Sie sind da, wenn´s brennt

Freiwillige Feuerwehr Billed beging 90-jähriges Jubiläum / Kirchweih- und Gemeindefest gefeiert

Donnerstag, 31. August 2017

Abteilungskommandant Thomas Mikisek (links) und ein Teil seines Teams beteiligten sich an den Feierlichkeiten in Billed.

HOG-Vorsitzender Werner Gilde und der Billeder Bürgermeister Cristian David

Die „Billeder Heiderose“ lädt zum banatschwäbischen Kirchweihfest ein. Die Paare ziehen durch die Gemeindestraßen.

Den „Gemeindepokal im Handball“ vergibt die ehemalige deutsche Gemeinde Billed jedes Jahr. Beim diesjährigen Turnier standen sich acht Teams gegenüber.
Fotos: Zoltán Pázmány

Ein sonniger Sonntagmorgen Ende August in der Temescher Gemeinde Billed. Ein heißer Tag steht bevor, doch das ist heute ein Grund zur Freude, denn immerhin wird hier dreifach gefeiert: Das Weihefest der römisch-katholischen Ortskirche, 90 Jahre seit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Billed und das traditionelle Gemeindefest werden begangen. Die Trachtenpaare sind schon früh losgezogen. Kinder und Jugendliche in banatschwäbischer Tracht marschieren zur Musik der Rekascher Blaskapelle durch die Gemeindestraßen, um die Ortseinwohner zur Kirchweih einzuladen. Die „Billeder Heiderose“ – so heißt die Tanzgruppe der Gemeinde, in der heute noch an die 70 Deutsche leben. Geleitet wird die Gruppe von Tanzlehrer Hansi Müller aus Temeswar, der sie 2015, anlässlich der 250-Jahr-Feier der Gemeinde, übernahm. Seitdem kümmert sich der beherzte Tanzlehrer um die deutsche Tanzgruppe der Gemeinde Billed und bringt den Mitgliedern verschiedene Tänze bei – von dem banatschwäbischen Walzer und der Polka bis hin zu House und Hip-Hop.

„Die Billeder haben eine andere Polka: Sie tanzen nicht lang-kurz-kurz, sondern kurz-lang-lang“, erklärt der Tanzlehrer. „In der kleinen Gruppe gibt es 40 Kinder zwischen 4 und 13 Jahren und genauso viele Jugendliche und junge Erwachsene in der großen Gruppe“, fügt er hinzu. Das Vortänzerpaar bilden an diesem 27. August Angela Toader und Bogdan Cuc. „Ich unterrichte vorwiegend auf Deutsch. Ich versuche, den Kindern und Jugendlichen die banatschwäbischen Sitten und Bräuche näher zu bringen, ich erzähle ihnen vom Kirchweihfest und Traubenball, vom Oster- und Weihnachtsfest“, sagt Hansi Müller. Die meisten Mitglieder der „Billeder Heiderose“ sind Halbdeutsche oder Rumänen, doch das lässt den Spaß nicht minder ausfallen. Zehn Trachten hat die Gemeinde für die deutsche Gruppe anfertigen lassen, weitere Trachten mit bemalten Tüchern leiht ihnen für besondere Anlässe die Billederin Edith Barta aus. Mitglieder der Gruppen „Edelweiß“ aus Detta sowie die „Hatzfelder Pipatsche“ gestalten in diesem Jahr das Billeder Kirchweihfest mit. Den Festgottesdienst zelebriert Pfarrer Marin Matieş aus Lowrin.

Billeder Deutsche, aber auch solche, die vor mehr als 20 Jahren die sogenannte „alte Heimat“ verlassen haben, um nach Deutschland zu ziehen, sind zu den Feierlichkeiten gekommen. So auch Werner Gilde, der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Billed und der Kreisvorsitzende der Banater Schwaben in Karlsruhe. Zusammen mit 28 ehemaligen Feuerwehrleuten aus dem Banat ist Werner Gilde für das Jubiläumswochenende nach Billed gereist. „Die Feuerwehr war für die Billeder schon immer sehr wichtig. Sie ist 1927, nach einem großen Brand, entstanden. Als Jugendlicher war ich immer hin- und hergerissen, ob ich zur Feuerwehr oder zum Handball gehe. Ich habe mich schließlich für den Handball entschieden“, sagt der HOG-Vorsitzende, der ein paar Mal im Jahr in seine Heimatgemeinde Billed reist.

Die Handballtradition wird in Billed weiterhin gepflegt. Adam Csonti, Vorsitzender des deutschen Ortsforums und Kommunalrat, konnte es durchsetzen, dass jährlich ein Handballturnier hier stattfindet. So auch an diesem Tag: Auf dem Handballfeld unter freiem Himmel treten acht Amateurteams gegeneinander an – Forumsvorsitzender Adam Csonti, der 35 Jahre lang Handball gespielt hat, sagt die Spiele an. Zwei Mannschaften aus Billed, eine aus Uzdin in Serbien sowie Teams aus Lowrin, Perjamosch, Großsanktnikolaus, Girok und Busiasch machen bei dem „Pokal der Gemeinde Billed“ mit. „Das Handballspielen war schon immer die traditionelle Sportart der Banater Schwaben gewesen. Als ich angefangen habe, Handball zu spielen, 1972, hat es noch 36 Mannschaften auf Kreisebene gegeben“, erinnert sich Adam Csonti an die glorreichen Zeiten des Handballs in Rumänien. „Ich glaube, wir sind die einzige Mannschaft in Rumänien, die an einem Ort spielt, wo es keine Sporthalle gibt. Das ist ganz traurig, denn es gibt Sporthallen an Orten, wo kaum noch Sport getrieben wird“, fügt Adam Csonti hinzu. Gespielt wird unter freiem Himmel und das nur, wenn es das Wetter erlaubt. Sporthalle hin oder her - Hauptsache, die Motivation ist da. Und das beweist die Billeder Mannschaft in diesem Jahr, indem sie den Gemeindepokal gewinnt. Das Team aus Girok kommt auf den zweiten Platz – auf Platz drei schafft es die Handballmannschaft aus Uzdin im serbischen Banat.

Eine Tradition hat in Billed also nicht nur das Handballspielen, sondern auch die Feuerwehr. 90 Jahre ist es her, seitdem in der Temescher Gemeinde erstmalig ein freiwilliges Einsatzteam auf die Beine gestellt wurde. Am Sitz der Billeder Freiwilligen Feuerwehr kann aktuell eine Ausstellung zur Geschichte der Institution bewundert werden. „Diese Ausstellung ist an Pfingstsamstag in der Badener Landhalle zum ersten Mal gezeigt worden. Wir haben sie nun der Freiwilligen Feuerwehr Billed geschenkt“, sagt HOG-Vorsitzender Werner Gilde. „Die Ausstellung hat Vorstandsmitglied Hans Rothgerber mit Hilfe von Fotomaterial, das die ehemaligen Feuerwehrleute bereitgestellt haben, erstellt“, fügt Werner Gilde hinzu.

Mit Diplomen und Medaillen werden die ehemaligen und aktuellen Feuerwehrleute geehrt, es gibt einen Aufmarsch und einen Feuerwehrball anlässlich des runden Jubiläums. Mit dabei ist in diesem Jahr auch ein Teil des Teams der Freiwilligen Feuerwehr aus Kraichtal, Abteilung Menzingen. Seit 2006 gibt es eine Partnerschaft zwischen den deutschen und den rumänischen Feuerwehrleuten. Damals kamen die Deutschen zum ersten Mal mit einem Hilfskonvoi nach Rumänien – im Laufe der Jahre unterstützten die deutschen Feuerwehrleute die Billeder mit Sachspenden und sogar einem Einsatzfahrzeug. „Ich bin schon das dritte Mal hier und es ist jedes Mal eine Freude“, sagt Thomas Mikisek, Leiter der Einsatzabteilung Menzingen der Freiwilligen Feuerwehr Kraichtal. „Die Freiwillige Feuerwehr ist in Deutschland ein Stützpfeiler für viele Gemeinden, weil dadurch flächendeckend die Gefahrenabwehr gesichert werden kann. Man muss verstehen, dass alle Kameraden das freiwillig tun und mit dem Herzen dabei sind, sehr aktiv und engagiert“, sagt der Feuerwehrkommandant. Das Team der Freiwilligen Feuerwehr Billed unter der Leitung von Kommandant Gheorghe Baba besteht zurzeit aus ungefähr 30 Männern. Sobald es irgendwo brennt, läutet die Sirene im Dorf und die Feuerwehrleute eilen herbei. Kein Wunder also, wenn die Jubiläumsfeierlichkeiten im Kulturheim mit Verspätung starten müssen: Die Freiwillige Feuerwehr Billed hatte noch schnell ein brennendes Stoppelfeld an der Einfahrt in die Gemeinde zu löschen.

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