Schauen Sie bitte nicht so genau hin

„Zurück zur Natur“ meint auch der Müll-in-den-Wald-Bringer

Samstag, 17. September 2016

Man sieht ihn nicht in den Prospekten der lokalen Fremdenverkehrsämter, nicht in den Reisekatalogen, welche auf den Tourismusmessen die Schwarzmeerküste oder die Karpaten bewerben und auch nicht auf den Hochglanzfotos, die in den sozialen Netzwerken geteilt werden und die wilde Schönheit der Marmarosch oder die malerischen Dörfer Siebenbürgens zeigen. Dabei kann man seinem Anblick gar nicht entrinnen. Man kann sich in Temeswar in den Zug in Richtung Reschitza setzen und sieht ihn, man sieht ihn nach einer durchtanzten Nacht am Strand von Mamaia und auch im Stadtzentrum von Hermannstadt – dort, das muss ich zugeben, ist er etwas versteckt. Fährt man allerdings auf die Hohe Rinne, dann sieht man ihn - neben den Berghütten, muss wiederum etwas genau hinschauen, aber auch dort wird man fündig.

Vama Veche ist nicht das Zentrum der Hippies und Nudisten, sondern die größte Müllkippe am Schwarzen Meer. Hier kann sich auch der kosmopolitische, atheistische, sich vegan ernährende Bukarester als echter Rumäne fühlen. In der Berghütte Canaia stoßen die naturliebenden Wanderer auf die erfolgreiche Gipfelbesteigung des Cindrel an. Bevor man dann allerdings erschöpft ins Bett fällt, entsorgt man noch gemeinsam die leeren Dosen am Abhang neben dem Plumpsklo. Und wenn der Hermannstädter an einem sonnigen Sonntag zum Grillen in Richtung Hohe Rinne aufbricht, dann weiß er, dass er seinen Müll mitzunehmen hat. Seinen Hausmüll natürlich, denn der wird schließlich hinter dem Ortsausgang von Răşinari verbrannt. Ob Jung oder Alt, Großstädter oder Dorfbewohner, ob im Banat oder der Bukowina, man ist sich einig in diesem Land, nach dem traditionellen Barbecue am heißen Sommertag lässt man seinen Müll an der Feuerstelle zurück.

Als Tourist mag es Sie verwundern, aber wenn Sie durch das Hermannstädter Villenviertel laufen oder mit dem Fahrrad durch die trockenen Dörfer der Dobrudscha fahren, dann sollten Sie Ihre Abfälle nicht in der Leute Vorgärten schmeißen. Da wird er sauer der Rumäne. Das Motto von Großkarol bis Negru Vodă lautet: Aus den Augen aus dem Sinn.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 17.09 2016, 20:46
früher hat man die Papierverpackung einfach weggeschmissen und das Papier ist auch wirklich schnell verrottet. Seitdem aber alles in Plastik verpackt ist, schaut es aus wie es ausschaut. Vielen Leuten ist ganz einfach nicht bewusst, das Plastik nicht einfach verrottet. Die wissen das tatsächlich nicht und selbst wenn man es ihnen sagt, glauben sie es nicht. Hab sogar Sachsen gesehen, die Chipstüten in die Kanalöffnung geworfen haben und dabei noch überzeugt waren, das wäre richtig so. Was glauben die eigentlich, dass sich das Plastik in Kontakt mit Wasser auflöst? Sogar im deutsch regierten Hermannstadt gibt es keine funktionierende Mülltrennung. Man weiß gar nicht, wo man Altglas, Plastikflaschen und Altpapier hinbringen soll. Jetzt wollen sie ein Mülltrennsystem einführen und dafür noch eine extra Müllgebühr für jeden Haushalt einführen. Dabei handelt es sich hier um wertvolle Rohstoffe, anderswo verdienen Kommunen noch Geld mit dem Sammeln von Altpapier und Glas. Es ist einfach noch extrem viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Was im Westen in den 1980er Jahren der Gesellschaft wirklich intensiv eingeimpft worden ist, steckt hier noch in den Kinderschuhen. Und die großen Einzelhandelsketten wie Lidl, Kaufland und Auchan muss man gesetzlich dazu zwingen, Bier und Mineralwasser in Mehrweg-Glasflaschen anzubieten. Bier zB bekommt man fast nur in Dosen und Plastikflaschen, was allein schon geschmacklich unmöglich ist. Glas ist das einzige Material, das chemisch nicht mit Getränken interagiert oder Stoffe ausdiffundiert, es ist also auch gesünder Getränke in Glasflaschen zu kaufen. Auch das wissen viele nicht.

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