Schaurige Leinwand-Geschichten

Ein Abend beim „Dracula“ Film Festival

Samstag, 11. Oktober 2014

Die Preisverleihung des „Dracula“ Filmfestivals fand am 4. Oktober im Dramentheater statt. Foto: Facebook „Dracula Festival“

Von  der Decke des Foyers im Dramentheater hängt ein Paar schwarzer Engelsflügel. Auf einem Plakat vor dem großen Saal fliegen etwa 15 Fledermäuse einer roten Sonne entgegen. Eine junge Frau bietet den wenigen Besuchern Test-Fahrten mit einem Mercedes an. Im neu renovierten Saal mit grünen Stühlen ist es kalt. Etwa 10 Leute schauen erwartungsvoll auf die Leinwand. Davon zählt die Hälfte zu den Organisatoren. Es ist Freitag, der 3. Oktober, 17 Uhr. Der dritte Abend des „Dracula“ Horror und Fantasy-Filmfestivals hat begonnen.
 
Trotz guter Organisation wenig Publikum

Eigentlich waren die Voraussetzungen sehr gut: eine professionell gestaltete Webseite, viel Werbung auf der Facebook-Seite, drei Wettbewerbs-Kategorien (internationaler Wettbewerb für Langfilme, internationaler Wettbewerb für Kurzfilme und Wettbewerb für rumänische Kurzfilme), Konzerte als Rahmenprogramm, Weltpremieren, ein eigener Werbespot,  eine internationale Jury, Filmteams, die an den Projektionen teilnehmen und Diskussionen mit dem Publikum nach jedem Wettbewerbsfilm.

Die Straßen Kronstadts waren voll von Plakaten mit den Fledermäusen und der Sonne, in allen Clubs, Bars und Cafés konnte man Programmhefte finden  und während des Festivals gab es in manchen Lokalen „vampirische“ Drinks wie blutiger Cappuccino oder „Dracula“-Rotwein und mit kleinen Plastik-Fledermäusen geschmückte Cocktailgläser. Auch der erste Abend war vielversprechend: bei der Weltpremiere von „Dracula Untold“, einem amerikanischen Film über das sagenumworbene Leben des Vlad Ţepeş, kamen über 600 Zuschauer ins Dramentheater. Die Zahl sank in den nächsten Tagen auf etwa ein Zehntel davon.

Freitag-Abende, Internet-Morde und ein Vampir in Athen

Der Film, der Freitagnachmittag gezeigt wurde, ist  in Rumänien gedreht und produziert. „Freitag Abend“ ist ein Omnibus-Projekt, bestehend aus drei Kurzfilmen. Anders wie bei ähnlichen Produktionen, wo verschiedene Regisseure Kurzfilme zum selben Thema drehen, sind hier alle drei Filme vom selben Regisseur, dem Dreißigjährigen Jamil Hendi. Es geht um drei schaurige Geschichten,  die alle an einem Freitag Abend in einem Plattenbauviertel aus Bukarest stattfinden. In der ersten begibt sich ein junger Mann, der gerade von seinem Chef gefeuert wurde, in die Wohnung eines merkwürdigen Nachbarn. Die zweite Geschichte handelt von einem Mann, der zu ängstlich ist, um Selbstmord zu begehen, so dass er einen Auftrags-Mörder dafür bezahlt. Die dritte Story handelt von einem Mann, der an Amnesie leidet und sich an die Frau, die er zu töten versucht hat, nicht mehr erinnert.

Alle drei Geschichten fangen interessant an, aber nach der zweiten Hälfte sieht es so aus, als ob der Regisseur die Kontrolle über den Film verloren hat. Auch ziehen sich die Geschichten unnötig in die Länge. Weniger wäre mehr gewesen, trotzdem ist  „Freitag Abend“ ein Film, wo Spannung in der Luft liegt und die Atmosphäre düster ist, also die wichtigsten Prämissen für einen Horror-Film erfüllt sind. Beim nächsten  Wettbewerbs-Film, dem indonesischen „Killers“ (Regie: Kimo Stamboel),  sind etwa ein Zehntel der Stühle im Saal besetzt. Nach zwei Stunden und zehn Minuten, als das Licht wieder aufgeht, ist nur noch die Hälfte des Publikums im Saal. „Killers“, der über die Faszination eines Journalisten für einen Mörder, der seine Taten filmt und ins Internet setzt, handelt, ist vielleicht ein wenig zu brutal für viele Zuschauer:  in 130 Minuten fließen Hunderte von Liter Blut und sterben mehr als 20 Menschen. So sind eben Horror-Filme. Ganz verschieden ist der letzte Film des Abends, „Norway“ (Yannis Veslemes), der von einem Vampir Namens Zeno und seinen Abenteuern im Athen der 80er Jahre erzählt – bunt, schrill und urkomisch. Mit diesem Film endete die Wettbewerbs-Sektion des Festivals, die anderen drei Filme wurden am Abend davor gezeigt. Am Samstag Abend wurde der Gewinner der Dracula-Trophäe bekannt gegeben: „The Canal“ (Regie: Ivan Kavanagh), ein irländischer Film über ein Haus, in dem ein böser Geist herumtreibt.

Ein Magnet für ausländische Touristen

Es scheint, dass die Kronstädter noch nicht für ein Horrorfilm-Festival vorbereitet sind. Doch die Organisatoren sind optimistisch und wollen nicht aufgeben. „Wir wollen in einigen Jahren das Publikum daran gewöhnen, ins Kino zu gehen. Kronstadt hat noch keine Kino-Kultur“, meinen sie. Das Team aus Kronstädtern und Bukarestern, das hinter der Organisation steckt, wünscht sich, dass in Zukunft das Festival wie ein Magnet für ausländische Touristen wirken wird, die speziell dafür nach Siebenbürgen kommen werden. Die Idee, das Festival zu organisieren, kam von der Freizeits-Zeitschrift „Zile şi Nopţi“, die Anfang 2013 den Kulturverein „Fanzin“ gegründet hat.

Die junge Kulturgesellschaft organisierte im selben Jahr  gleich vier Events in Kronstadt, die sich in diesem Jahr wiederholten, bzw. wiederholen werden: ein Komödien-Theaterfestival im Mai, ein Stand-Up-Comedy Festival im September, das Dracula-Filmfestival im Oktober und ein Jazz- und Blues-Festival im Dezember. Beim Theaterfestival waren fast alle Aufführungen drei Tage vor Beginn ausverkauft, obwohl die Karten über 50 Lei gekostet haben. Beim Dracula-Filmfestival kostete ein Ticket für die Wettbewerbs-Filme 5 Lei, für die Gala-Vorstellungen 15 Lei,  für die Kurzfilme war der Eintritt frei. Trotzdem war wenig Publikum an den 5 Abenden. Die Organisatoren meinen, es sei normal für die ersten Auflagen. Es ist natürlich nicht leicht, das eher konservative Publikum aus Kronstadt zu Filmen mit Vampiren, Serienmördern, Geistern und Monstern zu bringen. Trotzdem sind sich die Veranstalter sicher: auch 2015 wird es ein Dracula-Festival geben. 

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