Schicksal des ehemaligen Kunstlyzeums unklar

Abriss und Bau eines Hochhauses weiterhin im Visier

Samstag, 29. Juli 2017

Die Diskussionen um das Gebäude des ehemaligen Kunstlyzeums (im Bild) wurden jüngst wieder aufgenommen. Der Besitzer gibt die Idee des Abrisses und Baus eines Hochhauses mit zehn Stockwerken und Büroräumen nicht auf.
Foto: Zoltán Pázmány

Die Diskussionen um das Gebäude des ehemaligen Kunstlyzeums in Temeswar wurden wieder aufgenommen. Der Besitzer gibt die Idee des Abrisses und des Baus eines Hochhauses mit zehn Stockwerken und Büroräumen nicht auf.

Das Immobilienprojekt wurde im Februar dieses Jahres zur Debatte gestellt, kurz darauf hat man das Projekt fallen gelassen, damit auch andere Ideen analysiert werden. Nun rückt die Idee erneut ins Visier der Investoren. Die Dokumentation für die Umsetzung des Projekts wurde jüngst beim Temeswarer Bürgermeisteramt eingereicht. Der Verein „Salvaţi Patrimoniul Timişoarei“ (zu deutsch „Rettet das Temeswarer Erbe“) verlangt nun eine neue Debatte zu diesem Thema.

Der Klausenburger Immobilienentwickler hat einen neuen Antrag für die Ausarbeitung des Stadtentwickungsplans eingereicht. Dabei geht es um denselben Bauplan eines Gebäudes mit unterschiedlicher Nutzung, wie bereits mehrmals erwähnt. Ein Gebäudekomplex für Wohn- und Verwaltungstätigkeiten, mit Geschäften, Banken, Kulturräumen, einem Hotel und einem Parkhaus soll auf dem Gelände, das an den Mihai-Eminescu- und C.D. Loga-Boulevard und die Straße des 20. Dezembers 1989 grenzt, entstehen. Verantwortlich für den Plan zeichnen zwei Temeswarer Architekten - Ioan Andreescu und Vlad Gaivoronschi. Aus dem derzeitigen Gebäudeensemble soll allein das Gebäude des Temescher Schulamts erhalten bleiben. Die Baustudie wurde erneut auf der Homepage des Temeswarer Bürgermeisteramts, www.primariatm.ro, veröffentlicht. Interessenten durften bis zum 13. Juli ihre Anmerkungen dazu hochladen.

Der Temeswarer Bürgermeister Nicolae Robu scheint nichts gegen dieses Projekt zu haben. Dabei empfindet er sogar, dass die Investition willkommen sei. „Die Idee einer solchen Investition ist sehr gut. Die Nebeneinanderstellung von modernen und älteren Gebäuden ist etwas Übliches im Ausland. Wenn die Architekten Visionen haben, dann können solche Projekte spektakulär werden“, sagt Nicolae Robu.

Der Temeswarer Verein „Salvaţi Patrimoniul Timişoarei“ und mehrere Architekten sind aber anderer Meinung. Sie befürchten den Missbrauch der historischen Bauten und eine unpassende Umgestaltung des Ensembles. Nun verlangt der Verein eine neue öffentliche Debatte. „Was genau wird abgerissen? Was wird erhalten?“, wollen die Mitglieder des Vereins wissen.

Die Kontroversen bezüglich des Gebäudeensembles in der Temeswarer Innenstadt reichen ein paar Jahre zurück. Das einstige jüdische, später Kunstlyzeum der Stadt ist kein historisches Denkmal, doch laut Angaben von Architekten eine wichtiges Bauwerk für die Stadt. Am Kunstlyzeum haben im Laufe der Jahre bedeutende Künstler, darunter Julius Podlipny, Gabriel Popa, Victor Gaga, Romul Nuţiu, Octavian Maxim, Stefan Bertalan, Doru Tulcan, Constantin Flondor gelernt und gelehrt. Das Gebäude könnte in passenden Räumen Museen sowie Kultureinrichtungen beherbergen, heißt einer der Vorschläge der Temeswarer Architekten.

Die wertvolle Lage der Immobilie und die gesamte Fläche von 8365 Quadratmetern scheint aber für viele Investoren verlockend. Seit mehreren Jahren wird über den Abriss und die Umgestaltung des Baus gesprochen. Seit 2013 ist das Kunstlyzeum hier nicht mehr untergebracht. Heute beherbergt das Gebäude allein im Gebäudeflügel auf dem C.D. Loga-Boulevard das Temescher Schulinspektorat. Schon 2014 genehmigte der Stadtrat den geplanten Abriss des Kunstlyzeums. Teil dieses Stadtplans zur Modernisierung und Umgestaltung dieser Gegend war auch der Abriss des ehemaligen Gebäudes des Kreisschulamtes und schließlich der Ausbau und die Modernisierung der Straße des 20. Dezembers 1989. Im Herbst des vergangenen Jahres hat der Eigentümer des seit längerem leerstehenden Kunstlyzeums, die jüdische Gemeinschaft bzw. die „Caritatea“-Stiftung, der Stadt einen Teil des Gebäudekomplexes und des Geländes zum Kauf angeboten. Der Kaufpreis wurde auf fünf Millionen Euro geschätzt.

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