Schmiergelddoktor muss hinter Gitter

Temeswarer Gericht hat Berufung nicht akzeptiert

Dienstag, 10. Februar 2015

Reschitza - Der ehemalige Chefarzt der Rentenkasse des Verwaltungskreises Karasch-Severin, Sebastian Telbis, erfährt in diesem Monat vom Berufungsgericht in Temeswar/Timişoara, ob er für drei Jahre hinter Gitter muss oder nicht. Er hat gegen das diesbezügliche Urteil des Kreisgerichts Arad, wo die Prozesse gegen die drei Schmiergeldärzte der Reschitzaer Rentenkasse stattgefunden haben (neben Telbis auch Ioan Ungur aus Karansebesch/Caransebeş und Octavian Cenda aus Orawitza/Oraviţa, die die dortigen Filialen leiteten), Berufung eingelegt, während seine Kumpane sich mit ihren jeweils dreijährigen Haftstrafen auf Bewährung abgefunden haben. Beide haben vor den Untersuchungsbehörden bereitwillig ausgesagt, außerdem wurden ihnen jeweils bloß bis zu einem Dutzend Fälle von Schmiergeldannahme nachgewiesen.

Telbis, der bereits vor der Wende Chefarzt der Rentenkasse war, konnte die Antikorruptions-Staatsanwaltschaft DNA allein bezüglich der vergangenen Jahre Schmiergeldannahme in 291 Fällen nachweisen, wobei er den „Antragstellern“ Krankenrenten zukommen ließ, auch wenn diese durch ihren Gesundheitszustand nicht gerechtfertigt war. Die Vorgänge waren von der DNA und dem Rumänischen Inlandssicherheitsdienst SRI in den vergangenen drei Jahren durch Audio-Video-Aufzeichnungen dokumentiert worden. Dafür hat ihn das Kreisgericht Karasch-Severin in Reschitza/Reşiţa in erster Instanz zu zweieinhalb Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt, was vor allem auf den sozialen Foren im Internet einen Entrüstungssturm ausgelöst hat, zumal bekannt war, dass die Ehefrau von Telbis bis zum Juni vergangenen Jahres, als sie sich mitten im Schmiergeldskandal pensionieren ließ, Richterin an diesem Gericht war und Verdachtsmomente der Richter auf „Solidarität“ mit der Familie Telbis nicht von der Hand zu weisen waren.

Die DNA-Staatsanwälte gingen daraufhin in Revision und das Kreisgericht Arad verurteilte Telbis zu drei Jahren Gefängnisstrafe mit Vollzug und beträchtlichem Vermögenseinzug. Konfisziert wurden dem notorisch auf Schmiergeld erpichten Doktor, die bei den ersten Hausdurchsuchungen beschlagnahmten Geldsummen: 4.120 Dollar, 51.244 Lei, 108.115 Euro und 500 britische Pfund, die cash oder als Sparbucheinlagen bei ihm gefunden wurden. Außerdem beschlagnahmte das Gericht eine Zahnarztpraxis, die Telbis 2013 um 50.000 Euro in Temeswar gekauft hatte, einen 2012 gekauften VW Golf, ein um 50.000 Euro in Temeswar gekauftes Appartement, das auf den Namen seiner Tochter registriert war, einen 2013 gekauften „Dacia“-Pkw und einen weiteren 2013 gekauften VW. Wertmäßig bezog sich die vom Gericht verfügte Vermögensbeschlagnahmung auf etwa die Hälfte des Vermögens von Telbis, das ursprünglich, also zu Beginn der staatsanwältlichen Untersuchungen, grob auf eine Million Euro geschätzt wurde. Verblieben sind ihm  immer noch eine auf einem Wiener Geldinstitut deponierte Euro-Summe, mehrere Wohnungen und ein halbes Dutzend vermietbare Garagen, sowie  mehrere Fahrzeuge  und seine Kollektion von Jagdwaffen.

Aus Temeswar kam die Nachricht, dass das dortige Berufungsgericht den Einspruch von Sebastian Telbis zurückgewiesen hat. Der Schmiergelddoktor muss für drei Jahre hinter Gitter und auch die beschlagnahmten Vermögenswerte bleiben konfisziert. Damit dürfte der endgültige Schlusspunkt hinter die Schmiergedaffaire bei der Rentenkasse Karasch-Severin gesetzt sein. Leidtragende sind die Patienten/Kandidaten für die krankheitsbedingte Pensionierung, da jetzt zu wenig Ärzte bei der Rentenkasse arbeiten – in Reschitza eine einzige, Leontina Ursu, die auch die Pensionierungsdossiers ihrer entlassenen Kollegen bearbeiten und überprüfen muss, was zu endlosen Schlangen beim Rentenamt führen wird. Fakt ist, dass die Rentenkasse in ihrer jüngsten Jahresbilanz fürdas Jahr 2014 meldete, dass im vergangenen Jahr im Banater Bergland rund 2000 Personen weniger krankenpensioniert wurden als im Jahr zuvor...

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