„Sie dürfen davon ausgehen, dass wir Ihre Verbündeten sind, wenn man Sie beleidigt“

Pressestatement von Bundeskanzlerin Merkel beim Zusammentreffen mit Mitgliedern der deutschen Minderheit in Hermannstadt am 9. Mai 2019

Dienstag, 14. Mai 2019

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Klaus Johannis beim Treffen mit Mitgliedern der deutschen Minderheit in Hermannstadt. Foto: Michael Mundt

Sehr geehrter Herr Staatspräsident, lieber Klaus Johannis, sehr geehrter Herr Vorsitzender Paul-Jürgen Porr, sehr geehrte Bürgermeisterin, sehr geehrte Damen und Herren, die Sie heute hier die deutsche Minderheit in Rumänien repräsentieren, und natürlich Herr Abgeordneter, ich freue mich sehr, dass ich heute hier bei Ihnen im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien sein darf. Man hat aus der Ferne ja keine so gute Vorstellung. Wenn Sie manchmal zu den Empfängen kommen, die wir für die Vertriebenen und die deutschen Minderheiten im Ausland geben und wenn Sie Herrn Fabritius in Deutschland besuchen, dann sprechen wir natürlich miteinander. Aber es ist einfach gut, Hermannstadt auch einmal in seinem neuen, schmucken Aussehen gesehen zu haben.


Ich bin als Bundeskanzlerin noch nicht hier gewesen. Aber ich war zu DDR-Zeiten hier. Ich war, glaube ich, auch einmal zu Anfang der 90er-Jahre als Jugend- oder als Umweltministerin hier. Aber jetzt als Bundeskanzlerin bin ich natürlich sehr, sehr gern hierhergekommen.


Ich darf Ihnen erst einmal berichten, dass sich Hermannstadt heute wunderbar präsentiert hat, mit vielen Menschen, die uns auch draußen so herzlich empfangen haben, und dass Ihr Staatspräsident diesen Europäischen Rat wirklich ganz wunderbar organisiert hat. Wir haben gerade auf dem kurzen Weg vom Rathaus hierher darüber gesprochen, dass die Umgebung auch die Diskussionskultur formt. Ob man in einem etwas nüchternen Saal in Brüssel im Ratsgebäude zu Mittag isst oder ob man im Rathaus von Hermannstadt zu Mittag isst, macht doch einen Unterschied. Insofern haben wir diesen Tag und diese Stunden heute bei Ihnen sehr genossen.


Herrmannstadt hat eine sehr intensive Entwicklung genommen. 2007 waren Sie schon europäische Kulturhauptstadt, und die deutsche Minderheit hat natürlich eine unglaublich wichtige Funktion, zum einen zu zeigen, dass Rumänien eine Demokratie ist. Herr Porr hat uns eben darauf hingewiesen: Immer wieder gibt es Phasen, in denen Demokratien auch großem Druck ausgesetzt sind. Aber Sie stehen zu diesen demokratischen Werten. Sie wehren sich, wenn es notwendig ist. Wir verfolgen das auch mit Sorge und versuchen mit aller Kraft, darauf Wert zu legen, dass in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union Rechtsstaatlichkeit, Fairness, Schutz von Minderheiten, die kulturelle Vielfalt das ist, was uns ausmacht und was uns bereichert. Wo notwendig, erhebt die Kommission ihr Wort und erheben auch wir unser Wort. Deshalb dürfen Sie davon ausgehen, dass wir Ihre Verbündeten sind, wenn man Sie beleidigt, wenn man Sie beschuldigt. Das gilt natürlich auch für andere Minderheiten, zum Beispiel für die Minderheit der Roma, aber auch für andere.


Rumänien hat sich unter der Präsidentschaft von Präsident Klaus Johannis dennoch sehr gut entwickelt. Sie sind ein wichtiges Glied in einem Europa geworden, das ja nicht nur in Rumänien verschiedenste Diskussionen hat, sondern wir alle haben sie in unseren Ländern. Wenn wir als die 27 Staats- und Regierungschefs, die wir heute waren, zusammenkommen, dann kann jeder davon berichten, dass das, was vielleicht ganz selbstverständlich ist, die Würde des Menschen, die Identität, die Personalität jedes einzelnen Menschen, der Respekt, den wir jeder einzelnen Person gegenüber üben müssen , vielleicht nicht mehr so selbstverständlich ist, und dass wir deshalb anders als vielleicht noch vor einigen Jahren und Jahrzehnten dafür kämpfen müssen. Aber das ist sozusagen das Konstitutive von Europa. Das können wir niemals zur Disposition stellen und müssen deshalb dafür eintreten. Jede Generation hat Kämpfe durchzufechten. Sie wissen ja wirklich, wenn Sie sich die Geschichte der deutschen Minderheit hier in den verschiedenen Regionen anschauen, wie viele Kämpfe Sie schon auszufechten hatten.


Ich darf Danke sagen, dass Sie eine Brücke zwischen unseren Ländern sind, dass Sie das kulturelle Erbe hier hochhalten. Wir versuchen, das mit 2,4 Millionen Euro zu unterstützen, auch mit der Ausbildung deutschsprachiger Lehrer. Die Staatsministerin für Kultur im Bundeskanzleramt hat ein gutes Herz, auch der Innenminister. Wir sind dadurch auch immer wieder mit Ihnen verbunden und hören durch die Wünsche, die Sie äußern, natürlich auch von den Schwierigkeiten, die Sie haben.


Ich sage Danke für diesen freundschaftlichen Empfang hier im sehr schönen Spiegelsaal und darf Ihnen versichern, das sage ich für unsere gesamte Regierung, dass wir weiterhin stolz sind, dass wir nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland leben, sondern dass wir deutsche Minderheiten haben, und dass wir auch den jungen Menschen in Deutschland erzählen werden, wie diese Minderheiten entstanden sind, welche Geschichte sie durchlebt haben und wie sie ein Stück unserer Vergangenheit einfach auch anderweitig und anderswo leben und damit natürlich auch eine Bereicherung für das, was man als deutsches Kulturerbe im weiteren Sinne bezeichnen kann, sind. Tun Sie das weiter, auch mit Ihren Kindern! Wir wissen, dass Sie nicht so viele sind. Viele von Ihnen sind ja schon nach Deutschland gekommen. Aber wenn wir gute Beziehungen haben, dann spielt das auch keine so große Rolle, und wenn wir die europäischen Infrastrukturprojekte noch besser durchsetzen, dann kommt man auch noch schneller zueinander.


Danke also für Ihre Arbeit, alles Gute, und danke, dass ich hier sein darf!

 



Kommentare zu diesem Artikel

dan, 15.05 2019, 15:47
Was die angebliche "Unterstützung" von 2,4 Mio. EUR betrifft für die Minderheit der Deutschen in Rumänien:
das ist vorne und hinten nicht ausreichend:
es fehlen deutsche Schulbücher, es fehlen Lehrer, es fehlt an allen Ecken und Kanten.
Frau Ex-FDJ-Leiterin Merkel interessiert das nicht.
Genauso wenig, wie sie Gerechtigkeit für die ausgewanderten Deutschen aus Rumänien will, die seit 2003 40% weniger Rente erhalten als alle anderen Ausgewanderten und Deutschen - warum unterstützt Merkel bis heute diese Diskriminierung, und lehnt jegliche Nachbesserung ab?
Davon war kein Wort zu hören...
Also muss es nicht weit her sein mit der Brücke zwischen DE-RO der Sachsen und Banater hüben und drüben?

Es ging den EU-Repräsentanten mal wieder nur darum, einen Ausflug auf Kosten der EU-Steuerzahler zu machen, ohne selbst ihr Tagesgeschäft zu erledigen: die Zustände für die EU-Bürger zu verbessern.
Rumänen werden im Westen oft als billige Arbeitskräfte missbraucht.... sie fehlen in der Heimat. Viele gehen weg, weil sie in Rumänien nicht genug verdienen, um zu überleben.
Das alles war kein Thema.
Applaus, Hurra... wie zu Ceauscescus Zeiten.
dan, 15.05 2019, 15:40
Ist die Mehrheit der Repräsentanten der Deutschen aus Rumänien "besser" als Frau Merkel?
Herr Johannis ist eh` kein Repräsentant des Forums und der Deutschen mehr, seit er über Nacht zur PNL wechselte, um große politische Karriere zu machen.
Und die anderen?
Porr gibt immer wieder wirre vergangenheitslastige Positionen offiziell von sich. DFR-Abgeordnete Ovidiu Gant hält sich fast immer bedeckt.
Forum und Kirche glänzen dadurch, dass sie - wie vor 1990 auch- kontinuierlich vor der Macht ihre Häupter beugen, und nichts zu melden haben.
Dabei verkümmert die deutsche Minderheit in Rumänien, verfällt deren Erbe täglich.
Sie ist die Leidtragende, während ihre Repräsentanten sich opportunistisch, da auf ihre Kosten, als ihre angeblichen Vertreter, weiterentwickeln.
Dieter, 14.05 2019, 10:09
Schöne Worte kosten nichts, und Applaus gibt´s dann meist gratis dazu. Gestern FDJ-Funktionärin - heute CDU-Bundekanzlerin. Immerhin ist die Biografie von Angela Merkel konsistent - in ihrer erratischen Sprunghaftigkeit. Wunderbar: Verbündete bei Kaffee und Kuchen - nur wenn es ernst wird, dann braucht man sie wieder, die echten verbündeten, die heute vielgescholtenen, jenseits des Atlantiks. In dem Sinne - prost Angela Merkel.

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