SAP, Controlling, Einkauf: Ab Herbst auf Deutsch in Rumänien

Hochschulen aus Temeswar und Karlsruhe arbeiten zusammen

Mittwoch, 20. Mai 2015

In drei Fremdsprachen wird künftig an der Hochschulen für Wirtschaftswissenschaften unterrichtet: Nach englisch und französisch kommt ab Herbst auch deutsch hinzu. Valerian Laval (Foto) leitet das Projekt in deutscher Sprache im Auftrag des Wirtschaftsklubs.

„Alle suchen, doch keiner bildet SAP-Fachleute aus“, sagt Ovidiu Megan (rechts im Bild), Dekan der Hochschule für Wirtschaftswissenschaften. Zur akademischen Initiative ist nun auch jene der deutschen Konzerne hinzugekommen, so Megan über die Gründung des neuen Ausbilduingsweges.
Fotos: Zoltán Pázmány

Es ist die soziale Komponente, aber auch Nachhaltigkeit und perspektivisches Denken, wenn Unternehmen statt sich mit Abwanderungsgedanken herumzuschlagen, in einen mittel- und langfristigen Standort in Temeswar/ Timisoara investieren. Mittlerweile tun ausländische Unternehmen mehr, als nur im Billiglohnland zu agieren, oder Soziale Verantwortung - Corporate Social Responsibility – CSR -  bei Spenden und Schenkungen zu belassen. Besonders stark zeigt sich in diesem Sinne der Deutschsprachige Wirtschaftsklub in Temeswar und der deutsche Automobilzulieferer Dräxlmaier, der nach Implikation in Berufsschulbildung nun auch in Sachen höhere Qualifikation an den Hochschulen so einiges tut. Nach der Unterstützung eines Masterstudiengangs an der West-Universität, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften wird es ab Herbst einen Studiengang Buchhaltung und Wirtschaftsinformatik in deutscher Sprache geben.  In diesem werden die hierzulande bisher kaum vermittelten Qualifikationen SAP,  Controlling und Einkauf auf hohem Niveau ausgebildet. „Schüler mit deutschsprachigem Abitur sollen so eine Möglichkeit haben, diese modernen wie nachgefragten Inhalte in deutscher Sprache in Temeswar zu studieren“, sagt Valerian Laval, Kaufmännischer Standortleiter bei Dräxlmaier und vom Wirtschaftsklub beauftragter Leiter des Projekts.  Derzeit werden noch Firmen gesucht, die beim Aufbau des künftigen deutschsprachigen BWL Bachelor in Temeswar ab Studienjahr 2015/16 mitwirken möchten. Dem Projekt haben sich bisher die Netex Consulting und Cafe+co angeschlossen. Über die Partnerschaft mit der Uni in Karlsruhe gibt es für die Absolventen zum Abschluss des Studiums ein Doppeldiplom und während der Ausbildung Praktika in Deutschland. Mit Valerian Laval sprach BZ-Reporter Siegfried Thiel.

 

Was waren die besonderen Gründe für die Schaffung dieses BWL Bachelor?

In Temeswar besteht aktuell noch ein Engpass an Bewerbern mit Deutsch-Kenntnissen. Eine Vielzahl der jungen Leute wandert nach dem Abitur immer noch nach Deutschland oder Österreich aus, um dort eine Studium zu belegen. Nach Abschluss in Deutschland bleiben diese aufgrund des Gehaltsunterschiedes dort. Sie sind also dem Arbeitsmarkt in Temeswar entzogen. Hierzu hat der DWC einen BWL-Wirtschaftsinformatikstudiengang in Deutsch imitiert, wobei ich hier als Projektleiter mitwirken darf. Durch diesen Studiengang soll das Recruiting Problem "Deutsch" in allen Shared Service Centern in Temeswar auf Dauer gelöst werden.

Welche Vorteile sehen Sie für die Firmen, die sich an dem Projekt beteiligen?

Der Curriculum  wird modernisiert und an die derzeitigen Bedürfnisse der Wirtschaft angepasst. Hierdurch erhöht sich die Quantität und Qualität an Bewerbungen und die Ausbildungskosten in der Firma werden reduziert. Die Firmen werden darüber hinaus als internationaler Arbeitgeber bekannt und geschätzt. Öffentlichkeit und Politik reagieren positiv, da Hochschulkooperationen als Soziale Verantwortung der Konzerne - als CSR - wahrgenommen werden. Dazu gesellt sich ein „employer Branding“ bei aktuellen Angestellten, welche durch solche Aktivitäten zusätzlich Stolz auf ihre Firma sind. Mitarbeiter werden von Kindern und Bekannten regelmäßig auf das positive Engagement ihres Arbeitgebers angesprochen.

Hat der neue Studiengang darüber hinaus auch eine regionale Bedeutung?

Der Bachelor soll wie angedeutet auch die Abwanderung junger Talente aus Rumänien reduzieren. Die immer noch bessere Anerkennung deutscher Abschlüsse bewegt viele talentierte Rumänen, ein Studium im Ausland aufzunehmen. Durch den Doppelabschluss mit der Hochschule Karlsruhe wird den Jugendlichen in dem BWL-Bereich erstmals eine vollwertige Alternative in Rumänien angeboten, verbunden mit der Hoffnung, dass diese nach Abschluss in Rumänien bleiben und dazu beitragen, ihr Land weiter zu entwickeln.

Wie stellen Sie als Projektleiter die nachhaltige Unterstützung dieses Studienganges durch die regionale Wirtschaft sicher?

Neben der Beratung der Universitätsleitung und der Unterstützung beim Aufbau einer Partnerschaft mit einer deutschen Hochschule wurde bei dem Projekt Bachelor besonderer Wert auf die Nachhaltigkeit gesetzt, unabhängig von der Anwesenheit einzelner Personen. Auf jeden Fall sollte vermieden werden, dass ein solches Projekt nach anfänglicher Unterstützung alleine gelassen wird. Aus diesem Grund entschied sich die Projektleitung bewusst dafür, die Unterstützung dieser Initiative durch die Wirtschaft mit Einbeziehung des deutschen Wirtschaftsclubs in Banat auf eine breite Basis zu stellen. Neben Dräxlmaier sind die Firmen NETEX und Cafe+co aktuell die Hauptsponsoren. Die Partnerfirmen des Studienganges haben die Unterstützung mit Praktikantenstellen und finanziellen Mitteln zugesagt.

Welche Förderer gibt es neben der regionalen Wirtschaft?

Neben dem DWC fördert auch der Rotary Club Cosmopolitan aus Temeswar das Projekt und unterstützt mit Spenden. Diese werden dazu dienen, finanziell schlechter gestellten Kindern Stipendien für Unterbringung und Verpflegung zu gewähren, denn insbesondere in kleineren Städten mit einer deutschen Schule stellt das Studium in Temeswar eine finanzielle Belastung dar, welche ärmere Familien nicht stemmen können. Die Mittel kommen von Rotariern oder aus Firmenspenden und werden durch ein Komitee an bedürftige Kinder vergeben. Daneben bietet der Rotary Club Cosmopolitan für die Stipendiaten ein Mentoring Programm an.

Haben Sie noch weitere Projektbeispiele auf dem Gebiet der sozialen Nachhaltigkeit?

2014 konnten wir bereits dazu beigetragen, dass der IT-Masterstudiengang in Temeswar um SAP-Vorlesungen ergänzt wurde. Der IT-Master läuft mit modernisiertem Curriculum seit dem Studienjahr 2014/15 und hat einen erfreulichen Zuwachs an Studentenzahlen.

Was waren in diesem Bereich die spezifischen Gründe für Ihr Engagement?

In Temeswar bestand ein großer Engpass an Bewerbern mit SAP-Kenntnissen. Die Universitäten in Westrumänien haben aber bisher nicht in SAP ausgebildet. Der Aufbau neuer hochqualifizierter Arbeitsplätze war nur durch langes "Training on the Job" oder Abwerben bei andern Firmen möglich. Aber das Abwerben ist natürlich nur eine kurzfristige Lösung denn im Endeffekt haben sich die Firmen die Experten gegenseitig abgenommen. Dieser Wachstumsengpass konnte durch die Schaffung des neuen SAP- Master-Studienganges in Temeawar beseitigt werden.

Was konnten Sie konkret in dieser Hinsicht für den Master-Studiengang tun?

Wir haben die Universität zum einen bei der Neugestaltung des Curriculums beraten. Zum anderen haben wir für die Professoren ein "Train the trainer Programm" in der Firma Dräxlmaier organisiert. Während 1200 Stunden konnten die Professoren Ihre Kenntnisse im Bereich SAP in unserer Firma aufbauen und die neuen Vorlesungsunterlagen zusammen mit unseren SAP-Experten erstellen. Ferner unterstützen Dräxlmaier SAP-Experten die Professoren bei den Vorlesungen.

War die Kooperation mit der Hochschule Karlsruhe die erste internationale Kooperation mit Ihrer Mitwirkung?

In 2015 konnten wir bereits hat einen länderübergreifenden akademischen Wissensaustausch zwischen Rumänien und der Republik Moldau imitieren. Genauer gesagt geht es um den Aufbau einer Partnerschaft zwischen der Universität  "A. Russo"  in Balti, Republik Moldau  mit der "West Universität" in Temeswar, Rumänien. Das Ziel dieser Initiative war die Ausbildung der Studenten in der Republik Moldau zu fördern. Die gut ausgebildeten Absolventen können dann später in höher qualifizierten Berufen tätig werden, zum Beispiel auch in unserem Werk in Balti. Die West-Universität unterstützt diese Initiative mit einem umfassenden Technologietransfer. Auf Grundlage der Unterstützung konnte die Universität Balti diese neuen Technologien in Ihren offiziellen Curriculum für den Master in IT aufnehmen und wird diesen auch in der Zukunft fortführen. Beginn der neuen Vorlesungen war im SS 2015.

Wie sehen konkret die nächsten Schritte aus?

Wir freuen uns auf den angekündigten Besuch des Innenministers von Baden Würtenberg, Herrn Reinhold Gall am 31. Juli 2015. Dieser wird die West-Universität besuchen und sich über den neuen Bachelor Studiengag mit Doppeldiplom an der Hochschule Karlsruhe informieren. Bei dieser Gelegenheit werden wir auch die Hauptsponsoren vorstellen. Sofern weitere Firmen an diesem regional wichtigen Projekt mitwirken möchten, freut sich der DWC über eine Kontaktaufnahme über seine Homepage.

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