„Sein Bestes geben, ohne zu verlangen“

Soziologe Vasile Dâncu mit deutschem Bundesverdienstkreuz geehrt

Freitag, 13. November 2015

Neben dem „Stern von Rumänien“ im Range eines Ritters und der Goldenen Ehrennadel des Banater Forums wurde Prof. Vasile Dâncu nun auch das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen, das ihm Botschafter Werner Hans Lauk stellvertretend für Bundespräsident Gauck überreichte.
Foto: Nina May

Bukarest - Am vergangenen Dienstag wurde in der neuen Residenz des deutschen Botschafters der bekannte Soziologe und ehemalige Politiker Vasile Dâncu mit dem Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Dâncu gilt als einer der engsten Förderer der deutsch-rumänischen Beziehungen, wie Botschafter Werner Hans Lauk in seiner Laudatio betont. Mit Verweis auf die anwesenden politischen Größen, darunter Parlamentspräsident Valeriu Zgonea, PSD-Chef Liviu Dragnea, Minister und Abgeordnete, fügt er schmunzelnd hinzu: „Die heutige Gästeliste zeigt, wie vernetzt er und wie einflussreich seine Tätigkeit ist.“ Zu den Meilensteinen der Lebensleistung des 1961 in Nassod/Năsăud geborenen Soziologen, Professors und ehemaligen stellvertretenden Dekans der Fakultät für Geschichte und Philosophie an der Babeş-Bolyai Universität in Klausenburg/Cluj-Napoca, gehört die 1994 erfolgte Gründung des Instituts für Soziale Studien, Marketing und Werbung „Metro Media Transilvania“, das er sechs Jahre leitete. Parallel forschte er bis 1999 im Forschungszentrum für interethnische Beziehungen und im Rahmen der rumänischen Vereinigung für Soziologen.

Seine politische Laufbahn begann mit dem Amt des Ministers für Öffentliche Information (2001-2003), damals zuständig auch für die nationalen Minderheiten. Im Rahmen dieser Funktion hatte er die Schaffung der Stelle eines Unterstaatssekretärs für die deutsche Minderheit beim Departement für Interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Rumänischen Regierung initiiert. Auch die 2002 erfolgte Anhebung der finanziellen Förderung der deutschen Minderheit durch den rumänischen Staat, weil die damalige Mittelverteilung nicht der zahlenmäßigen Stärke der Ethnien entsprach, war von ihm angeregt worden. Nicht zuletzt hatte er sich für die Rahmenbedingungen eingesetzt, die 2002 zur Gründung der Deutsch-Rumänischen Außenhandelskammer führten. 2003-2004 war Vasile Dâncu Vorsitzender der Agentur für Regierungsstrategien, 2004-2008 Mitglied des rumänischen Senats und parallel dazu beobachtendes Mitglied im europäischen Parlament (2005-2007). Nach dem EU-Beitritt Rumäniens fungierte er bis 2008 als Abgeordneter des EU-Parlaments.

Seit 2009 ist Vasile Dâncu Geschäftsführer des Rumänischen Instituts für Auswertung und Strategie (IRES), eines der renommiertesten Meinungsforschungsinstitute des Landes. Neben seinen Büchern und Studien waren seine Umfrageergebnisse Basis zahlreicher Artikel zu deutschlandbezogenen Themen, die ein realistisches Deutschlandbild vermittelten und auf großes Interesse stießen. Auch auf die Bedeutung der deutschen Minderheit und ihrer Brückenfunktion zwischen den Ländern hatte er stets hingewiesen. In seiner Dankesrede zeigte sich der Geehrte sichtlich gerührt, die Auszeichnung sei für ihn überraschend, zumal er es im Leben wie der deutsche Philosoph Karl Jaspers gehalten hätte: stets sein Bestes zu geben, ohne etwas zu verlangen. Seine Nähe zum deutschen Kulturraum erklärt der in Siebenbürgen Aufgewachsene mit der Erkenntnis, die Sachsen und Schwaben hätten dort eine Gesellschaft auf der Basis von Arbeit und Ehrlichkeit aufgebaut. Ihr Auswandern, das er hautnah miterlebt hatte, sei eines der größten Desaster gewesen. Als Soziologe müsse er sich jedoch wundern, dass ein bedeutendes Prinzip nie Gegenstand soziologischer Forschungen war: die Freundschaft zwischen Menschen. „Ohne meine Freundschaft mit Ovidiu Ganţ wäre mir vieles nicht gelungen“, bekennt Dâncu und schließt: „Danke, Ovidiu, für diese Freundschaft – als Türöffner in eine Gesellschaft, in der ich mich zuhause fühle!“

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