Selbstgemachtes füllt Haus und Hof

Dieter Ziriakus schnitzt nun auch Pfeifen, die er mit selbst angebautem Tabak füllt

Montag, 14. März 2016

Die Werkbank ist bei weitem nicht nur Dekor.

Dieter Ziriakus im von lackiertem Wurzelholz umrahmten Spiegel

Eine Tischlampe, die die Natur mitgestaltet hat

Auf seinen Kamin im Wohnzimmer ist Dieter mit Recht stolz.

Ein weiteres Hobby von Dieter: das Bemalen von Holztellern mit sächsischen Motiven
Fotos: Ralf Sudrigian

Mit 79 ist man nicht mehr so in Form wie früher. „Es tut bald hier, bald dort weh“, muss Dieter Ziriakus zugeben. Da kommt man oft in Versuchung, sich lieber in den Lehnsessel zu setzen und den Fernseher anzulassen. Aber das wird dann doch irgendwann zu langweilig. Vor allem für jemanden, der sein Leben lang aktiv war, viel gereist ist und mit den Jahren sein Haus und seinen Hof mit einer Vielzahl von selbst gesammelten und bearbeiteten Wurzeln und Ästen bereichert und verziert hat.

„Das kann ich auch selber machen“

Vor einigen Jahren musste Dieter gesundheitsbedingt aufs Zigarettenrauchen verzichten. Das hat er nur zum Teil getan, denn heute „pafft“ er Pfeife. Das sei gesunder, meint er, und mache ihm auch Spaß, vor allem weil er Tabak aus eigener Produktion und aus von ihm selbst geschnitzten Pfeifen genießt. Als er 80 Euro für eine Pfeife ausgab, ärgerte ihn das, weil er wusste, eigentlich könne er Pfeifen auch selber anfertigen. Vor fünf-sechs Jahren begann Ziriakus mit der Pfeifenproduktion in seiner in einem Kellerraum eingerichteten Werkstatt. Inzwischen sind es an die hundert Pfeifen verschiedener Formen und Größen, die hinter einem Glasregal im Keller und an verschiedenen Stellen im einstöckigen Haus schön an eigens dafür gedachten Gestellen aufbewahrt werden. Nichts davon wird verkauft, nur an befreundete Pfeifenraucher wird das eine oder andere Stück verschenkt. Rund eine Woche dauert das Schnitzen einer Pfeife aus dem dafür geeigneten und ausgewählten Holz, das zum Beispiel auch eine Wurzel eines Holunderstrauches sein kann. Hinzu kommt das selbst gefertigte Mundstück aus schwarzem Kunststoff, das ursprünglich zu einer Gasleitung gehörte.

Überraschend ist, dass im Garten des Hauses in der Marienburger Straße im nördlichen Teil des Kronstädter Bartholomä-Viertels auch eine Mini-Tabakplantage steht. Die Tabakblätter werden gesammelt, getrocknet und dann zerkleinert, wenn sie nicht zu spröde sind. Nachher wird der Tabak in einem Teebad gekocht. Für ein gutes Aroma eignet sich Waldfrüchtetee am besten. Der Tabak kann auch in Milch gekocht werden. Allerdings kann diese Prozedur nur einmal angewandt werden, denn beim Kochen einer zweiten Portion Tabak gerinnt die Milch und verdirbt den Tabak – wie Ziriakus aus eigener Erfahrung lernen musste. Vieles hat er selbst probiert, zum Beispiel das Rollen einer Zigarre. Das war gar nicht einfach, denn die in ein großes Blatt gehüllte Tabakmischung wollte einfach nicht richtig brennen und ziehen, selbst wenn nachträglich eine Kanüle-ähnliche Öffnung angebracht wurde. Wenn man nicht weiter weiß, sucht man Rat im Internet, was auch diesmal half und zudem zeigt, dass Rentner Ziriakus auch vor moderner Technik keine Scheu hat.

„Daraus kann was werden“

Rund vier Jahrzehnte vor dem Pfeifenschnitzen hatte der damals als Kühltechniker tätige Dieter Ziriakus ein anderes Hobby: Er sammelte Wurzeln und Äste, die sonderbare, aber interessante Formen aufwiesen. Wie es dazu gekommen ist, darauf weiß er auch heute keine Antwort. „Ich ging so im Wald spazieren. Da habe ich eine Wurzel oder einen Ast oder sonst was gesehen und mir gedacht:‘Daraus kann was werden!‘“ Und es wurden Leuchtständer, Körbe, Unterlagen, Rahmen, Stützen für Bänke – alles Unikate, die im Treppenaufgang, in den Zimmern, im Hof, im Pavillon oder auf dem Rasen zu sehen und zu bewundern sind. Jetzt im Winter sind die Holzskulpturen allerdings eingepackt, um sie vor der Witterung zu schützen. Der rund 2000 Quadratmeter große Hof könnte eher als Park bezeichnet werden, mit einem zentralen Kiosk jetzt als Sammel- und Schutzstelle diverser Holzgegenstände eingerichtet, von denen mir zwei besonders auffallen: ein Fahrrad, das nur aus Holz, Wurzeln und Geflecht besteht und eine Bank, deren Füße verlängerte Wurzeln sind.

Da muss man schon ein Auge haben, um vor Ort - im Wald, vor allem an steilen Bachufern, da dort viel Unterholz und Wurzeln frei liegen – zu erkennen, was dieses Gehölz in sich „verbirgt“. Zu Hause wird es gesäubert, getrocknet, leicht bearbeitet und anschließend lackiert. Kunst und nützlicher Wert kombinieren sich bei den meisten Sammelstücken. Dieters Frau Cecilia scherzt und nennt ihren Mann schon mit einem gewissen Stolz  „einen Brâncuşi der Sachsen“. Sie ist die Herrin der hinteren Hofhälfte, wo sich der Park in einen Garten verwandelt. Vorne, beim Eingang, weist Dieter Ziriakus auf einen kleinen Fischteich hin, der an frostigen Wintertagen komplett vereist ist. Aber um die Fische muss man sich keine Sorgen machen – der Hausherr hat dafür gesorgt, dass über eine Luftpumpe genügend Sauerstoff zum Überwintern gesichert wird.

„Ich kann nicht nur herumsitzen“

Auch die Kakteen sind vor frostigen Tagen und Nächten in Sicherheit gebracht worden. Die meisten stehen entlang der Wand bei den Treppen, die hinunter zur Werkstatt führen. Zu manchen muss man richtig aufblicken, um ihre Spitzen zu sehen – so groß sind sie gewachsen. In der Werkstatt selbst ist es dank eines ausgeklügelten Heizsystems angenehm warm. Die Heizung verläuft über mehrere Serpentinen, und damit die warme Luft sich nicht anstaut und den ganzen Raum erwärmt, läuft auch ein kleiner Ventilator. In der Werkstatt, ist Dieter Ziriakus öfter anzutreffen als im Wohnzimmer. Und regelmäßig empfängt er dort auch Freunde bei einer gemütlichen Runde, wobei es auch sportlich zugeht, denn zwischendurch wird auch Tischtennis (Einzel oder Doppel) gespielt.

In der Werkstatt gibt es eine Drehbank, eine Bohrmaschine, Schweißgeräte (eines elektrisch angetrieben und ein zweites mit Sauerstoff), eine Holzdrehbank, Schraubstöcke, eine Vielzahl von Werkzeugen, leicht zugänglich an den Wänden angeordnet. Es hat sich wohl manches angesammelt, auch aus der Zeit, als Dieter Ziriakus nach 1990 zu Hause seine eigene Reparaturwerkstatt für Haushaltsgeräte eröffnet hatte. Kühlschränke, Waschmaschinen, Haartrockner, Bügeleisen – alles mögliche wurde wieder instandgesetzt, zur Zufriedenheit der zahlreichen Kunden. Das Geschäft lief in den ersten Jahren gut, bis dann immer mehr neue Geschäfte eröffnet wurden und auch die zunehmende Reisefreiheit dazu führte, dass die meisten sich für neue Geräte entschieden und nicht für das Reparieren der alten. So kam es, dass 1998 die GmbH geschlossen wurde.

Die ganzen Jahre über ist und bleibt Dieter Ziriakus auch in der Bartholomäer Kirchengemeinde aktiv. Er war wesentlich beteiligt an der Gründung der beliebten monatlichen Männerabende, wobei er auch jetzt als einer der Senioren noch mitmacht. Darüberhinaus ist Ziriakus weiterhin Mitglied in der Bartholomäer Gemeindevertretung. Die Sektion Kronstadt des Siebenbürgischen Karpatenvereins hat in Ziriakus eines ihrer treuesten Mitglieder, das früher immer wieder auch bei der Julius-Römer-Hütte vorbeischaute und dort die Kühlgeräte betreute. Mit einem anderen Kronstädter SKV-Mitglied, mit Manfred Tontsch, war Dieter mit seinem VW-Kleinbus vor Jahren wochenlang durch die Türkei unterwegs – eine weite Tour, etwas abenteuerlich, aber schön und abwechslungsreich. Zwei Urlaubsaufenthalte im fernen und exotischen Thailand hat Ziriakus ebenfalls in bester Erinnerung.

Zuhause ist es aber am besten. Vor allem wenn einen, außer Ehefrau Cecilia und Tochter Dorothea mit Schwiegersohn (letztere wohnen in ihrer eigenen Wohnung in Kronstadt), außer  der Bartholomäer und Kronstädter Gemeinschaft, die in Eigenarbeit erstellte Einrichtung und Verschönerung des Wohnhauses noch stärker an das Elternhaus bindet. Vier Geschwister waren es, die vor der Wende mit ihren Familien und mit der Mutter zeitweilig unter einem Dach im damals ebenerdigen Haus wohnten. Das war dann doch recht eng. Alle Anträge an die kommunistischen Wohnbehörden für ein eigenes Appartement scheiterten in jenen Jahren, da es hieß: „Sie haben doch ein eigenes Haus!“ So wurde das Haus um eine Etage aufgestockt. Die Geschwister wanderten aus – Dieter und Cecilia blieben in einem wunderbaren und mit Liebe und Hingebung gepflegten Zuhause. „Ich kann nicht herumsitzen und nichts machen!“, sagt Dieter Ziriakus. Als Rentner, dem der 80. Geburtstag bevorsteht, ist so eine Einstellung wohl das beste Mittel gegen Resignation und Langeweile.

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