Sein Lebensziel: Schutz der Urwälder

Nachruf auf den Forstmann und engagierten Naturschützer Dipl.-Ing. Walter Frank

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Walter Frank in seinem Element: Die Urwaldriesen des nördlichen Banater Berglands, im Rusca-Gebirge, waren seine Leidenschaft und seine große Liebe. Vor allem für Buchen, die in ungewöhnlich steilen Hanglagen wachsen, hat er sich zum Spezialisten und zur Schatzkammer an Fachwissen entwickelt.
Foto: Dietmar Gross

Anfang Dezember nahmen Freunde und Verwandte Abschied von Oberförster i. R. Walter Frank. Mit Walter Frank verlässt uns ein passionierter Forstmann und engagierter Naturschützer. Ich habe Walter Frank Ende der 90er Jahre kennen- und schätzen gelernt, zu einer Zeit, als Scharen deutscher Forstleute und Naturschützer aufmerksam wurden auf die einmaligen Wälder der rumänischen Karpaten und speziell auf die Urwälder Südwestrumäniens. An den artenreichen Mischwäldern im Rusca-Gebirge, mit einmaligen Baumgiganten und an dem langjährigen Leiter des Forstamtes Rußberg/Rusca Montană, Dipl.-Ing. Walter Frank, führte kein Weg vorbei.

Geboren am 1. November 1933 in Knees/Satchinez bei Temeswar, studierte Walter Frank nach Besuch der Forstmittelschule in Karansebesch von 1955 bis 1959 Forstwirtschaft an der Forstwirtschaftlichen Fakultät in Kronstadt/Braşov. Bereits 1960 kam er an das Forstamt Rußberg, dem Wohnort seiner Familie, wo er das Glück hatte, bis zu seiner Pensionierung 1992 an gleicher Stelle zu wirken, 29 Jahre davon als Leiter des Forstamtes. Bald nach seiner Pensionierung erhöhte sich der finanzielle Druck auf die Wälder Rumäniens, bedingt u. a. auch durch den zunehmenden Holzhunger, neoliberale Wirtschaftsorientierung und Umorganisationen in der Forstverwaltung. Walter Frank erkannte, dass es galt, die Natur als Ganzes und den Wald im Speziellen, zumindest auf Teilflächen, zu schützen. Die fehlende Waldgesinnung und die Gleichgültigkeit seiner Nachfolger im Amt ärgerte ihn zutiefst.

Seine Geradlinigkeit und seine Kämpfernatur ließen ihn auch nach der Pensionierung nicht ruhen. Nur dank seiner permanenten und wissenschaftlich fundierten Eingaben an Romsilva und an die jeweilig Regierenden, aber auch beispielsweise an die IUCN in Genf konnten in seinem ehemaligen Betreuungsgebiet rund 2600 Hektar wertvolle Natur- und Urwälder per Regierungserlass unter den Schutz genommen und auch in das NATURA 2000-Netz der EU mit eingegliedert werden. Seine fachliche Kompetenz und seine freundliche, liebenswürdige Art machten Walter Frank zum Anlaufpunkt von Naturschützern und Forstleuten aus mehreren Ländern Europas, aber auch von jungen Naturfreunden aus Rumänien. Sein Rat wurde gerne angenommen.
Seit 2002 kam ich jährlich mit Gruppen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND, mit über 400.000 Mitgliedern wichtigster Naturschutzverband Deutschlands) zur Exkursion in die Urwälder bei Rußberg. Walter Frank hat uns durch „sein“ Reservat, soweit es ging, immer persönlich begleitet.

Denn sein Platz war der Wald, war die Natur und weniger der Festsaal. Als Praktiker stand er ungern im Rampenlicht. Auch dann nicht, als ihm im Herbst 2008 bei der Europarc-Tagung in der Schulerau bei Kronstadt, im Beisein von Vertretern aus 18 Ländern, die Alfred-Toepfer-Medaille für Verdienste im Naturschutz verliehen wurde. Diese Medaille wird jährlich an eine einzige Persönlichkeit Europas, die sich im Umwelt- und Naturschutz Verdienste erworben hat, verliehen.
Für mich war Walter Frank nicht nur ein Freund, sondern auch ein Vorbild. Auf vielen Vorträgen, zuletzt auf der Insel Vilm bei Rügen Anfang November d.J., habe ich stets auf sein Wirken und seinen Einsatz für die Urwälder Rumäniens verwiesen. Schicksalsschläge, wie der Verlust seiner zweiten Frau und dann sein sich rapide verschlechternder Gesundheitszustand, machten gemeinsame Zukunftspläne zunichte. Dankbar bin ich jedoch für die gemeinsam verbrachte Zeit, häufig auf Wanderungen durch die Wildnis der Karpaten.

Erst ein unheilbares Krebsleiden zwang Walter Frank, seine Bemühungen um den Schutz der Banater Urwälder, der Urwälder und naturbelassenen Wälder des Karpatenraums zu drosseln. Nach Operation und langwieriger, zermürbender Behandlung starb er am Nachmittag des 30. November in einer Klinik in München. Mit Walter Frank verliert der europäische Naturschutz einen Vorposten in den Karpatenwäldern. Wir werden jedoch die BUND-Exkursionen in den Rußberger Wäldern auch in den nächsten Jahren fortführen, um allen, auch den Verantwortungslosen und der Holzmafia zu zeigen, dass es für uns eine Verpflichtung ist, das Erbe von Walter Frank zu bewahren. Vielleicht ringt sich auch die Forstverwaltung Karasch-Severin durch, das Reservat im Pleşu-Tal zu erweitern und in „Reservaţia Walter Frank“ umzubenennen. Auch wäre es im Sinne von Walter Frank, die über 200.000 Hektar Urwälder Rumäniens schnellstmöglich unter wirklich wirksamen Schutz zu stellen.

Dietmar Gross, Forstdirektor, ist Jahrgang 1950, hat Forstwissenschaft in Kronstadt und München studiert. Nach dem Studium war er forstlich, aber auch privat, in vielen Ländern weltweit unterwegs. Seine forstliche Laufbahn hat er bei der Bayerischen Staatsforstverwaltung fortgesetzt und war nach vielen Stationen zuletzt 12 Jahre Leiter des Forstamtes Lichtenfels in Nordbayern. Eine Forstreform und sein Wunsch, in seine Heimat Siebenbürgen zurückzukehren, haben dazu geführt, dass er ein Altersteilzeitangebot angenommen hat und seit Mai 2010 mit seiner Frau überwiegend auf seinem Bauernhof in Deutsch-Weisskirch in Siebenbürgen lebt. Über seine Forstreisen kam es zur Partnerschaft mit dem Forstamt Lugosch/Lugoj. Seit 2001 organisiert er  mehrere Reisen jährlich für den Bund Naturschutz Bayern und den BUND. Dietmar Gross ist im erweiterten Vorstand dieser Verbände und war zusätzlich auch in der Kommunalpolitik aktiv.

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