Siebenbürgische Uhren ausgestellt

Uhrenausstellung aus dem Schwarzwald im Kronstädter Volkskundemuseum

Freitag, 26. April 2019

Eine Holzuhr aus dem Schwarzwald vom Ende des 19. Jahrhunderts

Das winzige Atelier von Georgeta Anton ist vielen Kronstädtern wohlbekannt. Foto: die Verfasserin

Seit über einem halben Jahrhundert repariert Georgeta Anton Uhren. Schweizerische und russische Uhren mit Handaufzug, die, „wenn sie gut gepflegt werden, sogar 100 Jahre funktionieren können“, macht sie am liebsten wieder gebrauchsfähig, hat sich jedoch auch an elektronische Uhren gewöhnen müssen, die heutzutage benutzt werden. Mit intelligenten Armbanduhren, den sogenannten Smartwatches, die über LCD-Anzeigen verfügen und unter anderem Rechner, Datenbanken, Pulsmesser, Fotokamera, Kompass, TV und sogar Internet-Empfang bieten, kann die Uhrmacherin, die Mitte 70 ist, nichts anfangen. Sie zieht es immer noch vor, wie in den jungen Werkjahren, der Herausforderung nachzugehen, die Defekte der Uhren zu finden und sie dann zu beheben. Das ist der besondere Reiz ihrer Arbeit, von den unzähligen winzigen Rädern, Schrauben, Metallteilen den kaputten Bestandteil zu finden. Mit großer Begeisterung nimmt sie mit ihrem Kollegen eine Pendeluhr auseinander und versucht mit einer kleinen Metallpinzette in der Hand, etwa wie ein Chirurg vor dem geöffneten Körper des Kranken, die Uhr wieder zum Ticken zu bringen.


„Seit drei Jahren hängt diese schön bemalte Wanduhr aus Holz hier bei mir und der Kunde holt sie nicht mehr ab. Auch diese Uhr wartet seit über einem Jahr auf ihren Besitzer, ich verstehe nicht recht, warum er sie reparieren hat lassen, sie ist nicht einmal so wertvoll“, erklärt die Frau mit leiser Stimme und zeigt auf einen kleinen, russischen Wecker, der einst weiß gewesen sein muss, nun aber schon cremefarben ist. Anton hat eine große Anzahl von alten Uhren in ihrem winzigen Atelier in der Purzengasse/Str. Republicii Nr. 54, die in einer engen Nische aufgereiht sind und denen man einen Teil der Geschichte des Zeitmessens ablesen kann.
Ihr Sohn, der das Geschäft seiner Mutter weiterführen wird, bastelt gerade an einer digitalen Uhr, die, wie Georgeta Anton erklärt, viel einfacher gebaut und daher viel leichter zu reparieren ist, als die Uhren, die „früher“ hergestellt wurden.


Ihr Wissen und Können hat sie, bescheiden und zurückhaltend, kürzlich bei der Vernissage der Sonderausstellung des Kronstädter Volkskundemuseums „Uhren ländlicher Art als Zeitmessgerät“ vorgestellt. Einige ihrer Uhrmacher-Werkzeuge sowie Mechanismen alter Handuhren hat sie dem Museum zur Schaustellung ausgeliehen. Auch Sammler Florin Filipescu hat zwei Wanduhren, die er von seinen Großeltern geerbt hat, beigesteuert. Eine davon ist von 1850, funktioniert aber, wie die andere auch, tadellos, benötige jedoch stetige Pflege, erklärt der Senior stolz.

Insgesamt 14 Wanduhren, die meisten aus dem Besitz des Museums, und 20 Uhrmacher-Werkzeuge können bis Mitte Juni im Ethnografischen Museum betrachtet werden. Die meisten Exponate stammen aus dem Schwarzwald, wo die Uhrenproduktion im 18. Jahrhundert aufblühte und sich rasch ausbreitete. Zuerst ließen sich Uhren auf den Dörfern verkaufen, wo Uhrenträger mit hohen Traggestellen auf dem Rücken von Haus zu Haus gingen, um ihre Ware zu präsentierten, danach aber auch in den Städten sowie auch auf internationaler Ebene. Der hohen Nachfrage wegen gründeten die Uhrmacher im 19. Jahrhundert Vereine und eröffneten Geschäfte, wo die Ware der Kleinbetriebe vermarktet wurde und Bestellungen für den Schwarzwald aufgenommen werden konnten. Die Produkte waren zuverlässig und passten auch ästhetisch gut zu den Innenräumen der ländlichen Häuser, sodass die Produktion sich von kleinen Manufakturen zu Fabriken ausweitete. So wurde aus dem Luxusobjekt ein Massenprodukt.


Zwar wurden im Schwarzwald auch Wecker und Pendeluhren manuell hergestellt, doch erfreuten sich die mit ländlichen Motiven bemalten Wanduhren größter Nachfrage. Letztere wurden ab dem 19. Jahrhundert auch in Siebenbürgen sehr beliebt und waren hierzulande als „siebenbürgische Uhren“ bekannt. Sie passten zu den Möbeln der Häuser am Lande, die ebenfalls mit ländlichen Ornamenten verziert waren, und gehörten bald zum wichtigen Alltagsgut. Die Mechanismen dieser Uhren waren mit Pendel versehen und das Schlagwerk gab stündlich akustisch und optisch den Stundenwechsel an. Besonders beliebt waren auch die geschnitzten Kuckucksuhren, bei denen der Kuckuck jede Stunde aus seinem Nest heraustrat, um durch Pfeif- oder Gongtöne die Zeit anzugeben.


„Die Ausstellung ist eine Einladung zum Rückblick auf die analoge Zeitmessung“, erklärte der interimistische Direktor des Museums, Valer Rus. „Heutzutage rufen wir die Zeit eher durch digitale Mittel ab, am Handy oder von intelligenten Uhren, doch haben sich viele Generationen der Bewohner Siebenbürgens nach den Uhren ländlicher Art gerichtet“, fügte Rus hinzu. Auch eine alte hölzerne Sanduhr ist im Museum ausgestellt und es wird auch auf die ältesten Zeitmessgeräte hingewiesen, wie die Sonnen- oder Wasseruhren.

Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 17 Uhr, ausschließlich montags, im Foyer des Volkskundemuseums zu besichtigen.

 

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