„Siebenbürger Sachsen sind eine Bereicherung für Deutschland“

Der 62. Heimattag in Dinkelsbühl stand unter dem Motto „Erbe erhalten – Zukunft gestalten“

Samstag, 02. Juni 2012

Viele junge Trachtenträger prägten den Festumzug durch Dinkelsbühl, hier die Jugendtanzgruppe Herzogenaurach, die zum Landesverband Bayern, dem Mitausrichter des diesjährigen Heimattags, gehört.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (r.) wird in Dinkelsbühl vom Bundesvorsitzenden Bernd Fabritius (Mitte), dem hessischen Landtagspräsident Norbert Kartmann und dessen Gattin Annelie begrüßt.
Fotos: Siegbert Bruss

Einen sensationellen Auftakt des Pfingsttreffens bot Rockstar Peter Maffay mit seiner Band am Freitag vergangener Woche mit einem Open-Air Benefizkonzert zugunsten des Projektes der Peter-Maffay-Stiftung „Kirchenburg Radeln – Schutzraum für Kinder“. Zehntausend Siebenbürger Sachsen, Dinkelsbühler und Fans aus der Region feierten in bester Stimmung gemeinsam und setzten ein Zeichen für hilflose Kinder in Rumänien.

Am 62. Heimattag der Siebenbürger Sachsen vom 25. bis 28. Mai wurden Schätzungen der Dinkelsbühler Polizei rund 25.000 Besucher verzeichnet. Rund 2600 Trachtenträger nahmen an dem farbenprächtigen Festumzug durch die mittelalterliche Altstadt teil. Das Pfingsttreffen stand unter dem Motto „Erbe erhalten – Zukunft gestalten“.

„Ihr Siebenbürger Sachsen seid einer der fünf Sterne Bayerns!“, betonte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zur Eröffnung des Heimattages am 26. Mai. Der Freistaat Bayern habe sich seit der Wiedervereinigung zu einem Fünf-Sterne-Land entwickelt und nehme dank seiner Finanzkraft, seines Bildungssystems und seiner Kultur einen Spitzenplatz in Deutschland ein. Die Siebenbürger Sachsen hätten sich beispielhaft integriert und mit ganzer Kraft in die Gemeinschaft eingebracht. Jenseits der Wirtschaft, die nur eine Seite der Medaille darstelle, machten vor allem die Menschen den „Schatz“ eines Staates aus. Der CSU-Politiker sagte, Bayern und Deutschland seien zukunftsstark, weil sie traditionstark seien. Brauchtum, Traditionen und Werte schaffen erst die Identität. Gerade in diesem Bereich seien die Siebenbürger Sachsen beispielhaft, auch in ihrer Jugendarbeit.

Der Staatspräsident Rumäniens, Traian Băsescu, sicherte in einer schriftlichen Botschaft zu, dass Rumänien das willkürlich im Kommunismus enteignete Eigentum gemäß dem Prinzip restitutio in integrum zurückgeben werde. Seine Botschaft wurde bei der Eröffnung des Heimattages von Cristian Diaconescu, Chef des Präsidialamtes und früherer Außenminister Rumäniens, übermittelt. Băsescu bedauerte den Weggang der Deutschen aus Rumänien als großen Verlust für sein Land und sprach sich für eine Wiedergutmachung des von ihnen erlittenen Leids aus. Er würdigte sie als „wahre Europäer in einem geeinten Europa“, die in ihren Herzen Siebenbürger Sachsen geblieben seien.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sagte in einem Interview, das am selben Tag in der Tagesschau der ARD wiedergegeben wurde: „Wir haben heute in Dinkelsbühl ein Stück Geschichte erlebt“. Seehofer wurde für seine besondere Verbundenheit zu den Siebenbürger Sachsen mit dem Großen Ehrenwappen, der höchsten Auszeichnung des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, gewürdigt.

Die Zusage des rumänischen Staatspräsidenten Traian Băsescu bezüglich des Entschädigungsrechts und der Wiedergutmachung bezeichnete Dr. Bernd Fabritius ebenfalls als „geschichtlich bedeutsames Ereignis“. Der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e. V. und Präsident der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen wies in seiner Begrüßungsansprache auf der Festkundgebung darauf hin, dass die Zukunftssicherung der zentralen Kultureinrichtungen der Siebenbürger Sachsen in Gundelsheim eine Gesamtaufgabe von Bund und Ländern sei. Mit einem Appell an seine Landsleute schloss Fabritius seine Rede: „Unsere ganz besondere, eigene Identität als deutsche Volksgemeinschaft der Siebenbürger Sachsen ist unser Erbe, das unsere Vorväter in Siebenbürgen über Jahrhunderte aufgebaut und gefestigt haben und das wir bewahren und für die Zukunft am Leben halten müssen.“

In seiner Festrede bezeichnete der bayerische Innenminister Joachim Herrmann die Siebenbürger Sachsen als „kulturelle Bereicherung Bayerns und Deutschlands“ und sicherte ihnen finanzielle Unterstützung für ihre „großartige Kultur“ zu.

Die Siebenbürger Sachsen hätten mit hoher Intensität an der deutsch-rumänischen Brücke und an dem europäischen Aufbau mitgewirkt, sie können optimistisch in die Zukunft blicken, sagte Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtages und Mitglied im Ausschuss der Regionen der Europäischen Union, in seiner Festansprache am Pfingstsonntag. An diesen Brücken hat Kartmann übrigens wesentlich mitgewirkt, vor 50 Jahren besuchte er erstmals seine Großmutter in Hetzeldorf und den Heimattag in Dinkelsbühl und bekennt sich zu seiner siebenbürgisch-sächsischen Herkunft.

Schon bei der Eröffnung des Heimattages am Samstag hatte Lazăr Comănescu, Botschafter Rumäniens in Berlin, die Bedeutung hervorgehoben, die die rumänische Regierung den Anliegen der Siebenbürger Sachsen beimesse. Dr. Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums in Siebenbürgen, verwies in seinem Grußwort auf die vielfältigen Bemühungen der Siebenbürger Sachsen, ihr Kulturerbe zu erhalten, aber auch ihre Zukunft zu gestalten. So schickt das Forum am 10. Juni landesweit 500 Kandidaten für die Lokalräte ins Rennen. Ein weiteres Grußwort sprach Christiane Cosmatu, Unterstaatssekretärin im Departement für interethnische Beziehungen der rumänischen Regierung.

Ein Programmschwerpunkt des Heimattages war dem Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e.V. Heidelberg gewidmet, der heuer sein 50-jähriges Bestehen feiert. Zur Eröffnung der Festveranstaltung in der St. Paulskirche bekräftigte der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Christoph Bergner (CDU), erneut die besondere Verantwortung der Bundesregierung sowohl für die aus Rumänien ausgesiedelten Deutschen, die heute in der Bundesrepublik leben, als auch für die deutsche Minderheit in Rumänien. Das Motto des Heimattages „Erbe erhalten – Zukunft gestalten“ sei zugleich ein partnerschaftlicher Auftrag sowohl für die Bundesregierung als auch die Deutschen in und aus Rumänien. Eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion am Pfingstmontag erörterte Wege zum Erhalt des Kulturerbes der Siebenbürger Sachsen und vor allem zur Sicherung der Kultureinrichtungen in Gundelsheim.

Der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreis 2012 wurde dem aus Klausenburg angereisten Musikwissenschaftler Prof. Dr. Hans Peter Türk und dem bildenden Künstler Gert Fabritius überreicht. Ebenfalls in Dinkelsbühl wurde der Beitritt des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften als juristisches Mitglied zum Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, der früheren Landsmannschaft in festlichem Rahmen unterschrieben. Diesen Schritt hatten die Heimatortsgemeinschaften befürwortet, um die Kräfte zu bündeln und ein stärkeres politisches Gewicht zu erhalten.

Kommentare zu diesem Artikel

HermannGrimm, 03.06 2012, 18:11
Was bringt der Heimattag im heimischen Dinkelsbühl für die "zurückgebliebenen" (so deren eigene Bezeichnung) Sachsen im Karpatenbogen? Wohl nichts!
Vor Jahren wurde durch eine Straßensammlung am Heimattag für ein Projekt in Siebenbürgen Geld zusammengetragen.
Das wäre auch jetzt noch sinnvoll und richtig.
Mir stößt es immer sauer auf wenn ich dann die Siebenbürgenhymne höre und nichts kommt für die Menschen zu Hause
heraus.
Auch die Präsenz aus Siebenbürgen könne größer sein. Aber das erfordert Geld, Ideen bzw. Einbindungen hier und Einladungen nach Siebenbürgen.
Die Brukenthalschüler sind wegen einer weiteren Einladung nach Württemberg in Dinkelsbühl gewesen.
Aber die angedachten Bistritzer?
HermannGrimm, 03.06 2012, 18:02
Am 1. Aprilk besuchte ich Radelnb und war vom Zustand dieses verlassenen Dorfes entsetzt. Entäuscht war ich auch, dass keine
Kinder im Heim von Peter-Maffay-Stiftung zu
sehen und zu hören waren.
Es ist ja nur ein "Ferienheim" so die Gesprächspartner vor Ort und kein ständiges Heim, so dass diese Kinder hier nie ein "Zuhause" (so Bernd Fabritius beim Open Air in Dinkelsbühl) finden werden.
Vieles von dem, was am 9.7.2011 versprochen wurde ist bisher in Radeln nicht verwirklicht oder umgesetzt worden.
Traumatisierten Kindern zu helfen ist eine ausgezeiuchnete Idee aber so wie es geplant ist, wird zu kurz gesprungen.

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