Samuel von Brukenthal als Unternehmer

Eine Ausstellung im Brukenthalpalais in Hermannstadt

Freitag, 12. Juni 2015

In Grundzügen ist der Brukenthal’sche Garten in Freck/Avrig hier bereits vorgeprägt: Entwurf einer fürstlichen Gartenanlage aus: Joseph Furttenbach, „Architectura Civilis“, Ulm 1628. Hermannstadt, Brukenthalbibliothek

Die letzte der vier Pilotausstellungen des Kunst- und Umweltprojekts „Die Grüne Sendelbinde“ ist Samuel von Brukenthals gartenkundlicher Quelle gewidmet: der europäischen Tradition der Gartentheorie und des Gartenbaus.

Samuel von Brukenthal war nicht nur ein hervorragender Kunstsammler. Als Gubernator Siebenbürgens bemühte er sich um die Verbesserung der Lebensbedingungen der gesamten Landesbevölkerung. In Gartenbau und Landwirtschaft strebte er deshalb nach Steigerung von Fruchtvielfalt und Erträgen. Seine Landgüter bei Hermannstadt, Freck und Sâmbăta ließ er zu Mustergütern ausbauen, auf denen er neue Anbau- und Zuchtmethoden erprobte. Sie finden hinsichtlich der Nachhaltigkeit heute in der ökologischen Landwirtschaft ihre Nachfolge.

Triebfeder dieser Anstrengungen waren die neuen Ideen der Aufklärung. Anders als noch in früheren Jahrhunderten galt nicht mehr der siegreiche Feldherr, sondern der treusorgende Ernährer des Volkes als guter Landesherr. Die Verbesserung der Garten- und Landwirtschaft sollte der Wohlfahrt der Untertanen dienen.

Die mehr als dreißig präsentierten Bücher stammen aus den Beständen der Brukenthalbibliothek und sind bibliophile, reich illustrierte Raritäten. Sie erschienen zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert im deutschen Sprachraum, in Frankreich und England und legen Zeugnis von einem Jahrhunderte übergreifenden Nachdenken über den Garten ab. Zu ihnen gehören etwa die beiden Luxusbände der „Nürnbergischen Hesperides“ (Nürnberg, 1708-1714) von Johann Christoph Volkamer, die der Aufzucht von Zitrusgewächsen gewidmet sind, oder die „Architectura Civilis“ (Ulm, 1628) von Joseph Furttenbach, eines der frühesten Werke in deutscher Sprache, das der gartentheoretischen Reflexion breiteren Raum gewährt.
Aus Schriften wie den in der Ausstellung präsentierten bezog Samuel von Brukenthal nicht nur seine gartentheoretischen Konzepte und erhebliches Fachwissen, sondern auch sein Selbstverständnis als „gärtnernder“ Landesvater.

Die Vernissage der Ausstellung findet am Donnerstag, dem 18. Juni, um 15 Uhr, im Kartografischen Kabinett des Hermannstädter Brukenthalpalais statt.

Die „Grüne Sendelbinde“ ist ein auf 36 Monate angelegtes, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Umweltprojekt. Projektpartner sind die Evangelische Kirchengemeinde A.B. Hermannstadt, das Brukenthalmuseum und das Umweltamt Hermannstadt. Das Projekt widmet sich der experimentellen Aufnahme von umweltrelevanten Themen in die Vermittlungsmaßnahmen des Museums: kultur- und kunsthistorische Inhalte werden mit solchen der Umweltbildung verbunden.

Die Ausstellung „Samuel von Brukenthal als Unternehmer“ bleibt bis zum 26. September 2015 geöffnet, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 – 18 Uhr, geschlossen jeweils am ersten Dienstag des Monats.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 20.06 2015, 07:35
Da 18. Jahrhundert war eine Zeit des großen Aufbruchs und der Veränderung. Nach den langen Türkenkriegen und dem Ende des Kuruzzenaufstandes 1711 kehrte endlich ein umfassender Friede ins Land. Endlich konnten Händler und Handwerker von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf ziehen, ohne von Räubern und Kriegsvolk bedrängt zu werden. So gelangte die Moderne nach Siebenbürgen, neue Schulen, Wissenschaft, neue landwirtschaftliche Methoden, neue Feldfrüchte und Nutztiere aus Amerika (Mais, Kartoffel, Tomaten, Kürbis, Zucchini, Truthähne, etc.). Brukenthal versuchte sogar Orangen und Zitronen hier heimisch zu machen, was aber bekanntlich nicht gelungen ist. Die Kunst blühte auf, Ärzte und Apotheker wurden ins Land geholt (zB Hahnemann, dessen Lehre damals keine Esoterik war). Aberglaube und Dummheit wurden zurückgedrängt. Siebenbürgen wurde zum Einwanderungsland, denn in der Walachei und in der Moldau herrschte noch das alte System. Rumänen und Roma wanderten zu und veränderten die ethnische Zusammensetzung. Die Bevölkerung stieg. Brukenthal ist für diese Zeit ein Symbol. Vieles geschah durch und wegen ihm. Aber er war doch ein Kind seiner Zeit, der Denkweise des Absolutismus komplett verhaftet. Die Untertanen, die Bauern in den Dörfern, wurden wohlwollend, aber wie Kinder behandelt, die es zu führen gilt. Mit dem neuen radikal-aufklärerischen Kaiser Josef II. zerkrachte sich Brukenthal komplett. Der Kaiser fegte mit einem Federstrich die alte ständische Ordnung hinweg. Alle Volksgruppen und Konfessionen wurden nun gleichberechtigt, Zünfte und städtische Bürgerordnung aufgehoben, doch nun begann sich Widerstand zu regen. Nun war es nicht mehr nur Fortschritt, nun begann der Konflikt zwischen den alten Eliten und den neuen Gesellschaftsschichten (die französische Revolution strahlte bis hier her aus). Was folgte war eigentlich Stagnation. Erst zwei Generationen später, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die industrielle Revolution Siebenbürgen erreichte, ging es dann wieder rasant vorwärts. Was wäre passiert, wenn das barocke System der Maria-Theresia und des Samuels von Brukenthal Zeit gehabt hätte, in Ruhe weiter zu arbeiten? Wäre es besser gewesen? Hat der radikale junge Kaiser und dessen Generationsgenossen mehr gutes, oder mehr schlechtes bewirkt. Interessante Fragen. Jedenfalls zeigt die Epoche Brukenthals, dass Siebenbürgen damals ganz und gar geistig, wirtschaftlich und kulturell Teil Mitteleuropas war und nicht Teil des rückständigen osmanischen Balkans.
dan, 13.06 2015, 19:36
Eine notwendige und wichtige Ausstellung für Hermannstadt, Rumänien und auch die Sb. Sachsen!
Schade, daß man nicht erfährt, mit welchen Ergebnisse die wirtschaftliche Tätigkeit Brukenthals aufwarten kann...
Denn in der Wirtschaft zählen nur Ergebnisse.

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