Schacht I Anina soll konserviert werden

Technische Dokumentation dafür steht vor dem Abschluss, die Ausschreibung zur Durchführung bevor

Dienstag, 28. November 2017

Panorama von Anina aus Richtung der DN 58 (Reschitza-Anina), in der Mitte der Schacht I, der zum Zentrum des Industrietourismus um- und ausgebaut werden soll.
Foto: Werner Kremm

„Das größte Freilichtmuseum für Bergbau auf dem Gebiet Rumäniens” soll um 2021 nach 36 Monaten Bauzeit in Anina eröffnet werden – wenn alles läuft wie von der Stadtleitung und den Finanzierern geplant. Vorläufig sollen bis Ende Dezember die Vorbereitungsarbeiten dazu – die sogenannte „technische Dokumentation”, die der Ausschreibung zu Grunde liegen muss – abgeschlossen werden. Den entsprechenden Finanzierungsvertrag für die Umwandlung des Kohlenbergwerks Anina – das vor zehn Jahren seinen Betrieb eingestellt hat – in ein weitläufig besuchbares Freilichtmuseum der Bergbautechnik und des Steinkohlenabbaus wurde im Mai mit der Regionalentwicklungsagentur ADR West abgeschlossen. Zu Beginn des kommenden Jahres soll die Ausschreibung zur Durchführung der Arbeiten stattfinden.

Es handelt sich in erster Linie um Schacht I (auf der Denkmalliste des Kulturministeriums heißt es: „Ensemble Schacht I Anina”). Dabei handelt es sich um eines der ehemaligen Herzstücke des Wirtschaftslebens im Steinkohlebecken von Anina, am stadtauswärtigen Ende der Mathias-Hammer-Straße gelegen, wo die ursprünglich als „Kohlenbahn” gebaute „Banater Semmeringbahn” in die Senke von Anina einfährt. Grundsätzlich sollte man sich allerdings keine übertriebenen Illusionen machen: Was zum „Restaurieren, Konservieren und zur Inwertsetzung” übriggeblieben ist, ist das, was ein Insolvenzverwalter ohne Geschichtsbewusstsein in seinem Verwertungsfuror übriggelassen hat.

Fast alles, was irgendwie zu Geld zu machen war, dürfte inzwischen längst eingeschmolzen worden sein – obwohl das Alteisen zum läppischen Preis von rund 0,30 Lei/kg verkauft wurde, wie Augenzeugen berichten. In Anina erzählte man sich, dass u.a. einzigartige Maschinen nicht mehr vorhanden sind – etwa dampfgetriebene Hebemaschinen am Schacht, die voll funktionsfähig waren, aber von den Grubenleitungen in der Reserve gehalten wurden, für den Fall, dass die diesel-, benzin- oder elektrisch betriebenen Hebemaschinen der Einfahrtskörbe am Schacht kaputtgehen sollten. Allein die älteste Schachthebemaschine wurde nach heftigen Protesten von Liebhabern des Industrieerbes nicht angerührt. Selber in Augenschein nehmen kann man gegenwärtig das Gelände von Schacht I kaum, weil eifrige private Wachmannschaften, bezahlt von der Insolvenzverwaltungsfirma, den Zugang zum Gelände strikt verwehren.

Nach der Initiative der Stadtverwaltung Anina, des Museums des Banater Montangebietes sowie der Kreisdirektion für Kultur Karasch-Severin erhielt die Kommune Anina den Zuschlag für eine EU-Finanzierung, mittels derer für 3,5 Millionen Euro das Freilichtmuseum des Banater Bergbaus entstehen soll. Der Vertrag hierfür wurde im Mai 2017 mit der Regionalentwicklungsagentur ADR West unterzeichnet. Zuvor hatte sich die Kreisdirektion für Kultur unter ihrer damaligen Vorsitzenden Dr. Ada Cruceanu-Chisăliţă große Verdienste um das Industrieerbe des Banater Berglands erworben, indem sie Erhaltenswertes auf die Denkmalliste des Kulturministeriums setzen ließ.

Dem vorausgegangen war ein Beschluss des Stadtrats Anina, der, zehn Jahre nach der definitiven Einstellung des Steinkohlebergbaus im Aninaer Kohlerevier, eine richtungsweisende Entscheidung verabschiedet hatte: Man will die Infrastruktur in Anina auf Vordermann bringen und das, was vom Industrieerbe noch vorhanden ist, publikumswirksam inszenieren. Anders gesagt: Die Stadt will sich u.a. auf Industrietourismus umprofilieren und beginnt mit der Sanierung und Konservierung des noch erhaltenen Industrieerbes.

Dazu Bürgermeister Ion Românu (PNL): „Wir arbeiten am technischen Projekt des Bergbaumuseums. Es muss bis Ende Dezember fertig sein. Dann schreiben wir die Arbeiten aus. Aufgrund des Finanzierungsvertrags vom Mai d.J. ist uns unlängst die zweite Tranche Geld überwiesen worden, von den insgesamt 3,5 Millionen Euro. Alle Bauwerke beim Schacht I, sämtlich als Denkmäler der Klasse A eingestuft, werden saniert. Hauptsächliches Thema der Schau im Freilichtmuseum wird der reale Abbau- und Verwertungsprozess der Steinkohle sein, bis hin zum Abtransport zu den Abnehmern. Zusätzlich wird ein Aussichtsturm gebaut, mit Aufzug, um sich eine Übersicht aufs Gelände verschaffen zu können, aber es wird auch die Möglichkeit geboten, probeweise in eine solche Kohlengrube einzufahren – immerhin war es die tiefste Kohlenabbaustelle Südeuropas, mit der Sohle auf 1200 m. Wir haben auch noch eine Dampfmaschine, die wieder funktionsfähig gemacht werden soll und als Hebemaschine der Einfahrtskörbe benutzt wurde – das Pikante dabei: Sie ist eine ,Schwestermaschine’ jener, die auf der ,Titanic’ arbeiteten. Meine insgeheime Hoffnung ist nun, einen guten Bauausführer zu finden.”

Zur Entwicklungsstrategie von Anina sagte Bürgermeister Românu: „Sie ist zweigleisig: Tourismusentwicklung und Modernisierung der Infrastruktur. Damit verstehe ich aber auch den Ausbau der Unterkunfts- und Verköstigungsmöglichkeiten, doch ebenso die Bekanntmachung und Erschließung der umweltgeschützten Umgebung von Anina durch sanften Tourismus, einschließlich der natürlichen und künstlichen Seen, der geschützten Urwälder, der Höhlen – schließlich haben die Höhlenkundler hier den ,Anina-Menschen’, den ,ältesten Europäer’ gefunden (und auch rund um diesen Fund, der die West-Besiedlung Europas durch den homo sapiens neu geschrieben hat, kann man eine touristisch wirksame Geschichte bauen).”

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