Sie tanzen den Sirtaki immer noch gern

Sommerurlaub 2015: Rumänen bevorzugen Griechenland

Mittwoch, 01. Juli 2015

Die Insel Zakynthos wird von Temeswar aus wöchentlich beflogen. Die Reiseberater empfehlen den Touristen, Bargeld dabei zu haben.
Foto: Andreea Oance

Das türkisblaue Wasser der Ägäis, der feine Sand, die heiße Sonne, das freundliche Volk, das einen mit offenen Armen empfängt. Das alles hat einen Namen: Griechenland. Das von rumänischen Touristen bevorzugte Reiseziel für den Sommerurlaub ist jedoch europaweit in Verruf geraten. Der griechische Schuldenstreit sei Grund dafür, weshalb die deutschen Urlauber schon seit einigen Jahren Griechenland meiden. Anders sieht die Situation bei den rumänischen Touristen aus. Sie entscheiden sich mit Vorliebe für Hellas, wenn es darum geht, ein paar entspannte Tage in der Sonne zu genießen. Angst, dass ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone ihre Urlaubspläne auf den Kopf stellen könnte, haben nur die wenigsten.

“Den Urlaubern ist es egal, ob nun der Gyros um 50 Cent mehr kosten wird oder nicht”, sagt Raluca Dobrescu von der Reisegesellschaft Cardinal Tours in Temeswar/Timişoara. Es habe einige Kunden gegeben, die gefragt haben, ob es denn da, wo sie ihren Urlaub verbringen werden, zu Protesten kommen könnte. “Wir konnten sie beruhigen. Auf den griechischen Inseln oder in den touristischen Gegenden gibt es keine Proteste. Wenn schon, dann in Athen”, erklärt die  Reiseberaterin. Griechenland befindet sich an erster Stelle im Ranking der bei rumänischen Urlaubern beliebtesten Reiseziele und das schon seit einigen Jahren. “Es liegt nicht so weit weg von Rumänien, es hat ein angenehmes, trockenes Klima und es ist billig. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt eben”, begründet Raluca Dobrescu, weshalb die Entscheidung der meisten Rumänen auf das Sommerreiseziel Griechenland fällt.

 

Die Griechen nehmen es gelassen

Auch Iadranca Marin, Verkaufsleiterin für Banat und Oltenien bei Christian Tour, bestätigt, dass das Interesse der Rumänen für Griechenland immer noch gehoben ist. “Sie bevorzugen die Anreise mit dem eigenen Pkw, weil das so billiger ist”, erklärt sie. Vereinzelt hätten Kunden gefragt, was nun bei einem “Grexit” mit den gebuchten Reisen passieren würde. “Wir haben ihnen erklärt, dass ein Austritt aus der Eurozone nicht von heute auf morgen passieren kann”, sagt Iadranca Marin, die auch bekannt gab, dass sie für den schlimmsten Fall Alternativ-Reisen im Ärmel hätten. “Sollte es für die Kunden nicht möglich sein, die gebuchten Reisen anzutreten, so werden wir ihnen andere Reiseziele anbieten. Niemand wird seinen Sommerurlaub verpulvern”, sagt sie.

Bei den griechischen Hoteliers und Pensionsbetreibern sei die Atmosphäre weiterhin gelassen, findet Reiseberaterin Raluca Dobrescu. “Die Griechen scheinen sich keine Sorgen zu machen”, sagt sie. “Mit 23 Millionen Touristen war 2014 die beste Saison in Griechenland. Wir fokussieren uns jetzt auf Touristen aus Asien, aus Russland und aus der Türkei. Die politischen Unruhen in Europa berühren diese Touristen überhaupt nicht”, sagt Ioanna Fotiadi, Journalistin aus Athen. “Ich weiß nicht, wie sich die Situation im Falle eines `Grexit´ ändern könnte. Aber ich denke, dass diese Saison gesichert ist, was den Tourismus angeht”, sagt die Griechin.

 

Last-Minute-Angebote für jeden Geldbeutel

Dass die Preise der Griechenland-Reisen gesunken sind, ist in Rumänien nicht zu übersehen. Zahlreiche Reisegesellschaften locken mit Sonderangeboten, die von den rumänischen Touristen regelrecht “gejagt” werden. “Ein Grund, weshalb die Preise gesunken sind, ist, dass viele Rumänen ihre Reisen in letzter Minute buchen. Um alle Plätze im Bus oder im Flugzeug zu besetzen, geben wir Last-Minute-Angebote heraus”, erklärt Raluca Ungureanu, Leiterin der Reisegesellschaft Aerotravel. Die Agentur betreibt den Charterflug von Temeswar nach Skiathos – einer 47 Quadratkilometer großen Insel mit vielen Pinienwäldern und Stränden mit sehr feinem Sand. Vor Kurzem hatte Aerotravel eine Flugzeug-Reise für zwei Personen für 500 Euro angeboten – alle Gebühren eingeschlossen. “65 Prozent unserer Kunden verbringen ihren Sommerurlaub in Griechenland. Auf Platz zwei befindet sich die Türkei, gefolgt von Kroatien, Montenegro und Italien”, erklärt Raluca Ungureanu.

Vier Charterflüge nach Griechenland werden von Temeswar aus jede Woche durchgeführt. Neben Skiathos können die Banater Touristen nach Kreta, Zakynthos und – erstmalig in diesem Jahr – nach Rhodos fliegen. Die Urlauber hoffen, dass im September die Preise für Griechenland-Reisen weiterhin sinken werden, jedoch warnen Reiseleiter, dass es nur geringe Unterschiede zwischen den Preisen im August und jenen im September geben wird. “Im September ist die Badesaison noch in vollem Gange und das haben die Griechen inzwischen auch erfasst”, erklärt Verkaufsleiterin Iadranca Marin. Ob die Gespräche auf europäischer Ebene Griechenlands Image so beeinträchtigen werden, dass Hoteliers ihre Preise senken werden, um Touristen zu locken, ist vorläufig noch fraglich.

 

 

 

 

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 05.07 2015, 12:42
"weshalb die deutschen Urlauber schon seit einigen Jahren Griechenland meiden" ... stimmt ja gar nicht. Der einzige Grund, warum Griechenland westeuropäische Touristen verloren hat, war weil genau der selbe Urlaub, mit dem selben blauen Meer und der selben ostmediterranen Küche in der Türkei einfach viel billiger war. Auch Pauschalreisen nach Tunesien oder Ägypten waren billiger. Mit den politischen Unruhen in der arabischen Welt, werden aber doch wieder viele nach Griechenland fahren. Ist einfach gemütlicher, europäischer, auch wenn's ein wenig teurer ist. Mit der Schuldenkrise hat dies aber alles wenig zu tun gehabt, das ist den westl. Touristen egal. Heuer sollte man halt genug Bargeld mitnehmen, falls die Bankomaten streiken.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*