„Seine Werke sind ‘ein Sonntag des Lebens’“

Kronstädter Kunstmuseum bereitet Friedrich-Mieß-Ausstellung vor / Sammler sind eingeladen, sich zu beteiligen

Freitag, 14. März 2014

Friedrich Mieß, Selbstbildnis
Quelle: Kunstmuseum Kronstadt

Eine Retrospektivausstellung Friedrich Mieß (1854-1935) soll unter Mitwirkung des Hermannstädter Brukenthalmuseums und der Evangelischen Kirchengemeinde A. B. Kronstadt vom 25. Juli bis 28. September im Kronstädter Kunstmuseum gezeigt werden.

Schon vor zehn Jahren, anlässlich des 150. Geburtstags des Kronstädter Malers, hatten die Museen in Zusammenarbeit eine Ausstellung präsentiert, jedoch sei diese „in Eile entstanden“ und mehrere wichtige Werke hätten sowohl aus der Galerie, als auch aus dem Katalog gefehlt, so der Kunsthistoriker Radu Popica.

Der Leiter der Kronstädter Kunstabteilung hat schon längst mit der Dokumentation und den Vorbereitungen für die Ausstellung begonnen, denn dies-mal soll die Retrospektive eine Übersicht des gesamten Schaffens von Friedrich Mieß bieten, von den Anfangswerken bis hin zu den Gemälden der dreißiger Jahre.  „Wir hätten gerne auch mit dem Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim zusammengearbeitet“, sagt Popica, „doch leider ist es aus finanziellen Gründen nicht möglich.“

Bekannt ist Friedrich Mieß vor allem für seine Landschaftsbilder und Porträts, doch soll es in der Retrospektive auch eine Grafik- und eine Fotografie-Sektion geben. „Mieß war ein sehr guter Zeichner, außerdem fotografierte er seine Subjekte und die Landschaften, bevor er die eigentliche Arbeit auf der Leinwand begann“, erklärt Popica. Stilistisch sei Mieß ein sehr konstanter Künstler gewesen: „In einer Zeit, in der die Avantgarde thematisch die großen Probleme der europäischen Gesellschaft aufgriff, malte Mieß sehr heitere Gemälde, ohne jegliche Verbitterung und Trübheit. Seine Werke sind ‘ein Sonntag des Lebens’.“

Er sei von dem deutschen akademischen Realismus geprägt worden und habe sich auch von impressionistischen Ideen beeinflussen lassen, die nach Deutschland durchgedrungen waren und insbesondere von Max Liebermann vertreten wurden. „Mieß war offen für die Moderne, blieb aber im Grunde konservativ“, sagt Radu Popica. „Um die Jahrhundertwende werden in seinen Werken Einflüsse des Dekorativismus sichtbar, seine Experimente halten sich jedoch in Grenzen.“
Der Maler, der einer wohlhabenden Kronstädter Familie entstammte, arbeitete zunächst im Geschäft seiner Eltern, um sich daraufhin für die künstlerische Laufbahn und ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien sowie an der Münchner Akademie zu entschließen.

Er unternahm Studien- und Dokumentationsreisen nach Italien und eröffnete in seiner Heimatstadt ein Atelier, in dem er als freischaffender Maler arbeitete. „Wahrscheinlich war er nicht gezwungen, seinen Lebensunterhalt allein mit der Kunst zu bestreiten“, vermutet Popica. „Das erklärt, warum er im Vergleich zu anderen Malern relativ wenige Gemälde verkaufen musste. Ganz im Gegenteil kämpftebeispielsweise Arthur Coulin stets um sein künstlerisches Überleben.“

Die Retrospektive soll von einem umfassenden wissenschaftlichen Katalog begleitet werden – „anstelle der Mieß-Monografie, die nie geschrieben wurde“, sagt Popica – und soll möglichst viele der Werke abbilden, auch jene, die in der Ausstellung nicht gezeigt werden. Die Organisatoren bitten deshalb die Besitzer von Werken des Malers, sich an der Ausstellung zu beteiligen. Interessierte Sammler werden gebeten, sich zunächst mit dem Museum in Verbindung zu setzen und dem Ausstellungskurator Angaben zu den Gemälden und gegebenenfalls digitale Fotografien zukommen zu lassen. Sollten die Werke für die Ausstellung in Frage kommen, dann werden die Versicherungs- und Transportkosten vom Museum übernommen.   
 
„Wichtig ist es aber, vor allem im Katalog das Oeuvre von Mieß möglichst vollständig darzustellen“, betont Radu Popica. „Es ist eine einmalige Gelegenheit, denn so bald wird das Projekt nicht wieder aufgenommen.“

Besitzer von Mieß-Bildern wenden sich bei Interesse an Radu Popica unter der Telefonnummer 0040/740/804166 oder E-Mail radu.popica@muzeulartabv.ro, mit Angaben zu der Höhe und Breite des Werkes in cm (ohne Rahmen), der künstlerischen Technik, sowie dem Thema und der Signatur des Malers. Wer das Werk nicht selbst fotografieren (lassen) kann, setzt sich ebenfalls mit dem Museum in Verbindung.

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