„Siebenbürgische Goldschmiedekunst“

Heimatkundler Horst Klusch stellte sein jüngstes Buch in Hermannstadt vor

Samstag, 16. Juni 2012

Horst Klusch zeigt den Drachenkelch, der im Landeskirchlichen Museum im Hermannstädter Teutsch-Haus besichtigt werden kann.
Foto: Holger Wermke

Hermannstadt - Die Goldschmiedekunst hat in Siebenbürgen eine lange Tradition, weiß Horst Klusch zu berichten, schon in der Bronzezeit erfuhr dieses Handwerk eine erste Blüte. Besonders interessiert den Hermannstädter Heimatkundler jedoch die Geschichte der siebenbürgisch-sächsischen Kunsthandwerker, die er in seinem jüngsten Buch zusammengefasst hat. Vorgestellt hat Klusch die „Siebenbürgische Goldschmiedekunst“ am Donnerstag im Hermannstädter Büchercafé Erasmus.

Eigentlich müsse das Buch „Siebenbürgische Silberschmiedekunst“ heißen, meinte Klusch, da die Goldschmiede hauptsächlich mit dem weniger wertvollen Silber gearbeitet hätten. Den Beginn der hiesigen Goldschmiedekunst datiert der Autor in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts, als sich die Gotik in Siebenbürgen verbreitet und das Handwerk von geistlichen an Laienwerkstätten übergeht.

Kluschs Darstellung der Goldschmiedekunst ist eng verknüpft mit der Geschichte Siebenbürgens und der umliegenden Lande. So beschreibt der Autor die Tätigkeit der sächsischen Goldschmiede für die Fürsten der Walachei, die – obgleich es auch rumänische Goldschmiede gab – häufig Waren in Siebenbürgen bestellten. Auch ließen sich sächsische Handwerker in Altrumänien nieder (z.B. 1689 nach der Zerstörung Kronstadts durch habsburgische Soldaten) und beeinflussten die dortigen Darstellungsweisen. Umgekehrt übernahmen die sächsischen Goldschmiede Vorbilder aus dem Osten, beispielsweise metallene Taufbecken nach orthodoxem Vorbild. „Seinen Höhepunkt erreichte es (das Goldschmiedehandwerk, d.R.) im 16. Jahrhundert, als die siebenbürgisch-sächsischen Goldschmiede sowohl für die Walachei und Moldau als auch für das Osmanische Reich und Mitteleuropa arbeiteten und europäischen Rang erreichten.“

Viele siebenbürgische Goldschmiedearbeiten sind heute über ganz Europa verteilt. Manche gingen zur Zeit der Herstellung als Auftragsarbeit ins Ausland, andere gelangten durch Schenkung, als Erbstück oder Pfand in andere Hände über oder verließen Siebenbürgen als Kriegsbeute. Ebenso wie ihre Waren gingen siebenbürgische Handwerker ins Ausland, die Bistritzer beispielsweise unterhielten enge Beziehungen nach Krakau; umgekehrt waren die siebenbürgischen Städte Ziel von Gesellen und Meister aus dem Ausland, erwähnt sei Sebastian Hann aus der Zips, der 1694 zum ersten Vorsteher der Hermannstädter Goldschmiedezunft gewählt wurde.

In seinem Buch beschreibt Klusch detailliert die verschiedenen Goldschmiedeprodukte, die typisch für die siebenbürgischen Handwerker waren. Ein Kapitel ist dem Trachtenschmuck gewidmet mit Hefteln, Gürteln und Verschlüssen; ein weiteres dem Körperschmuck. Er befasst sich ausführlich mit den sakralen Gefäßen und ihren Ausprägungen im Laufe der Zeit. Außerdem geht er auf die Materialien und Techniken der hiesigen Goldschmiede ein. Typisch sei beispielsweise die siebenbürgische Maleremail, die als „modo transilvano“ in die Fachliteratur eingegangen sei.

Illustriert ist das Buch mit 306 überwiegend farbigen Fotografien. Laut Klusch sind das Wertvollste am Buch die Fotografien von Gegenständen, die er mit Unterstützung von Auktionshäusern fotografieren durfte und die sich heute in Privatbesitz befinden. Im umfangreichen Anhang hat Klusch 450 Meisterzeichen zusammengestellt. Auch im Anhang geht er näher auf den „Corvinius-Becher“, die Meister Martin und Georg de „Clussenberch“ ein und den Verbleib von siebenbürgischen Arbeiten in ausländischen Sammlungen ein. Außerdem gibt es Erläuterungen zu den Bildtafeln.

Das 346 Seiten starke Buch ist die erweiterte Ausgabe seines 1980 im Kriterion-Verlag erschienen Buches mit gleichem Titel. Der als Hardcover produzierte Band (ISBN: 978-9731725789) erschien im Honterus-Verlag und kostet 93 Lei.

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