RWI: Erster Abschlussjahrgang wurde vor kurzem verabschiedet

Deutsche Abteilung an der Wirtschaftsfakultät erwies sich als erfolgreich

Montag, 02. Juli 2018

Die erste Absolventengeneration der deutschsprachigen RWI-Abteilung bei der Abschlussfeier.

Ob mit einem Doppelabschluss oder nicht: Die Absolventen der deutschsprachigen Abteilung werden in den Unternehmen vor Ort erwartet. Fotos: FEAA

Die Abteilung für Rechnungswesen und Wirtschaftsinformatik (RWI) in deutscher Sprache an der West-Universität Temeswar zählt bald ihre ersten Absolventen. Nach drei Jahren Erfahrung, mit einer zweiten Runde von Austauschstudenten in Karlsruhe, einem ersten Doppelabschlussstudent aus Karlsruhe vor Ort, weiteren Zusammenarbeiten mit Universitäten und Hochschulen aus dem deutschsprachigen Raum und mit der Unterstützung deutscher Unternehmen aus dem Raum Temeswar zieht nun die deutschsprachige Abteilung Bilanz.

 

„Aus meiner Sicht waren es drei harte Jahre, aber eine sinnvolle Arbeit, sowohl für die Lehrkräfte, als auch für die Studierenden: Für die Lehrkräfte vor allem, weil sie einen umfangreichen Lehrstoff auf Deutsch erstellen mussten, aber auch, weil der neue Studiengang bekanntgemacht und durchgesetzt werden sollte. Wir haben immer wieder auf das Interesse des Arbeitsmarktes an deutschsprachige Betriebswirte, bzw. auf die ausgezeichneten Beschäftigungsaussichten der Absolventen hingewiesen und es ist heute offensichtlich, dass wir Recht damit hatten. Die Studierenden finden problemlos sowohl Praktikumsplätze, als auch gut bezahlte Teilzeit- oder Vollzeitjobs während des Studiums“, sagt die Lektorin Dr. Cristina Circa, Betreuerin der Studierenden an der deutschsprachigen Abteilung, der ADZ gegenüber.  

Die RWI-Abteilung in deutscher Sprache wurde 2015 an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre (FEAA) gegründet und verspricht Studierenden aus Rumänien und Deutschland ein Doppeldiplom. Genauer wird der Studiengang in Partnerschaft mit der deutschen Hochschule für Technik und Wirtschaft aus Karlsruhe durchgeführt. Studenten haben die Möglichkeit, zwei Semester in Deutschland zu studieren und nach Studienabschluss ein Doppeldiplom der beiden Universitäten zu erwerben.

Der Kooperationsvertrag wurde am 31. Juli 2015 unterschrieben. Nun bereitet die erste Studentengeneration ihren Abschluss vor. „Ich bedanke mich im Namen aller Lehrkräfte, die Teil dieses Projektes sind, bei den Eltern, die ein riesiges Vertrauen in uns gesetzt habe, als sie ihre Kinder einem blutjungen Studiengang anvertraut haben. Hoffentlich ist es uns gelungen, sie nicht zu enttäuschen. Wir bedanken uns bei den Partnerhochschulen und Universitäten aus dem deutschsprachigen Raum, die bei der Bildung und Ausbildung unserer Studenten mitgewirkt haben: der Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft, unser Partner im Doppelabschlussprogramm; der Johannes Kepler Universität Linz und Universität Innsbruck, deren Gastprofessoren wir bei uns begrüßt haben, der Technische Hochschule Deggendorf als Erasmus-Partner. Wir bedanken uns bei unseren Partnern aus dem betrieblichen Umfeld, insbesondere bei dem Deutschsprachigen Wirtschaftsclub Banat für die volle und bedingungslose Unterstützung und nicht zuletzt bei den Studenten für die harte Arbeite und Energie, mit der sie all unsere Projekte umgesetzt haben“, so Lektorin Circa bei der Abschlussfeier der ersten RWI-Absolventen.

Die Idee eines solchen Studiengangs in deutscher Sprache ist eigentlich vom Deutschsprachigen Wirtschaftsclub (DWC) Banat ausgegangen – lässt die Temeswarer Lektorin Circa wissen. Die Nachfrage der deutschsprachigen Unternehmen vor Ort nach gut ausgebildeten Fachkräften, die dabei auch ausgezeichnet Deutsch können, das war der Grundgedanke dahinter, erklärt die Lektorin. Peter Hochmuth, der Vorsitzende des DWC Banat, wandte sich bei der Abschlussfeier an die Studenten: „Herzliche Glückwünsche euch allen Absolventen, dass Sie vor drei Jahren gehabt haben, diesen Studiengang anzutreten. Wir, die Vertreter der deutschsprachigen Gesellschaft in Temeswar, freuen uns, dass die Universität entschlossen hat, eine solche deutschsprachige Abteilung ins Leben zu rufen. Wir haben sie immer unterstützt und werden dies auch von nun an weiter machen. Als Wirtschafts kann ich euch nur sagen, dass dieser ein schöner Beruf ist und dass ich mich schon jetzt freue, euch als Kollegen begrüßen zu dürfen. Viel Erfolg in der Zukunft!“

Im Lehrplan der deutschen Abteilung an der Wirtschaftsfakultät sind Wirtschaftsgrundkenntnisse, Fächer aus dem Bereich der Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik vorgesehen. „Die Lehr- und Lerninhalte sind den Bedürfnissen der deutschen Unternehmen angepasst, was den Absolventen bessere Jobchancen bieten“, sagte Cristina Circa. Auch ein umfangreiches Praktikumsangebot in den deutschen Unternehmen in der Region wird angeboten. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem DWC können die Studierenden u.a. ein Praktikum bei Continental Automotive Romania, ecoplus International, Netex Consulting, KPMG Romania, SanSwiss, Mattig Expert Swiss Partner, Werzalit Lugosch absolvieren. Es gibt aber auch Firmen, die Praktikumsplätze anbieten, obwohl sie keine DWC-Mitglieder sind. „Wir erfreuen uns auch weiterhin der Unterstützung der deutschen Firmen in Temeswar. Die Firma Bosch hat zum Beispiel sowohl Praktikumsplätze für RWI-Studenten aus allen Studienjahren, als auch großzügige Geldpreise für die besten RWI-Absolventen angeboten“, sagt Lektorin Cristina Circa.

Die Besonderheit des Studiengangs besteht, neben dem Unterricht in deutscher Sprache, auch in der Möglichkeit, in Deutschland, an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Karlsruhe, für zwei Semester zu studieren, gleich zwei Koordinatoren für die Lizenzarbeit zu haben und dabei am Ende des Studiums ein Doppeldiplom der beiden Universitäten zu erhalten. Je zehn Studenten aus dem zweiten Jahrgang dürfen somit ihr viertes und fünftes Studiensemester in Karlsruhe, finanziert durch ein Erasmus-Stipendium, verbringen.

„Was den Doppelabschluss mit der Hochschule Karlsruhe angeht, ist das Feedback der Studierenden eigentlich relevant. Nach dem ersten Semester dort sind sie mehr oder weniger in Panik geraten, denn leicht war es überhaupt nicht. Nach dem zweiten Semester, bzw. nachdem sie ihre Anstrengungen an die Ansprüche der Dozenten anpassten, waren sie freiwillig bereit, für den Doppelabschluss zu werben. Kurz gefasst: Es war ein guter Anfang“, sagt Cristina Circa.

Patricia Sîrbu und Paul Monția gehören zu den ersten Austauschstudenten durch dieses Programm. „Es war schwer und völlig verschieden von dem, was wir uns vorgestellt haben“, erzählen die Stipendiaten über ihre Erfahrung an der Universität in Karlsruhe. „Das Unterrichtssystem ist vollkommen anders als bei uns und die individuelle Arbeit ist etwas, an das wir uns gewöhnen mussten“, sagt Patricia Sîrbu. „Die zwei Semester in Deutschland haben uns tatsächlich viel gebracht. Allein die Herausforderung, sich an neue Regeln anzupassen und in einem anderen Land zu leben, bedeutet viel für unsere Weiterentwicklung“, sagt Paul Monția.

Ein erster Austauschstudent aus Deutschland verbrachte nun das Sommersemester in Temeswar. Patrick Lauinger kommt aus Karlsruhe und war für zwölf Jahre bei der Bundeswehr tätig. „In der Zeit habe ich eine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker und später die Meisterebene als IT-Projektleiter erhalten. Kurz darauf habe ich mich für ein Studium im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik entschieden, da ich empfand, dass dies mit meiner bisherigen Ausbildung am besten zusammenpasst. Auf der Suche nach einem Auslandsaufenthalt bin ich über den Doppel-Abschluss der Hochschule Karlsruhe mit der West-Universität Temeswar gestolpert und da zu dieser Zeit gerade die Austauschstudenten aus Rumänien in Karlsruhe waren, konnte ich mich mit ihnen darüber austauschen. Ende Februar war ich bereits in Rumänen. Mittlerweile habe ich das fünfte Semester sehr gut an der FEAA abgeschlossen. Hier habe ich die Fächer Betriebsverwaltung, Makroökonomie, Geschäftskommunikation und -verhandlung, Geschäftsethik, Jahresabschlussanalyse, Abschussprüfung und Englisch absolviert. Ab September werde ich mein Praktikum in Temeswar antreten, was ebenfalls Voraussetzung für den doppelten Abschluss ist“, erzählt Patrick Lauinger.

Die Nachfrage der deutschen Unternehmen aus der Region nach gut ausgebildeten, deutschsprachigen Fachkräften im Bereich der Betriebswirtschaft bleibt nach wie vor groß, so dass diese Abteilung in deutscher Sprache an der West-Universität auch weiterhin bestehen bleiben soll, ist Dr. Dan Cărămidariu, Lektor für Mikroökonomik, Makroökonomik und Kapitalmärkte an der RWI-Abteilung überzeugt. „Es gibt Verbesserungsbedarf, doch die Idee einer solchen deutschsprachigen Abteilung in Temeswar ist sehr gut und willkommen für die ganze Region. Die erste Absolventengeneration wird keine Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben. Damit aber die Abteilung in deutscher Sprache weiterhin besteht, soll man mehr Werbung für diesen Studiengang an den Schulen mit Deutsch als Muttersprache in der Region und auch in ganz Rumänien machen“, sagt Dan Cărămidariu.

Die Einschreibungen für ein Studium an der deutschsprachigen Abteilung stehen an. Auch diesmal werden 25 gebührenfreie und 25 gebührenpflichtige Plätze bereitgestellt. Die erste Aufnahmesession findet zwischen dem 2. und dem 16. Juli, und eine zweite im Herbst, zwischen dem 3. und dem 11. September, statt. Details zur Bewerbung und zu den notwendigen Unterlagen für die Einschreibung sind von der Webseite der Universität abrufbar. Zusätzliche Informationen zum deutschsprachigen Studiengang an der Wirtschaftsfakultät, zum Doppeldiplom, Stipendien und zur Bewerbung daran kann man unter feaa.uvt.ro/ro/educatie/programe-licenta/rechnungswesen-und-wirtschaftsinformatik-mit-unterricht-in-deutscher-sprache erhalten.

 

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