Schlammschlacht in der Sozialdemokratischen Partei geht in die nächste Runde

Medienzar Sebastian Ghiţă tritt nach Protestschreiben Ion Iliescus aus der Partei aus

Mittwoch, 03. Dezember 2014

Bukarest (ADZ) - In der Regierungspartei PSD ist noch längst kein Ende der nach dem Wahldebakel offen tobenden Schlammschlacht in Sicht. So meldete sich am Wochenende Parteiurgestein Ion Iliescu schriftlich zu Wort, der Stellung zu den auf der jüngsten Exekutivkomitee-Klausur geäußerten Vorwürfen des einflussreichen Abgeordneten Sebastian Ghiţă bezog: Dessen Behauptung, Iliescu habe die PSD den Wahlsieg gekostet, weil er als Altkommunist und die Partei daher als wendekommunistisch wahrgenommen werde, sei „ein Akt der Feigheit und eine Schurkerei“, schrieb Iliescu.

Er lehne es ab, sich von Personen „belehren zu lassen, die meinen, eine Partei kaufen zu können“; das Präsidentschaftsrennen habe man wegen des völlig „inhaltslosen Wahlkampfes“ verloren, hieß es im Schreiben des Altpräsidenten.

Ghiţă trat daraufhin umgehend aus der Partei aus – er habe den Entschluss nach einer Aussprache mit Partei- und Regierungschef Victor Ponta gefasst und werde der PSD „so lange fernbleiben, bis die Fragen bezüglich Kommunismus, Korruption und Änderung des Parteiengesetzes gelöst sind“, teilte der Unternehmer und Medienzar mit.

Nach Ion Iliescus herber Kritik hakte auch der frisch vor die Tür gesetzte Mircea Geoană nach: Die einzige Devise der PSD unter Leitung der „Triade“ Ponta-Ghiţă-Dragnea laute „korrupt und reich“; Ponta selbst sei ein „kleiner Kim“, der zusammen mit Ex-Außenminister Corlăţean das Wahldebakel im Ausland zu verantworten habe, so der frühere Ressort- und Parteichef.

Ponta schwieg sich zu Geoanăs Vorwürfen aus, dafür konterte PSD-Exekutivchef Liviu Dragnea: Geoană gehöre gemeinsam mit dem gleichfalls geschassten Marian Vanghelie, dem in U-Haft sitzenden Viorel Hrebenciuc u. a. dubiosen Gestalten einer „mafiösen Bruderschaft“ an, die aus der PSD eine „Halunkenpartei“ machen wollten. Dragnea dementierte zudem, den „Amis“ die Schuld an Pontas Wahlniederlage gegeben zu haben – auf der Klausur habe er „Facebook“, eindeutig eine US-amerikanische Marke, jedoch „keine Länder erwähnt“, stellte Dragnea nach den Enthüllungen von Bezirksbürgermeister Vanghelie klar.

Kommentare zu diesem Artikel

Skeptikus, 03.12 2014, 23:04
@all: schauen wir mal Ende Januar 2015!
norbert, 03.12 2014, 18:34
Die Parteien repräsentieren die Bevölkerung. Die rumänische Bevölkerung sind die Parteien. Rumänische Parteien gleich rumänische Bevölkerung. Das gleiche gilt für Deutschland. Zu Glauben. Man nennt eine Partei um..und schon sind über Nacht die Rumänen geändert..der kann nur ein romanisierter. Also jemand mit halben Hirn sein. Die Parteien sind das Spiegelbild des Zustandes eines Volkes. Erst wenn über viele Jahrzehnte die koruption in der Bevölkerung therapiert wird. .bekommen die Rumänen auch andere Parteien. Weil die Menschen dann anders ticken. .schön weiter träumen und denn in Rumänien ist ja zwei und zwei gleich fünf. Wenn man älter ist wie die Schreiberlinge hier. .dann kriegt man einen verklärten Blick. .mane r kennt sie daran. .wenn sie sprechen. .weist du noch früher da wars doch schön in Rumänien. Das war als das Land noch nicht bevölkert war.
Gast27, 03.12 2014, 18:09
Nun müssten eigentlich auch die dümmsten „Altkommunisten“ verstanden haben, dass man mit Würstel, Bier und Antenna 3 keine Wahlen gewinnen kann. Willkommen in der realen/virtuellen Welt der sozialen Netzwerke. Der Wähler möchte Inhalte sehen und Fairness für alle, das war die eigentliche Botschaft der letzten Wahlen.

Diese Botschaft scheint jedoch noch nicht bei den „PSD-Granden“ angekommen zu sein. Es wurden lediglich Kritiker aus der Partei entfernt, die ideologische Ausrichtung der Partei wurde jedoch (wenn überhaupt) nur oberflächlich hinterfragt. Schönen Worten sollten nun auch taten folgen. Objektiv betrachtet, lässt sich dies jedoch nicht realisieren, hier haben die eigentlichen „Strippenzieher“ zu viel Einfluss und viel zu viel zu verlieren.

Das deckt sich auch mit der Aussage des Herrn „Doktor“, man möge sich vorerst ruhig verhalten… Was geschieht nach Ablauf des selbst auferlegten „Schweige-Gebotes“? Weiter wie gehabt?
Hanns, 03.12 2014, 17:55
Die PSD gehört der Geschichte an und sollte deshalb sofort beendet werden. Dann wäre der Weg frei für die Gründung einer echten sozialdemokratischen Partei europäischer Prägung. Alle Kommunisten und korrupten Gauner haben dann in dieser neuen Partei keinen Platz mehr.
Manfred, 03.12 2014, 17:03
Helmut,mit ein paar Bauernopfern kann es nicht getan sein!Demokratie funktioniert von unten nach oben,nicht wie in RO von oben nach unten.
Walter, 03.12 2014, 16:34
Armer Helmut ... wer bleibt dann über ... wenn jeder, der nur wegen des Geldes und der Macht wegen bei der PSD ist, die Partei verlassen soll ... gibt es plötzlich eine Partei ohne Mitglieder! :-)
Am Ende sitzen Sie ganz alleine im Boot! ;-)
Helmut, 03.12 2014, 15:44
An die Redaktion:" Eine Auseinadersetzung ist eben kein Schachspiel.Deshalb muß diese noch lange keine Schlammschlacht sein.Aber als Schlagzeile läßt sich das halt politisch besser verkaufen und die Geldgeber sehen es auch lieber...Millionäre machen Meinung für Millionen.........".Die PSD muß sich von allen diesen Halunken welche nur des Geldes und der persönlichen Macht wegen Parteimitglieder sind endgültig trennen(aber auch alle anderen Parteien PNL/PDL,UDMR,usw.sollten diesen Weg einschlagen,auch dort gibt es genügend Sumpfblüten).Es ist endlich Zeit klare Fronten innerhalb der Partei zu schaffen und diese Wahlniederlage sollte dazu beitragen,dass der Erneuereungsprozess raschest erfolgt.In der PSD dürfen nicht mehr die Millionäre und Medienzaren und andere dubiose Gestalten das sagen haben, sondern nur Menschen/PolitikerInnen mit sauberer, ehrlicher und sozialer Gesinnung.SozialdemokratIn zu sein bedeutet nicht sich auf Kosten anderer mit unehrlichen Methoden zu bereichen,sondern in Solidarität mit den schwer und ehrlich arbeitenden Menschen zu leben und für ihre Rechte und ein besseres Leben zu kämpfen.Diese Auseinandersetzung innerhalb der PSD muß jetzt ,auch wenn es schmerzlich ist,durchgezogen werden.Eine erneuerte PSD kann und wird dem Land, in Zukunft, neue Perspektiven und Impulse bieten.Die Wähler warten auf eine echte parteipolitsche,sozial,gerechte Alternative und werden dies am Ende, bei kommenden Wahlen, auch belohnen.
Skeptikus, 03.12 2014, 14:17
Die PSD hatte kein positives Thema im Wahlkampf. Das Bild mit dem kleinen "Kim" ist witzig und zutreffend. Über soziale Medien wie Facebook und Twitter konnten schnell die Missstände in ganz Europa bei der von der Regierung organisierten Wahl verbreietet werden. Heute kann man nichts mehr tot schweigen.
Manfred, 03.12 2014, 14:01
Was den inhaltslosen Wahlkampf angeht...da hat lliescu recht!
Dubiose Genossen gibt es mehr als genug,wenn man sich von denen trennt,wird nicht viel von der Führung landesweit und in den Kreisen übrigbleiben.Was passiert mit Mazare und den anderen Lokalbaronen?Ist Dragnea wirklich sauber?Was weiß Ponta von der Holzmafia?Da sind noch viele Fragen offen.

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