Selbstdarstellerische Werbeübung im Plenarsaal

Dauerausstellung im Kreisratsgebäude zeigt rurale und urbane Identität des Kreises Hermannstadt

Samstag, 08. Dezember 2018

Zu Ehren der Hundertjahrfeier Rumäniens gaben Kinder aus sozial benachteiligten Familien in Hermannstadt patriotische Liedtexte mit Großrumänien-Nostalgie zum Besten.
Foto: der Verfasser

In Gegenwart zahlreicher natürlicher Personen, Lokalräte und Bürgermeister aus urbanen und ruralen Ortschaften des Kreises Hermannstadt/Sibiu wurde am Mittwoch, dem 28. November, im Plenarsaal des Kreisratsgebäudes in der Sporergasse/str. General Magheru 14 die permanente Ausstellung „Județul Sibiu se prezintă la Centenar“ (Der Kreis Hermannstadt begrüßt das hundertjährige Jubiläum) eröffnet. An den Seitenwänden des Sitzungslokals, das sowohl regelmäßig von den Kreisratsmitgliedern als auch häufig von Gästen betreten wird, hängen zig Schautafeln mit Informationen über die Geschichte und Architektur einzelner Ortschaften des Kreises Hermannstadt. Die standardisierten Text- und Bildexponate decken die gesamte Landkarte der Verwaltungsgebiete ab. Dörfer wie Poplaca, Orlat, Sibiel, Gura Râului, Tilișca, Poiana Sibiului und Jina aus dem rural-orthodoxen Umland (Mărginimea Sibiului), das Bergbauerndorf Rășinari, die Hohe Rinne/Păltiniș, der Badekurort Salzburg/Ocna Sibiului, die Stadt Mediasch, die Ortschaften Turnu Roșu, Freck/Avrig, Kerz/Cârțișoara am Fuße des Fogarascher Gebirges/ Munții Făgărașului, aber auch etliche Standorte bekannter siebenbürgisch-sächsischer Kirchenburgen wie beispielsweise die ländlichen Gemeinden Frauendorf/Axente Sever, Meschen/Moșna, Rothberg/Roșia und Wurmloch/Valea Viilor sind Hauptbestandteile der Dauerausstellung, die für touristische, architektonische und dokumentarische Werbezwecke erstellt wurde.

Die Vernissage wurde hauptsächlich von der Hermannstädter Kreisratsvorsitzenden, Daniela Câmpean, dem ehemaligen Kreisratsvorsitzenden Nicolae Nan, sowie von Constantin Necula, orthodoxer Geistlicher und Dozent an der Fakultät für Orthodoxe Theologie an der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt (ULBS) und Ilie Dan Nanu, Vorstandsmitglied der Hermannstädter Kreisfiliale für Kultur, moderiert. Nicolae Nan sprach die Hoffnung aus, „dass wir in etwa zwei Jahren auf konkrete Errungenschaften zurückblicken werden, die mittels dieser Ausstellung gefördert werden können.“ Ilie Dan Nanu führte nachdrücklich den Namen des aus Săliște im Kreis Hermannstadt gebürtigen Pädagogen Onisifor Ghibu (1883-1972) ins Feld, während Constantin Necula darum bemüht war, das Publikum darauf aufmerksam zu machen, dass „unsere Orthodoxe Kirche in Wahrheit und aktuell nicht derart toxisch vorgeht, wie es in der Öffentlichkeit allzu oft dargestellt wird. „Die Anfänge der in den Reihen der Orthodoxen Kirche gelebten Demokratie liegen viel weiter zurück als alle öffentlichen Preisverleihungen der Gegenwart unserer Tage“, so der orthodoxe Pfarrer und Dozent, der in Vertretung des verhinderten orthodoxen Erzbischofs und Metropoliten Siebenbürgens, Lauren]iu Streza, an der Eröffnung teilnahm.

Eine umfassende Monografie des Kreises Hermannstadt liegt bis dato nicht vor. Doch stehen die Bücherregale privater und öffentlicher Bibliotheken diesbezüglich nicht leer, da zahlreiche natürliche Personen in traditionsbewusster Art und Weise Einzelmonografien ihrer jeweiligen Geburtsorte verfasst und veröffentlicht haben. Aus diesem Grund hat sich die Astra-Bibliothek kürzlich bereit erklärt, die im Jahr 2019 anstehende Herausgabe einer Gesamtmonografie des Kreises Hermannstadt in führender Rolle zu fördern.

Anlässlich der Vernissage wurden die Namen etwa 200 bekannter Bürgerinnen und Bürger sowie etlicher Persönlichkeiten des städtischen und regionalen Lebens verlesen, denen je ein standardisiertes Ehrendiplom ausgestellt wurde. Angeführt wird die einschlägige Liste von dem orthodoxen Metropoliten Laurențiu Streza, dem orthodoxen Kirchengeschichtler Mircea Păcurariu und dem Architekten Paul Niedermaier, die alle nicht an der Vernissage teilnehmen konnten, jedoch ordentliche Mitglieder der Rumänischen Akademie sind. Je ein Ehrendiplom erhielten auch: der Historiker Dr. Vasile Ciobanu, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt (DFDH), Dr. Zeno Karl Pinter, der Direktor des Brukenthalmuseums, Prof. Dr. Sabin Adrian Luca, der Direktor der Astra-Museumsvereinigung, Ciprian Ștefan, der Schriftsteller Radu Vancu, der Direktor der Astra-Bibliothek, Silviu Borș und der lokal bekannte Künstler Ștefan Orth. Zu den namentlich erwähnten Trägern der Ehrendiplome zählen weiterhin der Hermannstädter Alpinist Teodor Tulpan, der 2003 den Everest bestiegen hatte, der Hermannstädter Architekt Dr. Hermann Fabini und der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS), Prof. Martin Bottesch. Eine denkwürdige Ansprache im Plenarsaal des Hermannstädter Kreisrates hielt fernerhin der aus Agnetheln/Agnita im Harbachtal/Valea Hârtibaciului stammende Rundfunkredakteur Ioan Vulcan.

Zum Abschluss der Festveranstaltung ließ eine zahlenmäßig starke Kindergruppe des Zentrums für Sozialarbeit „Speranță și zâmbet“ (Hoffnung und Lächeln) aus Großscheuern/Șura Mare und Heltau/Cisnădie im Innenhof des Kreisratsgebäudes patriotische Volkslieder und Gedichte in rumänischer Sprache erklingen, die während der ersten Zeitspanne nach der 1918 erfolgten Gründung Großrumäniens entstanden waren. Angesichts der gespannten politischen Lage in Rumänien und dem gesamten osteuropäischen Raum tragen Liedtexte und Verse ethnischer Prägung, die während Veranstaltungen der beschriebenen Art regelmäßig zur Aufführung gelangen, nicht zu einer Verdeutlichung oder gar Beschleunigung der pro-europäischen Kursfindung Rumäniens bei.

 

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