Siebenbürgen und Kärnten inspirieren einander

Hermannstadt und Klagenfurt leben europäische Verständigung vor

Sonntag, 18. März 2018

Mag. Udo Puschnig vermittelt am Rednerpult optimistisch zwischen Österreich und Rumänien. Foto: Klaus Philippi

Hermannstadt - Auf der südöstlichen Landkarte Mitteleuropas hat sich seit Beginn der bald 30jährigen Partnerschaft der Städte Hermannstadt/Sibiu und Klagenfurt am Wörthersee, der Hauptstadt Kärntens, sowie auch durch den regen und langjährigen Austausch der Evangelischen Kirchgemeinde A.B. Hermannstadt und der Evangelischen Pfarrgemeinde A.u.H.B. Klagenfurt-Johanneskirche, ein minderheitspolitisches Erfolgsmodell dauerhaft etabliert. Mag. Udo Puschnig, Unterabteilungsleiter und provisorischer Leiter des Flüchtlingswesens in der Abteilung 1 – Landesamtsdirektion im Amt der Kärntner Landesregierung, gab am Donnerstagabend, dem 16. März, im Spiegelsaal des Deutschen Forums der Deutschen in Hermannstadt (DFDH) interessante Details über den Europäischen Volkskongress bekannt, der seit 1990 jährlich von dem Volksgruppenbüro des Amtes der Kärntner Landesregierung veranstaltet wird. In groben Zügen stellte er den Inhalt des Bandes 33 der „Kärnten Dokumentation“ vor, eine Publikation, in der zahlreiche Beiträge und Referate vom Europäischen Volksgruppenkongress 2016 auf 160 Seiten die Minderheitenpolitik Europas aus verschiedenen geografischen und politischen Blickwinkeln beleuchten.“ Als Vertreter einer Minderheitskirche im römisch-katholischen Österreich fühlt sich Udo Puschnig in Hermannstadt, einer Hauptstadt der traditionell siebenbürgischen Toleranz, ebenso zuhause wie im heimatlichen Klagenfurt und erläuterte, dass der jährlich in Kärnten abgehaltene Europäische Volksgruppenkongress ein internationaler Umschlagplatz lauterer und ernster politischer Gesinnungen ist, der regelmäßig unter dem Motto „Fairplay für Volksgruppen“ steht. Um das Spektrum so farbig wie möglich zu gestalten, werden Vertreter des Banats, sowie beispielsweise der Ukraine und anderer postmoderner Staaten, ebenfalls regelmäßig zu der Teilnahme am Volksgruppenkongress eingeladen. Die teilnehmenden Minderheiten nehmen die Aufgabe des Erhalts der vielsprachigen und kosmopolitischen Erbschaft der k&k-Monarchie sehr ernst. In den Sammelbänden der regelmäßig herausgegebenen „Kärnten Dokumentation“ verringern sich somit die geistigen Distanzen der unterschiedlichen Staaten Europas zueinander, weswegen der Europäische Volksgruppenkongress von dem politischen Veranstaltungskalender des alten Kontinents nicht mehr wegzudenken sei.

Wolfgang H. Rehner, Stadtpfarrer i.R. der Evangelischen Kirchgemeinde A.B. Hermannstadt, nahm in seinem geistreichen Grußwort Bezug auf das geistig liberale Muster des Europäischen Volksgruppenkongresses, auf welchem er vor vielen Jahren einen Vortrag zum Thema Konfessionalität und Ethnizität gehalten hatte. Seine Teilnahme habe ihm den überaus fruchtbaren Kontakt zu dem Österreichischen Honorarkonsul in Czernowitz (Ukraine), Dr. Sergij Osatschuk, eröffnet. Auch hatte Rehner 1990 Bekanntschaft mit dem damaligen Bürgermeister Klagenfurts, Mag. Leopold Guggenberger, geschlossen, und ist lebendiger Zeitzeuge der Initialzündung der Städtepartnerschaft Hermannstadts mit Klagenfurt. In einem in der „Kärnten Dokumentation“ veröffentlichten Beitrag, der 2016 in der Hermannstädter Zeitung unter dem Titel „Leutselig, informiert und einfühlsam: Erinnerungen an Leopold Guggenberger“ erschienen war, erinnert Rehner an die Biografie des am 22. Februar 2016 im Alter von 98 Jahren verstorbenen österreichischen Magisters, der sich nach der Wende als einer der ersten Politiker um die europäische Wiedervernetzung Hermannstadts verdient gemacht hatte.
Die Vorstellung des Bandes 33 der „Kärnten Dokumentation“, der beim Sitz des DFDH in kostenlosen Exemplaren aufliegt, wurde von Benjamin Józsa, Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), bzw. Winfried Ziegler, Geschäftsführer des Regionalforums Siebenbürgen des DFDR, moderiert, und am Klavier vierhändig von Brita Falch-Leutert, Kantorin der Evangelischen Kirchgemeinde A.B. Hermannstadt, und Jürg Leutert, Musikwart der Evangelischen Landeskirche A.B. in Rumänien, musikalisch begleitet. Der Walzer op.39 nr.15 in A-Dur von Johannes Brahms sagte den Interessenten, die den Spiegelsaal noch nicht verlassen hatten, Gute Nacht, und sprach einen Wunsch des alten Bechstein-Flügels des DFDH aus, der auf seine wohlverdiente Versetzung in den endgültigen Ruhestand wartet.

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