Sanierung des Präsidentschaftspalais geht weiter

Fidias Vasquez – ein ecuadorianischer Bildhauer und Restaurierer im Banat

Mittwoch, 14. Januar 2015

Fidias Vasquez bei den Restaurierungsarbeiten an einem der Hauptportale des Temeswarer Barockpalais

Fidias Vasquez vor dem sanierten Maskaron des Präsidentschaftspalais Fotos: privat

„Die schwierigste Etappe der Restaurierung war die Wiederherstellung der Steinbögen“, so der aus Ibarra (Ecuador) stammende Bildhauer Fidias Eduardo Vasquez Cevallos, der bis vor kurzem an der Renovierung der Portale des Präsidentschaftspalais am Temeswarer Domplatz beteiligt war. Es handelt sich dabei um die zwei Hauptportale auf der Südseite und den Maskaron auf der Westseite des Barockpalais, die im Herbst 2014 von Fidias Vasquez und dem Steinmetz Dorin Coleniac aus Klausenburg/ Cluj-Napoca komplett restauriert wurden. Die Fassade des im 18. Jahrhundert errichteten Baukomplexes, zu Zeiten, als das Banat den Status eines Kronlandes der Habsburger hatte (daher „Präsidentschafts“-Palais) erfuhr im Laufe der Zeit mehrere Sanierungen und vom Geschmack der Zeit(en) auferlegte Stilveränderungen.

Während seines 250-jährigen Bestehens erfüllte das Präsidentschaftspalais verschiedene Zwecke, wie den des Sitzes des ersten Zivilgouverneurs, des Grafen Vilana-Perlas, Sitz der Komitatshauses (als das Banat ungarisches Komitat war), Sitz der Verwaltung der Serbischen Wojwodina und des Temescher Banats und Sitz des Agrarwissenschaftlichen Instituts. Seit den 1980er Jahren und bis zur Entstehung des Kunstmuseums 2006 beherbergte das Gebäude im Westflügel, auf der Mercy-Straße, die Kunstabteilung des Museums des Banats. In diesem Teil des Baus fungierten im 18. Jahrhundert zeitweilig das Bergwerksamt (bis zu dessen Verlegung nach Orawitza) und die Militärkasse. Aus der Kunstabteilung des Museums des Banats entstand das vor neun Jahren im Barockpalais eröffnete hiesige Kunstmuseum. Die letzten Renovierungsarbeiten am Präsidentschaftspalais dauerten über 30 Jahre und sind bis zum heutigen Tag noch nicht beendet.

 

Restaurierung der Portale und des Maskarons

Die jüngste Sanierung am Barockpalais erfolgte an den Hauptportalen und dem Maskaron, dem Fratzengesicht, der einst den ältesten Eingang des Gebäudes schmückte und noch zur ersten, 1774 beendeten, Bauphase gehört. Laut Fidias Vasquez dauerte die effektive Renovierung ungefähr zwei Monate, wobei täglich, von montags bis sonntags gearbeitet wurde. Größtenteils wurde in Stein restauriert, da nur die Dekoration der Steinportale – die Girlanden – aus Gips angefertigt sind. Die Renovierung umfasste mehrere Etappen. Zuerst wurden die Portale gereinigt, gewaschen, dann die vom Zahn der Zeit angegriffenen und krümelig gewordenen Steinteile mit dem Meißel und der Drahtbürste entfernt. Für die ganz delikaten, detailreichen Stellen wurde auch mal die Zahnbürste verwendet, erläutert der Bildhauer.

Eine nächste Etappe bezog sich auf die Ergänzung, mittels Restauriermörtel, der fehlenden Stellen der Portale. Im Falle der tieferen Leerstellen erwies sich die Anfertigung einer Stützstruktur mit Nägeln und Edelstahldraht als Stütze für den anzubringenden Mörtel als erforderlich. Wo eine größere Steinmasse fehlte, mussten, je nach Bedarf, kleinere oder größere Steinstücke eingesetzt und mit Restauriermörtel ergänzt werden. Die letzteren Etappen umfassten das Schleifen des Steins und danach die chromatische Integration. Das hinzugefügte Material musste anschließend noch 48 Stunden trocknen, nachdem die Imprägnierung, die Benetzung mit einer speziellen Flüssigkeit, folgte, um die Arbeit wasserdicht zu machen. Die Imprägnierung sichert eine längere Überlebensdauer der Restaurierungsarbeit, sogar bis zu 100 Jahren, so Vasquez.

 

„Am liebsten schnitze ich in Holz“

In seinem Heimatland hat Fidias Vasquez mehr in Holz geschnitzt. „Der Stein, Granit, ist zu hart“, begründet Vasquez seine Wahl. Er bearbeitet vorwiegend Tier- und Vogelmotive. Seine Lieblingsmotive sind das Pferd, der Stier und der Adler.

Der nach dem Bildhauer der griechischen Antike Fidias getaufte Vasquez entstammt einer Künstlerfamilie: sein Vater, Eduardo Vasquez, ist Architekt und Bildhauer, zwei Brüder und ein Schwager des Vaters beschäftigen sich ebenfalls mit Bildhauerei. Sein Vater Eduardo Vasquez studierte mittels eines Stipendiums in den 1970er-1980er Jahren Architektur am „Ion Mincu“-Institut in Bukarest. Dank der in dieser Zeit bestehenden engen Beziehungen zwischen den kommunistischen Staaten konnte sein Vater in Rumänien studieren, erzählt Fidias Vasquez. Seine Mutter bewarb sich hingegen für ein Medizinstudium.

Die Beziehung des 41-jährigen Fidias Vasquez zu Rumänien ist auf seine ersten Kindheitsjahre zurückzuführen. Im Alter von zwei Jahren begleitete er seine Eltern während ihres Studienaufenthalts in Bukarest und besuchte ebenda den Kindergarten.

In Ibarra, einer Stadt mit etwa 300.000 Einwohnern, studierte Fidias Vasquez Kunst an der Facultad de Educación Ciencia y Tecnologia im Rahmen der Universidad Tecnica del Norte. Acht Jahre nach seinem Hochschulabschluss in Ecuador kehrte er nach Rumänien zurück, um Restaurierungsarbeiten durchzuführen und seine Studien zu vervollständigen. So belegte er zwischen 2009-2011 einen Masterstudiengang für Museologie in Karlsburg/Alba Iulia. 2013 begann er ein Masterstudium der Bildhauerei an der Kunsthochschule in Klausenburg/ Cluj-Napoca, seinem „rumänischen Zuhause“. 2014 startete er ebenda auch ein Promostionsstudium in Bilhauerei.

Vor der Sanierung der Portale des Temeswarer Barockpalais unternahm er 2008-2009 Restaurierungen an den vier Barocktoren der Karlsburger Festung, am Hunyaden-Kastell in Eisenmarkt/ Hunedoara, an der Drei-Hierarchen-Kirche in Jassy/ Iaşi und am Kulturpalais in Ploieşti. In Karlsburg restaurierte Vasquez auch eine Pietà, eine mittelalterliche Holzplastik für eine siebenbürgisch-sächsische Kirche.

 

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