Schule und deutsche Minderheit

Hoher Besuch zu den beiden Themata in Reschitza, am 28. Gründungstag des Erwachsenenbildungsvereins

Mittwoch, 25. November 2015

Auf Arbeitsbesuch im Reschitzaer „Diaconovici-Tietz“-Lyzeum: DFBB-Vorsitzender Erwin Josef Ţigla, DFDR-Vorsitzender Dr. Paul Jürgen Porr, Konsul Rolf Maruhn, Botschafter Werner Hans Lauk, Schulleiter Boris Vatzulik; Deutschlehrerin Sonja Chwoika und der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganţ.

Gesprächsrunde während der Führung durch die UEM (v.l.n.r.): Paul Jürgen Porr, Botschafter Lauk, Konsul Maruhn, Cristian Paul Chioncel, DFBB-Vizepräsident und UEM-Hochschullehrer, Vizerektor Rainer Gillich und Rektorin Doina Frunzăverde.
Fotos: Lucian Duca

Reschitza - Am Tag der Heiligen Elisabeth, dem 19. November, wurde 1987, nach hürdenreich verlaufenen Vorarbeiten, der Reschitzaer Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ gegründet, der nach der Wende zum Motor und Brennpunkt des Kulturlebens im Banater Bergland werden sollte – das als beispielgebend für alle von Deutschen bewohnten Gebiete Rumäniens angesehen werden kann. 28 Jahre später, vergangene Woche, besuchten (auch aus diesem Anlass) der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Dr. Paul-Jürgen Porr, der DFDR-Parlamentsabgeordnete Ovidiu Ganţ, der Botschafter Deutschlands in Rumänien, Werner Hans Lauk und der Konsul Deutschlands in Temeswar, Rolf Maruhn, Reschitza.

Der Besuch begann im „Diaconovici-Tietz“-Lyzeum (LDT), wo der Botschafter und die DFDR-Honorationen, die in Begleitung des DFBB-Vorsitzenden Erwin Josef Ţigla ankamen, vom Schulleiter Boris Vatzulik empfangen wurden und eine einstündige Begegnung mit den Lehrern der deutschen Abteilung hatten. Das LDT ist, gemessen an anderen Schulen mit deutschem Muttersprachenunterricht, in einer teilweise glücklichen Lage: hier können alle Fächer in deutscher Sprache unterrichtet werden, weil es hier einen sehr guten Corpus an deutsch sprechenden Lehrern gibt (40 km weiter nördlich, in Karansebesch, gibt es an der deutschen Abteilung nur den Deutschlehrer, der deutsch unterrichtet...). Dass dies in Reschitza nur „teilweise“ eine glückliche Situation ist, liegt daran, dass es, vor allem in den Klassen ab Gymnasium, an Kindern mangelt und dann viele Klassen als Bestand auf der Kippe stehen, aufgelöst zu werden.

Botschafter Lauk und der DFDR-Abgeordnete sprachen sehr eindringlich von der Notwendigkeit, alles zu tun, um Eltern und Kinder vom praktischen Nutzen des Besuchs einer deutschen Schule zu überzeugen, aber auch davon, dass Deutschland diese Schulen „mit Alleinstellungsmerkmal“ (Botschafter Lauk) nachdrücklich unterstützt: im kommenden Jahr sogar mit einer spürbaren Aufstockung des Bundes-Haushaltspostens zur Unterstützung deutscher Schulen – und ihrer Lehrer - in Rumänien.

Einen eher festlichen Charakter hatte die Eröffnung der Ausstellung über Geschichte und Vergangenheit der deutschen Minderheit in Rumänien („eine Herkulesarbeit“, so Botschafter Lauk anerkennend), die in Reschitza ihre vierte Rumänienstation als Wanderausstellung wahrnahm. Sie wird im Foyer der „Eftimie Murgu“-Universität (UEM) gezeigt, wo zur Eröffnung Rektorin Doina Frunzăverde nicht nur die gesamte Hochschulleitung aufgeboten hatte, sondern wo auch zahlreiche Studenten und ein Publikum erschienen war, das nicht nur aus Forumsmitgliedern bestand.

Botschafter Werner Hans Lauk hatte ein treffendes Zitat zur Ausstellungseröffnung gewählt: „Die deutsche Geschichte hat noch nie den Deutschen allein gehört. Mehr als andere haben wir erfahren, dass Geschichte Wandel ist.“ Das kommt aus Richard von Weizäckers Rede über die Deutschen und ihre Identität. Und die beiden Hauptredner der Ausstellungseröffnung, der deutsche Botschafter und Dr. Paul-Jürgen Porr, der höchste Forumsvertreter der Deutschen Rumäniens, unterstrichen denn auch Faktoren wie Identität und deren Bewahrung, Brückenfunktion („Damit führt die Ausstellung über die Brücke der deutschen Minderheit auch unsere Länder Deutschland und Rumänien noch enger zusammen. Was kann sich ein Botschafter mehr wünschen?!“), im Alltag gelebte Plurikulturalität, Selbstbewusstsein der Rumäniendeutschen und wahrnehmbare Selbstbehauptung.

Dass all diese, nicht unbedingt in jedem Land selbstverständlichen. Faktoren, die in Rumänien (zeitenwandlerisch: mehr oder weniger) geduldet, vor allem aber gefördert werden (und zur Förderung tut auch Deutschland sein Bestes) durchaus die Möglichkeit von Ausblicken in die Zukunft eröffnen, das betonten alle Redner der Ausstellungseröffnung.

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