit schon manchem Unternehmer oder Politiker ein Dorn im Auge gewesen. So zum Beispiel schaffte er es, zumindest vorübergehend, den illegalen Bau der 66A-Straße durch den Domogled- und Retezat-Nationalpark einzustellen, wo sich einer der letzten Buchenurwälder Europas befindet. Im vergangenen Jahr riskierte Gabriel Păun sogar sein Leben, als er in der Gegend von Râul Alb im Hatzeger Land geschlagen wurde – er hatte sich lediglich über den geplanten Bau eines Kleinwasserkraftwerks informieren wollen. Neben den physischen Attacken gab es in diesem Jahr auch einen bisher noch nicht aufgeklärten Angriff auf seine Daten. „Über eine mit einem üblen Trick eingeschleusten Schadsoftware ist es Unbekannten gelungen, nicht unerhebliche Datenmengen von seinen Festplatten auszulesen“, verriet Jörg Nitsch. Doch Gabriel Păun macht trotz aller Schwierigkeiten weiter. „Wenn wir unsere Kräfte bündeln, dann können wir die Holzmafia daran hindern zu operieren. Wir dürfen es nicht zulassen, dass illegales Holz, das vielleicht aus den letzten Urwäldern stammt, auf den Markt kommt“, sagt der Umweltschützer.

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