Schatzgräber in Aktion

Das Südbanat ist zum Ziel illegaler Ausgrabungen geworden

Freitag, 21. Februar 2014

Neuestes Ziel der „Schatzgräber“, die seit Jahrzehnten die archäologisch interessanten Räume Rumäniens verunsichern, ist das Südbanat, wo im Frühmittelalter Byzanz und das Abendland aufeinandertrafen und wo das Osmanische Reich sich am Ende des südosteuropäischen Hochmittelalters eingerichtet hatte. „Türkenfriedhöfe“, „Schatzhöhlen“, Burgen und Festungen, die bis in die Zeit Sigismunds von Luxemburg errichtet wurden, sind das Ziel der technisch hochausgerüsteten Schatzgräber, die skrupellos die Lücken rumänischer Gesetzgebung ausnutzen und nicht selten die örtlichen Potentaten als Handlanger haben. Laut Dr. Dumitru Ţeicu, dem Direktor des Museums des Banater Montangebiets, gehen die gut ausgerüsteten „Schatzsucher“ immer systematischer und vorwiegend im Schutz der Dunkelheit vor. Sie gehen auch den kleinsten Hinweisen nach, etwa Ortslegenden und -erzählungen, die sehr oft voller Andeutungen über verschollene Siedlungen und versunkene Schätze sind und nicht selten auch überraschend genaue Hinweise enthalten.
Jüngst haben die Bewohner von Deutsch-Tschiklowa/Ciclova Montană bei Orawitza/Oraviţa die Medien des Banater Berglands darauf aufmerksam gemacht, dass im Flurteil „La Văioagă“ (in etwa: „Beim Wildwassertal“) am Fuß des Simeon-Bergs offensichtlich mit mechanischen Mitteln nachts tiefe Gräben ausgehoben wurden: „Es wurden Gräben ausgebaggert, nachts zwischen 3 und 4 Uhr, sehr lange, schnurgerade und zwei Meter tiefe Gräben“, heißt es in der Gemeinde. Flurbegehungen bestätigen das Vorhandensein von mechanisch ausgeführten Sondierungsgräben, hinter denen, laut Lokalpresse, „auch lokale Entscheidungsträger stecken“.

Lokale Behörden  als Komplizen?

Unter normalen Umständen müssten solche Stellen – die lokalen Legenden sprechen unter anderem von einem „Türkenfriedhof“ an diesem Ort – als archäologische Fundstätten markiert sein (auch wenn da noch nie wissenschaftlich gegraben wurde) und damit wäre eine Handhabe gegen illegal vorgehende Schatzsucher gegeben. Daran scheinen jedoch manche Kommunen wenig Interesse zu haben, zumal sie sehr schwer zu zwingen sind, solche Stellen zu markieren, weil das Gesetz allzu viele Ausflüchte zulässt. Und weil es zu den Methoden der „Schatzsucher“ gehören soll, bei den örtlichen Entscheidungsträgern die Hoffnung auf die Beteiligung an einem eventuellen Gewinn (Schatzfund) zu wecken.
Die systematischen und präzisen Grabungen, die offensichtlich Sondierungsgrabungen sind, zwangen zu einer Nachfrage beim Direktor des Museums des Banater Montangebiets. Dr. Dumitru Ţeicu, ein bekannter Fachmann für mittelalterliche Archäologie: „Uns sind gleich nach deren Durchführung Nachrichten über diese Arbeiten zugetragen worden, zumal ich selber aus der Nähe stamme. Aber es handelt sich nicht um Ausgrabungen des Museums. Die Verfahren für die Durchführung offizieller archäologischer Ausgrabungen sind sehr kompliziert, die Gelder dazu sehr beschränkt. Ich habe meine Museologen hingeschickt, um sich die Arbeiten anzusehen. Sie waren schockiert von der Aggressivität des Vorgehens mit dem Bagger, was auch zeigt, dass diese ‘Schatzsucher’ keine Grenzen mehr kennen.“

Gab es bei Tschiklowa eine Festung?

„Zwar behauptet das kollektive Gedächtnis von Tschiklowa, dass dort ein „Türkenfriedhof“ lag, wir mussten aber feststellen, dass die Sondierungsgrabungen Grundmauern freigelegt haben, die aus behauenem Stein errichtet wurden (ganz ähnlich der heutigen Bauweise der Kroaten in den Ortschaften um Kraschowa, die Kalksteinblöcke behauen und zum Bauen verwenden) – also um die Ruinen von Gebäuden, was immer mit reichen archäologischen Funden verbunden ist, wenn denn archäologisch, also systematisch-wissenschaftlich gegraben wird.
Leider häufen sich in den letzten Jahren die Nachrichten über solche wilde Grabungen von sogenannten Schatzsuchern im Banater Bergland. Ich erwähne bloß jene rund um Bozovici im Almăj-Tal oder die bei den Ruinen der mittelalterlichen Festung von Potoc (auch in der Nähe von Tschiklowa gelegen), gar nicht zu sprechen vom wilden Durchwühlen mancher ‘Schatzhöhlen’ im Banater Karst.“
Andererseits sei die Gesetzgebung zum Schutz des archäologisch zu erschließenden Kulturguts so mangelhaft, dass man praktisch nichts Konkretes gegen die „Schatzsucher“ unternehmen kann: „Wer soll denn was dagegen unternehmen?“ Dr. Ţeicu kennt sich anscheinend gut aus in diesem für Kenner leicht zu durchdringenden Dickicht: „Es gibt nicht wenige Orte, wo den Behörden diese Vorgehensweisen überhaupt nicht fremd und rätselhaft sind. Aber gegen wen sollen sie denn, vorausgesetzt sie sind guten Willens, Maßnahmen ergreifen? Die Diebe graben nachts, sind bestens ausgestattet und verschwinden, nachdem sie sich ein Bild gemacht haben. Oder etwas gefunden haben. Außerdem kennen die „Schatzgräber“ die Lücken der rumänischen Gesetzgebung besser als sonstwer. Ihr Hauptargument: Nirgends sind potenzielle archäologische Fundstätten ausgeschildert, was der erste und elementarste Schutz wäre, den man diesen gewähren kann. Kein Rathaus im gesamten Verwaltungskreis Karasch-Severin hat je eine solche einfache Tafel aufgestellt. Wir als Museum haben nicht die Befugnis dazu. Darauf aufmerksam machen können wir schon...“

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