Siebenbürgen aktuelles Thema für siebenbürgisch-sächsische Jugend im Ausland

ADZ-Gespräch mit Edwin Drotleff, Bundesjugendleiter der Siebenbürgischen Jugend in Deutschland

Mittwoch, 06. September 2017

Das 27. Sachsentreffen fand heuer vom 4. bis 6. August in Hermannstadt/Sibiu statt und brachte über 15.000 Siebenbürger Sachsen aus aller Welt zusammen. Von Kanada bis Österreich und eben auch aus Rumänien folgten Jung und Alt der Einladung zu dem seit der Wende größten Treffen dieser Art in der „alten Heimat“. Die Organisation lag dabei in den Händen des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS) und des Verbands der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften e.V., welche die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien (EKR), der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland (SJD), der Bundesverband der Siebenbürger Sachsen in Österreich, das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt (DFDH), die Evangelische Kirchengemeinde A.B. in Hermannstadt und die Saxonia-Stiftung tatkräftig unterstützten.
Die Großveranstaltung stand unter dem Motto „In der Welt zu Hause, in Siebenbürgen daheim“ und setzte sich das Ziel, vor allem der Jugend die Heimat ihrer Großeltern und Eltern näherzubringen und sie zu ermutigen, sich für die Minderheit vor Ort aktiv einzubringen. Auf die Fragen von Vlad Popa zu aktuellen Themen der Jugend, der Teilnahme am Sachsentreffen und den gesammelten Eindrücken antwortete Edwin-Andreas Drotleff, Bundesjugendleiter der Siebenbürgischen Jugend in Deutschland und stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Er und die Vertreter der SJD waren hauptverantwortlich für die Internationale Tanzveranstaltung am Großen Ring, boten Informationen am SJD-Infostand und beteiligten sich aktiv an der Organisation der Tätigkeiten für Kinder und Jugendliche.

Welche Eindrücke nimmst du vom Sachsentreffen mit?

Zu aller erst fällt mir die große Hitze ein… Ich denke aber, die haben wir gut gemeistert, trotz ein paar Ausfällen (auch meiner-seits). Und ja, abseits aller üblichen Probleme bei so einer Großveranstaltung glaube ich, dass dieses Sachsentreffen wichtig war, um ein Zeichen zu setzen. Genauso wie der Heimattag in Dinkelsbühl oder die Internationale Volkstanzveranstaltung (ITV) 2014 in Wels/Österreich haben wir in Hermannstadt eine Leuchtturmveranstaltung erlebt, die bei allen Teilnehmern und Gästen noch lange für Begeisterung sorgen wird. Natürlich ist es auch nach außen hin ein wichtiges Signal: Wir sind noch da und immer noch stark genug, solche Veranstaltungen auf die Beine zu stellen und im Endeffekt unser Kulturgut zu leben. Ich habe viele begeisterte junge Leute erlebt, die zum Teil zum ersten Mal in Siebenbürgen waren und hier kann man sagen, dass das Ziel, die jüngere Generation nach Siebenbürgen zu holen, erreicht wurde!

Hat dem Kinder- und Jugendprogramm etwas gefehlt, hätte es besser gestaltet werden können?

Ich denke, man kann immer etwas besser machen. Ich denke aber auch, dass das Programm ausgewogen war und für jeden etwas dabei war! Von Volkstanz über Umzug bis Techno-Party hatten wir alles und es ist gut angekommen.

Was bedeutet das Motto des Sachsentreffens für dich bzw. für die Jugendlichen in Deutschland?

Es hätte kein besseres Motto geben können und ich stimme ihm vollkommen zu! Wir alle sind in der Welt verstreut und nur an einem Ort wirklich daheim. Das konnten wir an diesem Wochenende und darüber hinaus erleben und dafür Werbung machen. Ich komme immer sehr gerne nach Siebenbürgen und vor allem in mein Heimatdorf, genieße die Ruhe und die Zeit mit der Familie. Ich glaube, das haben viele Jugendliche aus Deutschland ebenfalls gemacht.

Wie wichtig ist für dich Siebenbürgen?

So wichtig, wie einem die Heimat nur sein kann. Ich bin gerne auch an anderen Orten dieser Welt, aber keiner davon erdet einen so wie Siebenbürgen.

Gibt es ein modernes, aktuelles Siebenbürgenbild in den Reihen der Jugend in Deutschland, jenseits von Kultur und Tradition?

Ich denke, dass die Jugendlichen genau dieses heutige Siebenbürgen und auch Rumänien für sich entdecken und langsam erkunden. Viele von den jungen Siebenbürger Sachsen in Deutschland sind nicht mehr in Siebenbürgen geboren. Sie wollen wissen, woher die Eltern stammen, wie sie aufgewachsen sind und gelebt haben. Gleichzeitig schauen sie sich das Land auch jenseits des eigenen Heimatortes an und machen teilweise regelmäßig Urlaub in Rumänien. Ich denke, sie erfahren hier selbst, was Siebenbürgen heute ausmacht, und dichten sich nichts zusammen in einem Image, in einem Bild.

Welche Schwerpunkte hat die siebenbürgische Jugendarbeit in Deutschland, abgesehen vom Erhalt der Kultur?

Da unser Vereinsziel ist, die Kultur der Siebenbürger Sachsen zu erhalten und weiterzuentwickeln, können wir schlicht keinen anderen Schwerpunkt haben. Die Kür neben der Pflicht ist dabei, das Ganze mit Spaß zu verbinden und damit das Interesse junger Menschen zu wecken und zu halten. Ich denke, dabei ist es uns gelungen, Kulturveranstaltungen wie zum Beispiel einen Volkstanzwettbewerb so weiterzuentwickeln, dass er auch nach über zwanzig Jahren immer noch gut besucht und ein gewisses organisatorisches Niveau bietet. Natürlich haben wir auch Veranstaltungen wie die Ski-Freizeit, das Segeln alle zwei Jahre oder die Freizeiten auf Landesebene im Programm. Ganz ohne Spaßveranstaltungen geht es nicht, wobei immer der eine Schwerpunkt auf Kultur im Vordergrund liegt.

Was kann man, abgesehen vom Sachsentreffen, für den Kontakt der Jugend in Deutschland oder Österreich zu Siebenbürgen tun?

In Kontakt bleiben. Die SJD hatte sich immer darum bemüht, den Kontakt immer wieder herzustellen, zuletzt mit dem Föderationsjugendgespräch 2015, bei dem wir uns alle in Hermannstadt getroffen haben, um uns auszutauschen. So etwas kann aber nur immer mal wieder punktuell helfen, um die Kommunikation anzuschieben. Wir müssen auch dazwischen in Kontakt bleiben, uns gegenseitig besuchen und unterstützen. Das Sachsentreffen ist hierfür ein perfektes Beispiel. Ich denke aber, dass auch kleine Veranstaltungen sinnvoll und machbar wären.

Gibt es eine Zusammenarbeit der SJD oder ihrer Organisationen mit der Forumsjugend?

Es gibt keine konkreten laufenden Projekte. Insofern besteht die Zusammenarbeit auf Basis des letzten Treffens in 2015 und der gemeinsamen Organisation des Sachsentreffens.

Wie kommt es bei den Siebenbürgern in Deutschland an, dass der Großteil der Jugendarbeit und der Tanzgruppen in Siebenbürgen von rumänischen Jugendlichen getragen wird?

Wenn die Hintergründe nicht bekannt sind, sorgt diese Tatsache bei den meisten erstmal für Stirnrunzeln. Wenn man jedoch erklärt, dass sich diese Jugendlichen freiwillig engagieren und die Tracht aus Überzeugung tragen, folgt Verständnis und Zustimmung. Ich finde es wunderbar, dass man sich für eine Sache einsetzt. Egal, ob man nun „hineingeboren“ wurde oder nicht. Ich denke auch, dass das eine Basis sein kann, wie dieses Kulturgut erhalten werden kann.

Kann dieser Wunsch der Organisatoren, dass sich in Zukunft mehr Jugendliche mit siebenbürgisch-sächsischem Hintergrund aus dem Ausland in Rumänien aktiv für die Minderheit hier einbringen, Wirklichkeit werden?

Ja! Indem man nicht aufhört, entsprechende Inhalte und Möglichkeiten und damit letztlich die Plattform zu bieten, dass sich Jugendliche zum Beispiel aus Deutschland auch direkt in Siebenbürgen engagieren. Die Entfernung kann heutzutage kein Thema mehr sein. Es ist lediglich die Frage, wie wir die Jugendlichen dazu bekommen, in Siebenbürgen aktiv zu werden, und darauf haben wir mit dem Sachsentreffen bereits eine Antwort geliefert. Nun bin ich mir sicher, dass das in kleinerem Rahmen und höherer Schlagzahl ebenfalls mit den richtigen Projekten möglich ist. Die Europäische Union bietet mit ihren Fördertöpfen für solche Projekte ebenfalls den passenden Rahmen. Es muss nur in die Hand genommen werden.

Wäre es sinnvoll oder erwünscht, dass das Sachsentreffen in diesem Format (drei Tage in Hermannstadt oder woan-ders in Siebenbürgen) wiederholt wird?

Ich denke, es wäre fatal, wenn dieses Erlebnis ein einmaliges bleiben sollte. Der Heimattag in Deutschland ist für den Verband immer wieder Antrieb und Katalysator zugleich auf so vielen Ebenen. Das könnte auch das Sachsentreffen in Siebenbürgen sein.

Kommentare zu diesem Artikel

Maria, 07.09 2017, 14:38
ich hätte mir gewünscht dass der Bundesjugendleiter kurz sich bei den in Freck mitwirkenden SJD Mitglieder sich auch bedankt, wir haben ihn gar nicht gesehen, war er überhaubt in Freck? Na ja man sagt so viel und andere können ja machen

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