Schlechte Mobilität, gutes Zusammenleben in der Stadt

Lebensqualitätsbarometer der Temeswarer bekannt gemacht

Mittwoch, 11. Juli 2018

„Space-Sharing“ nennt sich das Konzept dieser „Gehsteig-Fahrradpiste“. Foto: Zoltán Pázmány

Am meisten sind die Temeswarer mit der Mobilität in der Stadt unzufrieden. Das ist das wahrscheinlich wichtigste Ergebnis des vor Kurzem vorgestellten Barometers zur Lebensqualität, an dem die Zufriedenheit der Bürger über ihre Stadt und die verschiedenen Aspekte des Lebensgefühls und des Lebensstils in Temeswar abgelesen werden können.

Zum zweiten Mal hat das Forscherteam um den Soziologen Marius Lupșa Matichescu von der West-Universität Temeswar die Ergebnisse eines Barometers (diesmal für 2017) bekannt gemacht. Die Lebensqualität in Temeswar soll mit Hilfe der Daten, die aus subjektiven Antworten auf verschiedene Fragen, die die Lebens- und Wohnaspekte in Betracht ziehen, bestimmt werden, so die Methodologie: „Was glauben die Temeswarer über die Stadt, in der sie leben? Welches sind ihre Probleme? Sind sie zufrieden mit der Qualität der öffentlichen Dienstleistungen?“

Um zu dem Punkt, den die Temeswarer unzufrieden stellt, zurückzukehren: Unter Mobilität werden mehrere Aspekte zusammengefasst: Die Temeswarer bemängeln die Anzahl der Parkplätze in der Stadt, den Zustand der Straßen und Gehsteige, die Radpisten sowie die öffentlichen Verkehrsmittel. In einem Top der Fragen, auf die die befragten Temeswarer meist negativ geantwortet haben („Wie zufrieden oder unzufrieden sind sie über…?“), rangieren solche, die sich auf verschiedene Dimensionen der Mobilität beziehen, auf Platz 1 und dann 3 bis 6. Auf Platz zwei steht die Unzufriedenheit über den Zustand der historischen Gebäude. Gerade im europäischen Jahr des Kulturerbes ist dies ein Alarmsignal.

Temeswarer wollen sanierte Gebäude

Auch wenn die Studie sie nicht erwähnt, kann man hier zwei der wichtigsten Gebäude der Stadt anführen, Baudenkmäler und historisch symbolträchtige Gebäude zugleich: das Nationale Museum des Banats (das Hunyadi-Schloss) und die Rumänische Oper Temeswar, wenn man nur die größten und bedeutungsvollsten ins Rampenlicht rücken will.

Wie Marius Matichescu bei der Präsentation der Resultate hervorgehoben hat, wurde eine für die Stadt repräsentative Bevölkerungsgruppe befragt (1663 Personen aus allen Wohnvierteln), jedoch nicht für die einzelnen Stadtteile. Trotzdem wurde die Stadtkarte mit dem Vierteln farbig gezeigt, um doch einige Unterschiede in den Antworten und damit auch im Zufriedenheitsgrad der Temeswarer aufzuzeigen.

Auch zur Straßenbeleuchtung sollten sich die Befragten äußern. Da haben die Temeswarer aus den Vierteln Ronaț, Torontalului und Cetății diese bemängelt, einen Zusammenhang gibt es wohl auch mit den Folgen des Mesozyklons, der im September vergangenen Jahres die Stadt und Umgebung heimgesucht hat. Nicht zuletzt gibt es momentan keinen zuständigen Betrieb für die Wartung der Straßenbeleuchtung, wie die BZ in ihrer heutigen Ausgabe auf Seite 2 berichtet.

Was die Kinderspielplätze anbelangt, sind diese unzureichend im Bahnhofsviertel, in der Fabrikstadt sowie in den Vierteln Lunei und UMT. Diese, sowie weitere Antworten können anschließend von der Stadtverwaltung gut genutzt werden, unterstrichen die Forscher, die an dem Barometer gearbeitet haben. Gleicher Meinung waren auch die anderen Anwesenden im Saal: Akademiker, Vertreter nichtstaatlicher Organisationen. Auch Robert Kristof, der City-Manager der Stadt Temeswar, ist bei der Präsentation dabei gewesen, was die Hoffnungen aufkommen lässt, dass die Probleme der Stadt dann in einen Aktionsplan der Verwaltung aufgenommen und gelöst werden.

Auch positive Aspekte sind aufzuzeigen, zum Beispiel, dass sich die Temeswarer in ihrer Stadt in Sicherheit fühlen und in den letzten Jahren neu zugezogene Personen als gut integriert betrachten. So antworteten mehr als 46 Prozent der Befragten, dass die Anwesenheit der Fremden zu Wohlstand führt, dass Fremde in der Stadt gut integriert sind (41 Prozent) und 47 Prozent, dass sie sich in ihrer Stadt in Sicherheit fühlen.

Über Sauberkeit und Parks

Im letzten Jahr war die Präsentation umfangreicher gewesen. In diesem Jahr hat das Forscherteam, das aus mehreren Lehrkräften aus dem Bereich der Soziologie, Psychologie, Geographie, von Politikwissenschaften sowie vom Forschungszentrum im Bereich Public Policies besteht, aber auch von der Architektur-Fakultät an der Universität Politehnica Temeswar, beschlossen, eine generelle Präsentation zu machen, um dann gezielt verschiedene Aspekte aufzugreifen (wie zum Beispiel Mobilität oder Umwelt) und diese dann später in Gesprächsrunden detailliert zu diskutieren. Da sich die Mobilität als das brennendste Thema diesmal erwiesen hat, soll die erste Debatte um diesen Aspekt aufgebaut werden. Wie die Forscher bekannt gemacht haben, sollen dazu die Vertreter des öffentlichen Transportwesens sowie Kollegen von der TU Politehnica eingeladen werden, die im Bereich Verkehrsmanagement spezialisiert sind.

Eben weil es eine allgemeine Präsentation war, kam es zum Beispiel vor, dass diesmal - zum Unterschied vom Vorjahr - weniger von der Umweltverschmutzung gesprochen wurden. Nur einige Antworten, so auf die Fragen, die die Sauberkeit in der Stadt (13 Prozent der Temeswarer sind darüber unzufrieden) und den Zustand der Parkanlagen (sieben Prozent sind unzufrieden) anbelangen, hatten mit diesem Thema zu tun. Dass nur sieben Prozent der Bürger mit den Parks unzufrieden sind, könnte auch daran liegen, dass in dieser Hinsicht in den letzten Jahren viel gemacht wurde.

Auch eine allgemein gefasste Frage, ob Temeswar sich jetzt in eine gute oder falsche Richtung bewege, deckte Unterschiede unter den Bewohnern verschiedener Viertel auf: So sind die Bewohner des Bahnhofsviertels sowie von Steaua, Fratelia, Lidia, Doroban]i und Ghirodei der Meinung, dass es eine falsche Richtung ist. Eine gute Richtung sehen die Bewohner der Viertel Soarelui, Plopi, Kuncz, Aradului, Lipovei, Circumvala]iunii, Innenstadt (Cetate) sowie Torontalului. Eine Frage aus dem Publikum stellte dann Corina Răceanu vom Interkulturellen Institut, wieso sich die Bewohner des Kuncz-Viertels als so optimistisch erwiesen hätten, da hier viele sozial benachteiligte Personen leben, die der Roma-Minderheit angehören und oft nicht einmal über die nötigen Personalausweise verfügen und in Großfamilien in alten Bauten leben. Die Antwort kam: Man hätte sich genau diese Frage gestellt, aber ein Stimmungsbarometer könne nun auch mal ein ganz anderes Bild ergeben, als man es sich vorgestellt habe. Eine konkrete hatte dann ein Soziologe parat, der im Kuncz-Viertel lebt: „Es hat sich viel in unserem Viertel in den letzten zehn Jahren geändert. Jetzt sind auch sehr viele Villen dort entstanden, auch das Image des Viertels hat sich stark geändert“.

Der Soziologe Marius Matichescu zeigte sich zumindest von einem Aspekt der Auswertung überrascht: „Ich hatte erwartet, dass die in Temeswar geborenen Befragten optimistischer sind als die Bewohner, die aus anderen Gegenden hinzugekommen sind. Aber glücklicherweise hat das nicht gestimmt. Sie sind eigentlich alle gleich optimistisch, was die Stadt betrifft“.

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