„Siebenbürgen und Kirchenburgen“ ist Thema an der TU Berlin

Perspektiven für siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft

Samstag, 27. Juli 2013

Caro Wulf, Melanie Fröhlich, Tobias Habermann und Sarah Nagel von der Projektgruppe „Zwischen Burghütern und Aussteigern – Perspektiven für die siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft“ am Projektposter am Institut für Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin am 11. Juli 2013.

Das Studententeam des Institutes für Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin grüßt vom Turm der Kirchenburg Trappold.

Studenten der TU Berlin informieren sich in der Kirchenburg in Probstdorf über die Geschichte und Instandsetzung dieses Kulturdenkmals. Links: Philipp Harfmann von der Leitstelle EKR; Mitte: Friedrich Gunesch, Hauptanwalt in der Kanzlei des Landeskonsistoriums der EKR in Sibiu.
Fotos: der Verfasser (1), ISR / TU Berlin (2)

Das Studentenprojekt „Zwischen Burghütern und Aussteigern – Perspektiven für die Siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft“ des Institutes für Stadt- und Regionalplanung  an der Technischen Universität  Berlin (TUB) gibt Impuls zur Entfaltung der Region der Kirchenburgenlandschaft als ökologisches Individualtourismusgebiet, speziell im Oberen Harbachtal. Innovative „Eltern“ des  Projektes sind die Leitstelle Kirchenburgen beim Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR) mit Sitz in Hermannstadt/Sibiu und das Institut für Stadt- und Regionalplanung (ISR) an der TU Berlin.

TV-Übertragung  aus dem Harbachtal nach Berlin …

Unglaublich: TV-Reporter Fritz aus dem Harbachtal sendet per Direktübertragung  seine Bilder mit Interviews nach Berlin in den Seminarraum EB 222 der Technischen Universität. So geschehen am 11. Juli, als Studenten des Institutes für Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin die Ergebnisse ihres Projekts „Zwischen Burghütern und Aussteigern – Perspektiven für die Siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft“ der Fachjury und Studenten vorstellten. Das Ganze fand im Rahmen der Abschlusspräsentation der Bachelor- und Masterprojekte am Institut für Stadt- und Regionalplanung statt.

Die TV-Reportage aus dem fernen Harbachtal war freilich keine Direktsendung, vielmehr ein vorher gedrehter witziger Videofilm, zu Beginn der Präsentation eingespielt.  Doch ein gelungener psychologischer Gag war die Reportage  allemal, die bei Jury und Studenten gut ankam. Der Applaus galt dann nicht nur der vermeintlichen „Live-Übertragung“. Vielmehr galt der Beifall den Ergebnissen mit konkreten Handlungsempfehlungen des 15-köpfigen Studententeams, das  Ende April/Anfang Mai mit großem Engagement die Exkursion im Oberen Harbachtal durchführte. Dabei unternahm das Studententeam auch einen kleinen Abstecher nach Hahnbach/Hamba, verbunden mit einem Meeting mit den Bio-Honigfabrikanten Willi Tartler und Anja Schneider, Asociatia Meliokoleg. Freilich stand auch die Europäische Kulturhauptstadt von 2007, Hermannstadt,  mit auf dem Programm.

Thema „Siebenbürgen und Kirchenburgen“ erstmals im Lehrplan der TUB

Der Grundstein für dieses Projekt wurde bereits mit dem Vorläufer-Projekt „Erhaltungskonzept zur Sicherung der Siebenbürgischen Kirchenburgenlandschaft unter Einbeziehung neuer Medien“ 2011 gelegt. Es ist das erste gemeinsame Projekt der Leitstelle Kirchenburgen Hermannstadt mit dem Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität Berlin, entstanden auf Initiative der Leitstelle Kirchenburgen, maßgeblich in Persona von Philipp Harfmann. Gefördert wurde dieses Projekt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages.
Ergebnisse dieses Vorläufer-Projektes (September 2011 – April 2012) sind eine Konzeption zur Erhaltung und Zukunft der Siebenbürgischen Kirchenburgenlandschaft sowie die Entwicklung der Applikation „Siebenbürgische Kirchenburgen“, dem ersten digitalen Reiseführer. Diese App kann kostenlos via „App-Store“ und „Google Play“ heruntergeladen werden. Dass diese App bis April 2013 bereits über 1700 Downloads aus zahlreichen Ländern weltweit zu verzeichnen hat, dokumentiert das internationale Interesse an Siebenbürgen. Ein Kompliment an die „Projekt-Eltern“!

Dank dieser „Pionierarbeit“ schaffte das Thema „Siebenbürgen und Kirchenburgen“  im Oktober 2012 erstmals den Sprung in den Lehrplan des Institutes für Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin. Mit dieser Schubkraft starteten das Projekt „Zwischen Burghütern und Aussteigern – Perspektiven für die Siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft“ und die Vorbereitung auf die Exkursion nach Siebenbürgen. Erfolgreich realisiert wurde die Exkursion vom 28. April bis 6. Mai unter Leitung der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin am ISR, Gülsah Stapel, und des Projekttutors Robert Bayer. Das Projekt wurde von der Dozentin Stephanie Herold konzipiert und von ihr von Oktober bis Dezember 2012 betreut, dann von Gülsah Stapel weitergeführt. Professorin Gabi Dolff-Bonekämper, Leiterin Fachgebiet Denkmalpflege am ISR, zeichnet für dieses Studentenprojekt und weitere Kooperationsprojekte zwischen dem ISR und der Leitstelle Hermannstadt verant-wortlich.

Spektrum der Unterstützer in Siebenbürgen

 Unterstützer und Gesprächspartner der Exkursion in Siebenbürgen waren zum Beispiel Barbara Schöfnagel in Probstdorf/Stejărişu, Vorsitzende der Stiftung AuRo, sowie der Burghüter Sebastian Bethge, der als „Aussteiger“ 1999 aus Ost-Berlin kam und mit Handwerkergeschick zur Rettung der ramponierten Trappolder Kirchenburg beitrug und den Corona e.V. gründete. Aber auch der Bürgermeister und der Hauptanwalt der Kanzlei des Landeskonsistoriums der EKR in Hermannstadt, Friedrich Gunesch, sowie weitere Akteure, zählen zu diesem Kreis. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Einheimische solcher Gemeinden wie Probstdorf, Agnetheln/Agnita, Henndorf/Brădeni, Holzmengen/Hosman, Neithausen/Netuş und Trappold/Apold. Zentrales Thema: Perspektiven im Harbachtal sowie die Identifikation der verschiedenen Ethnien untereinander und die gemeinsame Nutzung der Kirchenburgen als kulturelles Erbe sowie als Einnahmequelle im Kulturtourismus der Zukunft.

Handlungsempfehlungen mit Erlebnisroute im Oberen Harbachtal

Im Sinne der Ganzheitlichkeit des Projektthemas forschten die Studenten im Oberen Harbachtal, aufgeteilt in vier Themengruppen: Bevölkerung, Kirchenburgen, Kulturlandschaft sowie Region mit Akteuren. Einige Punkte der Handlungsempfehlungen für die Perspektiven der siebenbürgischen Kirchenburgenlandschaft, dokumentiert auf der exzellent gestalteten Plakatausstellung der Studenten am 11./12. Juli am ISR, sind:

- Integration von sozial benachteiligten Kindern in das Bildungssystem als zentrale Herausforderung;
- Anbindung von abseits gelegenen Dörfern an das öffentliche Verkehrsnetz durch Kleinbusse und Reaktivierung der Schmalspurbahn „Wusch“;
- Maßnahmen zur Entstehung von Konsens, Motivation und „Wir-Gefühl“ als regionale Strategie für das Harbachtal;
- Gewährleistung der Nutzung der Kirchenburgen durch alle Ethnien;
- Effektive Wirtschaftsförderung der Region und Ausbau des Tourismus;
- Bereits erarbeitete 10-Dörfer-Erlebnisroute mit Sibiu als Ausgangspunkt, mit Sehenswürdigkeiten sowie Übernachtungsmöglichkeiten auf der Route, mit Highlights wie der restaurierten Kirchenburg in Trappold, zur Nutzung der siebenbürgischen Kirchenburgenlandschaft als ökologisches Individualtourismusgebiet.

Blick in die Zukunft

Damit diese Projektergebnisse tatsächlich und bald in Siebenbürgen genutzt werden, erscheint es mir als eine gute Idee, die Projektplakate der Studenten im Rathaus Sibiu sowie im Tourismusbüro und in der dortigen Agentur für Wirtschaftsförderung gut sichtbar zu platzieren. So als Gedankenstütze und Impuls nach dem Motto „Packen wir`s an! Vielleicht gibt es auf der „ITB Berlin 2014“ schon eine Werbung für die „Erlebnisroute Kirchenburgen Siebenbürgen“. Eine Fortsetzung des Projektes mit neuen Teilnehmern und einer thematischen  Fokussierung ist geplant.

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