„Schaffst du ‚Around the World‘?”

Kendama-Fieber auch in Temeswar

Mittwoch, 10. Mai 2017

„Big Cup, small cup, spike!“ Wenn der Sprössling dieses Kauderwelsch von sich gibt, dann ist er im Club der Kendama-Spieler. „Das sind nur die Grundbewegungen“, kommentiert der Nachwuchs: „Impossible“, „Birth“, „Underbirth“, „Penguin Touch“ oder „Around the World“, „Airplane“, „Legendary“ muss man können. Das sind nur einige Beispiele von Spezialbewegungen.

Nicht zur Unlust der Eltern macht ein Spielzeug den Videospielen Konkurrenz, statt auf das Smartphone konzentriert sich das Kind auf eine Holzkugel, die an einer Schnur hängt, die an einem kurzen schwertförmigen Holzgriff angebracht ist, der drei Teller aufweist, mit denen die Kugel aufgefangen werden können. Mit sechs hat man schon ein eigenes Kendama, wenn die Spielgefährten bereits zur Schule gehen – in der Schule geht es dann richtig los: Grundschulkinder sowie Gymnasiumsbesucher sind ebenso davon angetan.

Auf den Schulhöfen sieht man die Kendama-Spieler heute, bei einem Ken-Battle in der Pause. Es klingt kriegerischer als es ist. Es handelt sich um einen schnellen Wettbewerb, der die Geschicklichkeit der Konkurrenten testet: Einer macht es vor, zum Beispiel zeigt er „Around the World“. Dabei muss die Kugel in folgende Positionen gebracht werden, nacheinander und ohne Pause: Spike, Big Cup, Spike, Small Cup, Spike, Base Cup, Spike! Der andere muss es nachmachen, zwei Mal darf er es versuchen.

Auf der Straße erkennt man die Kendama-Fans daran, dass sie das Spielzeug um den Hals tragen – ähnlich wie ihre Elterngeneration ungefähr im selben Alter stolz als Statussymbol das getragen haben, was man „Walkman“ nannte (wie antiquiert heute das Wort klingt!).

Warum sich Eltern und oft auch Lehrer freuen: Kendama bedeutet viel Konzentration, Geschicklichkeit, also auch ein bisschen Sport, jedenfalls mehr als wenn man seine Freizeit vor dem Laptop oder Fernseher verbringt.

Dabei ist Kendama kein neues Spielzeug. In Japan ist es traditionell. Ähnliches kennen die Franzosen als „Bilboquet“, die Spanier als „Balero“, oder die Briten etwa als „ball in a cup“. Dabei bietet das japanische Kendama durch seinen Aufbau eine Vielzahl an Trickmöglichkeiten. Neu ist das Fieber um das Holzspielzeug. Das Marketing hat das Kendama eben auf die höchsten Stufen gebracht.

Auch Temeswar steckt im Kendama-Fieber: Kendamas wurden in den Holzbuden auf dem Ostermarkt angeboten, für 15 Lei. Kendamas gibt es im Supermarkt um 20 - 100 Lei. Kendamas gibt es in schicken Buchläden, die längst nicht nur Bücher mehr verkaufen, sondern Träume und Empfindungen, für 150 Lei. Es gibt sie auch online. Die Preise reichen bis 300 Lei. Ab 100 Lei bekommt man schon ein Kendama von anerkannten Produzenten kaufen. Anerkannter Produzent ist eine Firma, die die richtigen Maße für die Kendamas benutzt – das ist nicht unwichtig, sondern hilfreich, wenn man es wirklich schaffen will, die Kugel in die richtige Position zu bringen. Ansonsten quält man sich ab.

Kendamas gibt es in mehreren Farben, außerdem kann man für ein bisschen mehr Geld ein Kendama mit „grip“ kaufen, also eine die griffig ist, mit einer Spur hauchdünnem Kautschuk überzogen. Dadurch wachsen die Chancen, die Bewegung zu schaffen.

Und da es scheint, dass das Fieber noch eine Weile dauern wird, wurde bereits ein Wettbewerb angesagt, der demnächst in einer Mall in Temeswar organisiert wird – oder eben ein „Kendama-Battle“, wie das die kleinen Connaisseurs nennen.

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