„Sag beim Abschied leise Servus“

Karl Franz Szélhégyi-Windberger ist von uns gegangen

Donnerstag, 02. November 2017

Karcsi bei der Feier seines 90. Geburtstags – das war sein Lieblingsbild, wie er immer wieder betonte.
Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar – Jahrelang war er „in Aktion“ gewesen, er hat für die Zeitung fotografiert und berichtet: Der ADZ/BZ-Fotoreporter Karl Franz Szélhégyi-Windberger, der älteste Fotograf in Temeswar, ist am Dienstagnachmittag gestorben. „Karcsi“, wie er von den Kollegen von der Zeitung genannt werden wollte, feierte im Januar d.J. seinen 94. Geburtstag im Kreise seiner Freunde, nachdem er im vergangenen Jahr eine schwere Herz-OP überstanden hatte. Seit zwei Jahren war er im Altenheim der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung zu Hause.

Karl Szélhégyi-Windberger ist gebürtiger Reschitzaer. Seine Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckte er mit neun Jahren. Er besuchte die Grundschule in Reschitza und ging anschließend ans Piaristengymnasium nach Temeswar – die Matura-Prüfung legte er 1941 ab. Er studierte an der TU Politehnica in Temeswar und war drei Jahre lang als Lehrer für technisches Zeichnen in der Stadt an der Bega tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging er nach Bukarest, zum Institut für Kinokunst des berühmten Zeichentrickfilmers Ion Popescu-Gopo. Als er nach Temeswar zurückkehrte, ließ er sich als Fotoreporter bei der ungarischen Zeitung „Szabad Szó“ anstellen. Karl Windberger hat als Fotograf und Filmemacher einen bedeutenden Beitrag zur Dokumentation von Forschungsprozessen und Lehr-OPs an der Fakultät für Medizin in Temeswar geleistet. In dem Medizin-Filmstudio, das er dort leiten durfte, produzierte der Berglanddeutsche zahlreiche wissenschaftliche Forschungs- und Lehrfilme. Nach seinem Rentenantritt 1983 ging er zur „Neuen Banater Zeitung“, wo er jahrelang als Fotoreporter tätig war und u.a. die Sitten und Bräuche der Banater Schwaben mit seiner Kamera festhielt. Er brachte 2009 das erste Buch in Reschitzaer Mundart heraus, „Mia Reschitzara“ – seine über 200 Erzählungen waren jahrelang sonntags in der Deutschen Sendung bei Radio Temeswar zu hören. Am 11. Dezember 2003 wurde er mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt – eine Auszeichnung, auf die er besonders stolz war.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters verlor Karl Szélhégyi-Windberger nie seine Freude am Leben und seinen Sinn für Humor. Seinen 90. Geburtstag feierte der allmählich sein Augenlicht Verlierende mit einer großen Fotoausstellung im Temeswarer AMG-Haus – eine Ausstellung, die mit einer Zeile aus Karl Szélhégyi-Windbergers Lieblingslied endete: „Sag beim Abschied leise Servus“. Ein Lied, mit dem sich Karcsi von seinen Freunden verabschieden wollte.


Der Trauergottesdienst findet am Samstag, um 10 Uhr, in der Kapelle des AMG-Altenheims statt. Das Begräbnis ist für 11 Uhr am Friedhof an der Schager Straße angesetzt.

Kommentare zu diesem Artikel

Don Emilio, 02.11 2017, 22:21
Ja der Charli (so habe ich ihn immer genannt), war mein Freund. Bevor ich im September nach Deutschland fuhr, habe ich ihn zu Abschied im AMG-Haus besucht.
Sehr schade, ich bin traurig.

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