Setzt Phasers auf Profitabel

Der neue Star Trek Film von J.J.Abrams ist mehr Star Wars als Trek

Dienstag, 28. Mai 2013

Ich war schon immer ein  Krieg der Sterne-Fan. Als ich sechs Jahre alt war, sah ich zusammen mit meinem Vater zum ersten Mal „Das Imperium schlägt zurück“ und es war Liebe auf den ersten Blick. Bis heute habe ich die ursprüngliche Trilogie über 30 Mal gesehen. Als Kind konnte ich die Dialoge auswendig. Als George Lucas dann 1998 einen neuen Star Wars-Film ankündigte, brach zuerst eine Welt für mich zusammen, weil ich nicht daran glaubte damals mit elf –, dass es gut werden wird. Und ich hatte Recht.

Als Hardcore-Fan, der mit Star Wars aufgewachsen ist, gehöre ich bis heute zu den Leuten, die bei dem Wort Prequel ausrasten. Ja, George Lucas hat so wie es viele im Internet in den letzten Jahren immer wieder geschrieben haben meine Kindheit geschädigt. Das klingt hart, das klingt übertrieben, das klingt nach einem echten Fan dieser Serie, der nicht loslassen kann.

Wenn Hollywood eine Filmproduktion plant, erinnert es immer an Experimente aus der Alchemie: Man mischt verschiedene Zutaten zusammen und hofft, dass am Ende Gold herauskommt. Das gelingt selten, wenn es aber gelingt, kommen eben Filme wie Star Wars heraus, die Generationen prägen, die selbst in den entlegensten Schlupfwinkeln des Planeten noch bekannt sind. Das ist Segen und Fluch zugleich für das Hollywoodsystem. Denn worum es den großen Produktionshäusern in erster Linie geht ist Geld. Diese Meilensteine der Filmge-schichte sind zu aller erst Geldmaschinen. Sie sollen ein Vermögen einbringen, die Leute, die darin investierten, steinreich machen.

Star Trek ist seit Jahren längst nicht mehr so profitabel, wie es einst war. Finanziell konnte es Star Wars ohnehin nie das Wasser reichen. Die ursprüngliche Serie aus den 1960er Jahren schaffte es mit Spielfilmen in den 1980er einigermaßen massentauglich zu werden. So richtig gelang es nie. Das hatte etwas mit den Inhalten und der Stimmung der Serie zu tun. Star Trek galt schon immer als Star Wars’ älterer Streber-Bruder: es wird viel über pseudowissenschaftliche Theorien gesprochen, viel philosophiert, selten geballert oder zumindest seltener als in Krieg der Sterne. Das unterstreicht auch der Name: Trek statt Wars also Sternen-Reisen statt Krieg.

Für viele Zuschauer klingt das zu brav, zu langweilig. Sie wollen lieber, dass es in den Filmen kracht und wummt.
Paramount sagte dazu nur O.K. und beauftragte Mitte der 2000er den Regisseur und Produzenten J.J. Abrams einen neuen Star Trek-Film zu drehen, der den Bedürfnissen der Massen zuvorkommt. Neue Star Trek-Serien, die im Kabel liefen, waren längst keine Zuschauermagneten mehr: Die Serie war verstaubt und eingerostet. Echte Hardcore-Fans störte das kaum. Sie blieben den Serien treu. Doch Paramount wollte mehr Geld aus der bekannten Science-Fiction-Serie herausschlagen. Es sollte ein Blockbuster werden.

Abrams hatte bis dato mehrmals bewiesen, dass er Serien oder Filme an die breite Masse verkaufen kann. Sein Produktionshaus Bad Robot brachte die Hitserie Lost sowie Actionkracher wie Mission Impossible und den Monsterstreifen Cloverfield heraus. Abrams gilt als Spielberg seiner Generation. Er kann erfolgreiche Blockbuster-Filme drehen, weshalb er für einen Star Trek-Neustart wie geeignet war. Ein großer Fan von Gene Roddenberrys Serie war Abrams nicht. Stattdessen hat er mehr-mals in Interviews seine Vorliebe für Star Wars bekundet.

Als 2009 seine Vision von Star Trek in die Kinos kam, spaltete sie Zuschauer. Langzeitfans fühlten, dass Abrams sich von dem Original distanziert hatte und eigentlich einen Star Wars-Film mit den Figuren aus Star Trek gedreht hatte.
Kritiker stimmte es positiv und es erfüllte auch seinen Zweck: Es brachte neue Zuschauer ins Kino. Woran es scheiterte, obwohl es sich auch darum bemühte, war den Fan zufrieden zu stellen. Man versuchte die Existenz von Abrams Star Trek Universum als Paralleldimension zu verkaufen. Es ginge um eine Alternativwelt, in der sich die Figuren aus Roddenberrys Serie anders entwickelt haben, aufgrund dem Einwirken des Romulaners Nero, der zurück durch die Zeit gereist war.

Es waren alles nur nebensächliche Details, die Abrams Scherenarbeit an der Serie legitimieren sollten.
Vier Jahre mussten die Abrams-Fans auf die Fortsetzung zu seinem Star Trek warten. Mit Into Darkness  hat der Regisseur und Produzent versucht, erneut die Gold-Formel anzuwenden. Zum Großteil ist es ihm gelungen, den Erfolg zu replizieren. Nur leider glänzt der Film diesmal nicht mehr annähernd so stark, wie anno 2009. Dafür hat sich Abrams nicht genug zugetraut. Statt ein Risiko einzugehen, schlägt er erneut die gleichen Töne an. Star Trek Into Darkness fühlt sich eher wie ein Epilog zum ersten Film an. Erst am Ende des zweiten Teils scheint das eigentliche Abenteuer zu beginnen. Es fühlt sich wie eine zweistündige Episode an.

Schade, weil dafür einer der interessantesten Schurken aus Star Trek verpulvert wurde: Sherlock Holmes-Darsteller Benedict Cumberpatch spielt den genetisch modifizierten Despoten Khan Noonien Singh. Ursprünglich von dem mexikanischen Schauspieler Ricardo Montalban gespielt, wurde Khan 1967 in der Episode Space Seed eingeführt und später zum Oberschurken in dem Spielfilm Star Trek: The Wrath of Khan promoviert. Als verbitterter Racheengel und Nemesis von Kapitän James T. Kirk lässt Khan von seinem Erzrivalen nicht ab, bis er ihn endgültig zur Strecke bringen kann. Natürlich scheitert Khan und stirbt in dem Film von 1982. Seine letzten Worte, ehe sein Schiff explodiert, ist ein Zitat aus Hermann Melvilles Moby Dick – eine Andeutung, dass Khan genau wie Kapitän Ahab an seiner besessenen Jagd zugrunde geht.

Bis heute gilt Khan als einer der bekanntesten und beliebtesten Figuren aus Star Trek, weshalb Abrams auch ihn für seinen zweiten Film als Schurken ausgewählt hat.

Wenn Christopher Nolans The Dark Knight  etwas gezeigt hat, dann das, dass ein guter Schauspieler in einer bereits bekannten Rolle, diese Rolle zur Perfektion bringen kann. Heath Ledger übertrumpfte Jack Nicholson in seiner Darstellung des Jokers und erhielt post mortem einen Oscar für seine Rolle. Benedict Cumberpatch schafft es nicht Ricardo Montalban abzulösen, was nicht an der schauspielerischen Leistung des Briten liegt, sondern einfach an dem Drehbuch selbst. Abrams Khan fehlt es an Tiefe. Würden Fans die Figur nicht kennen, würden sie kaum von ihr beeindruckt sein. Sie bleibt nicht im Gedächtnis hängen. Montalbans Khan verfolgt dich lange, nachdem man den Film gesehen hat. Weil er diese perfekte Mischung aus Genie und Psychopathen verkörpert. Das versucht Abrams durch Szenen nachzustellen, die an andere erfolgreiche Filme über Psychopathen angelehnt sind. So zum Beispiel eine Gefängnisszene in der Kirk, Spock und Khan eine Unterredung führen. Zwischen ihnen nur eine Glaswand, genau wie in Das Schweigen der Lämmer.

Eben daran scheitert auch Star Trek: Into Darkness: Abrams nimmt wichtige Schlüsselszenen aus Wrath of Khan und interpretiert sie neu, unabhängig davon ob sie anders funktionieren könnten oder nicht.

Der bewegendste Moment aus dem Star Trek-Film von 1982 war die Sterbeszene am Ende: Spock opfert sich für die Crew der Enterprise, indem er in dem verstrahlten Reaktorraum des Raumschiffs Reparaturen vornimmt. Nur so kann die Mannschaft vor Khan fliehen. Kirk muss hilflos mit anschauen wie sein bester Freund vor seinen Augen stirbt. Sie ist umso wichtiger, weil der Film davon handelt, wie Captain Kirk nicht an ein Verlust-Szenario glaubt. Kirk kann nicht verlieren, der Held gewinnt immer. Wrath of Khan widerlegt gerade das.

Auch in Abrams neuen Film gibt es eine Sterbeszene. Nur diesmal ist es Kirk der den Reaktor repariert und Spock muss hilflos mit anschauen, wie sein Freund stirbt. Weil der Kontext nicht dazu passt und die Figuren anders reagieren, als sie sollten, fehlt es der Szene an Tragik. Stattdessen wirkt sie geradezu lächerlich.
Das ist da Problem heutiger Filme: Sie werden immer oberflächlicher. Auch wenn Star Trek Into Darkness nicht annähernd die Katastrophe ist, die die neuen Star Wars Filme von Lucas sind, so ist es doch enttäuschend, dass Abrams unfähig ist, neue Geschichten zu erzählen, statt an alte Erfolge, die anderen gebühren, anzuknüpfen. Es wird schamlos ausgeborgt und als Hommage getarnt.

Doch das ist es nicht.

Mir als Star Wars-Fan dürfte es egal sein. Ich kann mich eher auf 2015 freuen. Dann soll Abrams nämlich Star Wars Episode VII in die Kinos bringen. Nur dann bitte mit originellen Ideen.

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