Sie schlägt uns die Stunde nicht mehr…

Am 24. September 1834 ertönte der Schlag der Jahrmarkter Kirchturmuhr zum ersten Mal

Donnerstag, 25. September 2014

„Implan. Karlik“ und darunter das „Baujahr“ 1834 auf dem oberen Teil des kleinen Zifferblattes am Uhrwerk im Turm

Blick nach oben in den Kirchturm, im Vordergrund der Uhrschacht

Jahrmarkter Deutschen schlägt die alte Kirchturmuhr schon länger nicht mehr die Stunden, weil dem Exodus Anfang der 90er Jahre ein fast totaler Bevölkerungsaustausch folgte in dieser früher zahlenmäßig stärksten schwäbisch-katholischen Gemeinde im Temescher Verwaltungsgebiet (rumänisch Giarmata). Die Stundenzahlen auf den Ziffernblättern – in alle Dorf-Himmelsrichtungen zu sehen gewesen – sind inzwischen auch schon ganz verwittert.
„Am 24. September 1834 ertönt … zum erstenmal der Schlag der Turmuhr, welche die Gemeinde um den Preis von 400 fl. durch den Temesvarer Uhrmacher Karlik anfertigen ließ.“ Diese genauen Daten verdanken wir dem ehemaligen Dechantpfarrer Franz Demele, der sie in seiner kleinen Pfarrei- und Kirchenchronik festgeschrieben hat (S. 36). Das 1913 erschienene Büchlein wurde dankenswerter Weise als Reprint 1980 von der Heimatgemeinschaft in Deutschland wieder herausgebracht. Mit dem Aufbau der Turmuhr vor 180 Jahren war, laut Demele, die Dorfkirche in ihrer Ausstattung „vollendet“, nachdem 1806 die letzte, die große Glocke eingebaut, und 1812 eine neue Orgel angeschafft worden war. Die große Glocke hat nun einen Riss und will den Dienst nicht mehr versehen. Nähere Angaben zur Geschichte der Turmuhr und zu Reparaturen sind nicht bekannt, weil die „Historia Domus“ bis heute noch nicht ausgewertet wurde.

Für uns Kinder war das große Uhrwerk im Turm (unterhalb des Glockenstuhls) mit der langen Unruh bis tief in den Uhrenschacht, den großen Zahnrädern und Gewichten ein kleines Wunderwerk. Gelegentlich durften wir Ministranten nahe an sie heran, wenn der Mesner die Uhr aufziehen musste. Zur Kontrolle und zum Einstellen hatte das Bauwerk auf der Westseite oben ein zusätzliches kleines Zifferblatt mit Zeiger, die original erhalten sind. Auf dessen Kopfteil (siehe Detailfoto) hatte sich der Uhrmacher selbst verewigt und unter sein „Implan. Karlik“ (Eingebaut von Karlik) das Jahr 1834 auf weißem Hintergrund festgeschrieben. Dieses Zifferblatt hat nichts von der Lesbarkeit eingebüßt. Es weist aber im oberen Teil ein Loch auf, das von der Art und Größe auf einen Einschuss hindeutet.
Die alte Turmuhr ist heute noch funktionstüchtig. Sie wurde außer Betrieb gesetzt, weil durch den Anschluss des Schlagwerks an das elektrische Glockengeläut nach den häufigen Stromausfällen die Uhr keine genauen Angaben mehr machen konnte. So steht sie heute nach 180 Jahren im „Ruhe-Zustand“ und wartet auf bessere Zeiten, wie sie in anderen Banater Orten (Neudorf, Lenauheim u. a.) diesbezüglich kürzlich eingetreten sind. Oder für Jahrmarkt auch nicht: Denn wie das Wasser des „Großen Brunnens“ brauchen die heutige Gemeinde und ihre Bewohner den Schlag der alten Uhr vom Turm des früheren „Mutterhauses der Gemeinde“, das im Mai 1773 geweiht wurde, nicht mehr in ihrer modernen Welt.

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