Sächsisch Fenesch soll Stadtteil werden

Bürgerinitiative will Vereinigung der Gemeinde mit Klausenburg

Mittwoch, 28. Februar 2018

Klausenburg – In den kommenden zehn Jahren soll sich Sächsisch Fenesch (Floreşti) mit dem Munizipium Klausenburg/Cluj-Napoca vereinigen, so fordert es die Bürgerinitiative „Asociaţia Trăiesc în Floreşti“ (Ich lebe in Sächsisch Fenesch) in einem kürzlich veröffentlichten Manifest. Während einer Pressekonferenz sprach der Repräsentant der Initiative, Daniel Meze, über die Probleme in der westlichen Klausenburger Vorortsgemeinde, in der er vor fünf Jahren eine Wohnung kaufte. „Ich zog im vergangenen Herbst nach Sächsisch Fenesch. Schon als ich hier ein Apartment erworben habe, wusste ich, dass es in Sächsisch Fenesch eine Menge Probleme gibt – den Verkehr, den Schmutz auf den Straßen, die Hygiene und Sauberkeit, die fehlenden Bürgersteige sowie den Müll, der achtlos weggeworfen wird. Was mir im letzten Jahr auffiel, war, dass viele dieser Probleme seit 2013 nicht gelöst wurden. Ich war der Meinung, dass das erste, was zu tun wäre, die Auflistung aller Probleme sei, die es in Sächsisch Fenesch gibt. Ich habe also einen Online-Fragebogen erstellt, der auch in diesem Manifest enthalten ist.“

In den vergangenen 16 Jahren hat sich Klausenburg zu einer Stadt mit einem kontinuierlichen Bevölkerungswechsel entwickelt. Seit dem Jahr 2000 haben sich 20 Prozent der Bevölkerung ausgetauscht. Der Soziologe Norbert Petrovici führt dies unter anderem auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten in der Stadt zurück. Wer diese nicht zahlen kann, der zieht weg, insbesondere nach Sächsisch Fenesch. Laut letzter Volkszählung von 2011 ist Sächsisch Fenesch mit 22.813 Einwohnern die größte Gemeinde des Landes. Das Nationale Statistikamt schätzt die aktuelle Einwohnerzahl sogar schon auf über 33.000.
Insgesamt hat die Bürgerinitiative 83 Probleme zusammengetragen. Eines der größten Probleme ist die Anbindung der Gemeinde an Klausenburg. Laut einer Studie der Technischen Universität Klausenburg wird die Einfahrt aus Richtung Großwardein/Oradea täglich von 58.660 Fahrzeugen genutzt und ist damit stärker befahren als die Strecke von Bukarest nach Otopeni. „Viele Menschen stehen um 5 oder 6 Uhr auf, um ihre Kinder bis 8 Uhr in die Schule oder den Kindergarten zu bringen. Wir haben keine staatlichen Kinderkrippen oder -gärten,“ so Iulia Ungureanu, eine der Unterstützerinnen. „Wir haben nicht genügend Schulen. Es gibt kein Lyzeum. Die Arbeitsplätze sind vorwiegend in Klausenburg. An Werktagen sitzt man drei Stunden im Auto. Ich denke das ist nicht normal.“

Die Bürgerinitiative stellte auch heraus, dass es in der Gemeinde keine Spezialisten für das Abrufen von europäischen Fördermitteln gebe. „Durch die Angliederung könnte der Ort europäische Fördermittel anziehen“, so Meze. „Sächsisch Fenesch als Stadtviertel von Klausenburg wird vieles ändern. Dann, wenn Wahlen sind, sind die Einheimischen fleißig, gehen zur Abstimmung und wählen „einen von ihnen“. Den Rest der Zeit, bleibt der Großteil stumm zu Hause oder ist gar nicht in Sächsisch Fenesch gemeldet. Unter diesen Umständen wird sich nie etwas ändern,“ konstatiert das Manifest.

Unzufrieden zeigt sich die Bürgerinitiative auch mit den Bürgermeistern, sowohl Emil Boc (Klausenburg) als auch Horea Şulea (Sächsisch Fenesch) gehören der PNL an. Daniel Meze stellte fest, dass es kein einheitliches Konzept zwischen den Ortsverbänden gibt. „Zum Beispiel fordert der Klausenburger PNL-Stadtrat Radu Moisin die Schließung der nördlichen Verbindungsstraße, die ins Grigorescu-Viertel führt, während der Bauarbeiten an der Garibaldi-Brücke“, so Meze. Bürgermeister Horea Şulea erklärte, dass die Menschen, die das Manifest ausgearbeitet haben, nicht repräsentativ für Sächsisch Fenesch seien – an der Online-Umfrage haben sich 200 Leute beteiligt – und sich politisch in der PMP oder USR beteiligen sollten. Weiter führte Şulea aus, dass die Ideen des Manifests bereits in seinem Regierungsprogramm für 2018 enthalten seien.

Die nächsten Lokalwahlen stehen 2020 an, ob Şulea bis dahin noch im Amt bleibt, ist ungewiss. Am 26. Januar wurde gegen den Bürgermeister Klage wegen Amtsmissbrauch in drei Fällen erhoben. Laut Staatsanwaltschaft Klausenburg soll Şulea das lokale Budget um 270.000 Lei geschädigt haben.

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