Sharkzilla

Testosteron-TV im Discovery Channel oder Fernsehen zum Fürchten

Samstag, 09. August 2014

Symbolgrafik: freeimages.com

Wer in diesen Tagen den Discovery Channel einschaltet, wird mehrmals stündlich mit dem Trailer für die Shark Week 2014 bombardiert. Gezeigt werden ab August Dokumentarfilme und Talkshows, die sich mit dem Ungeheuer aus der Tiefe beschäftigen. Gemeint ist hier leider nicht Jules Vernes Narwal aus „20.000 Meilen unter dem Meer“, sondern – und hier beginnt das Klischee – der menschenfressende Hai.

Im Trailer wird ein Mann in einer Badehose gezeigt, der einem römischen Centurio im Streitwagen gleich, auf dem Rücken von zwei zähnefletschenden und durch ein Tau eingespannten Haien stehend, über das Wasser gleitet. Rechts neben ihm  hockt eine blonde Meerjungfrau. Sie blickt mit strahlenden Augen zu ihm auf. In der Linken hält der Mann die Zügel, mit der Rechten greift er wiederholt in einen Kübel, der gebunden an einen breiten Ledergürtel an seiner Schulter hängt.

Auch die Zähne des Mannes sind gefletscht und er wirft, den Wahnsinn seiner Augen herausschreiend, mit blutgetränktem Fischfleisch um sich. Die Brocken werden noch in der Luft von aus dem Wasser springenden Haien mit dem Maul gefangen. Nicht zufällig erinnert die Szene an ein Delfinarium, in dem die Tiere mithilfe von Belohnungen zu Kunststücken animiert werden.

Der Mann beherrscht die Natur

Spätestens mit dem Aufkommen des Christentums ist die Natur Untertan des Menschen. Mit Gottes Gnaden soll er „herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land“, heißt es in der Genesis. Unzweifelhaft wird dies im Trailer zum Ausdruck gebracht. Doch ist es im Trailer nicht der Mensch, sondern der Mann, der sich zum Herrscher aufschwingt, während die Frau zum Trugbild einsamer Matrosen degradiert wird. Die Szene verkommt so zu einer testosterongeladenen Fantasie, zum Traum gelangweilter Männer, deren größtes Abenteuer die allmorgendliche Fahrt in hoffnungslos überfüllten Bussen ist. Der Trailer ist ein Appell an die archaische Gefühlswelt des Menschen. Er spielt mit der Urangst des Gefressenwerdens und der reflexhaften Reaktion auf diese Angst: dem Wunsch nach Unbesiegbarkeit. Denn in der Tat, ohne technische Hilfsmittel gibt es nichts, was einen Menschen vor dem Angriff eines Hais schützen kann. 

Tatsächlich ist das Bild, das die meisten Menschen mit den Meeresbewohnern verbinden, medial geprägt. Filme wie „Der weiße Hai“ oder eben Sendereihen wie die Shark Week beeinflussen Menschen bis heute. In der Realität ist die Gefahr, Opfer eines unprovozierten Angriffs zu werden, jedoch sehr gering. Noch geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dabei das Leben zu verlieren. Laut der Internationalen Datenbank für Haiangriffe des Naturkundemuseums in Florida, USA, gab es in Europa 1974 das letzte Todesopfer.

Wer also einen Ausflug ans Meer plant, kann das Kettenhemd getrost zuhause lassen.

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