Siebenundzwanzig Schicksale

Rumäniendeutsche Zeitzeugen in einem Oral-History-Band vereint

Mittwoch, 15. Januar 2014

Hermannstadt - Schicksale. Von 27 Personen, die in ganz Rumänien verstreut leben und sich zur deutschen Minderheit zählen. Frauen und Männer, die fast alle vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges geboren wurden und nicht ausgewandert sind. Einge davon sind den ADZ-Lesern gut bekannt – wie Hans Liebhardt, Else von Schuster, Peter Kottler, Inge Jekeli, Augustin Olear, Wolfgang Rehner oder Thomas Hartig – da sie Beiträge zeichnen bzw. gezeichnet haben oder über sie berichtet wurde und wird. Andere aber werden erstmals vorgestellt bzw. kommen zu Wort in dem Buch „Schicksale“. Sein Untertitel: „Deutsche Zeitzeugen in Rumänien – Lebensmut trotz Krieg, Deportation und Exodus“. Die Interviews geführt und bearbeitet hat der Museumswissenschaftler Sören Pichotta, das Buch erschien im Dezember 2013 im Schiller Verlag in der von der Evangelischen Akademie Siebenbürgen (EAS) herausgegebenen „Seria Academia“ als Band XII.

Im Vorwort der Herausgeber und in einem Nachwort des Autors wird die Projektidee und deren Umsetzung als Dokumentation und gar „Quellensammlung“ dargestellt. Sören Pichotta gebührt Lob für das Finden und Aufzeichnen von Lebensgeschichten in allen von deutschen Siedlergruppen bewohnten Landesteilen Rumäniens, die erstmals in einem Buch vereint worden sind. Was bereits auf den ersten Blick fasziniert ist der ganz andere Tonus, der in diesen Erzählungen schwingt, vergleicht man sie mit den (sehr zahlreichen veröffentlichten) Selbstberichten in Deutschland lebender Rumäniendeutscher: Die Schicksale wirken – selbst wenn einige traurig bzw. tragisch sind – ertragbar und von den Personen angenommen, ja manche Erzähler schildern das Erlebte durchaus positiv.

Gefragt hat Pichotta seine Interviewpartner in der Bukowina, der Maramuresch, im Banat, in Siebenbürgen, in Bukarest oder der Dobrudscha über Kindheit, Familie, Schulbesuch, Kriegserlebnisse, erlebte Gemeinschaft und selbstverständlich Russlanddeportation. Zu den Fragen über rezentere Ereignisse gehören jene über „Auswanderung“ (wozu im Nachwort immer noch die falsche These des Schmidt–Ceauşescu–Abkommens angeführt ist, das es nicht gegeben hat) bzw. „Bleiben“, Kontakte zur Bundesrepublik Deutschland und Besuche dort sowie das mannigfaltige Engagement in der Gemeinschaft. Die Ausführungen der Befragten beinhalten (verständlicherweise) die gängigen Klischees was die interethnischen Beziehungen angeht, interessant aber sind die Reflexionen über Identität bzw. Identifizierung als Sachsen/Schwaben und Angehörige der deutschen Minderheit. 

Wenig hilfreich ist die ungezeichnete historische Vorstellung der deutschen Minderheiten, um den Kontext zu verstehen, in dem diese Schicksale gelebt wurden. Sie wurde vermutlich vom Museumswissenschaftler Pichotta verfasst, denn in ihr wird der Untergang der deutschen Kulturgemeinschaft bedauert und auf das Los des Kulturerbes eingegangen. Sie beinhaltet aber auch Informationen, die zu Miss- oder Unverständnissen führen kann, wie zum Beispiel jene, dass der „zahlenmäßige Höhepunkt von 750.000 Angehörigen“ in der Zwischenkriegszeit erreicht worden ist, ohne die historischen Umstände für diesen „Höhepunkt“ anzugeben.

Hätten die Herausgeber der Reihe die Texte durchgelesen, es hätte mancher Fehler vermieden werden können, die einem nicht Ortsansässigen – Pichotta stammt aus Dresden – unterlaufen, wie zum Beispiel bei der Nennung des Ortes Fiteşti (statt Feteşti) oder dem Umsetzen des Erzählten in Schriftsprache. Bei der Beschreibung des Kronenfestes (in Deutsch-Tekes/Ticuşul Vechi, S. 34) heißt es „Da wurde eine Krone auf einem Holzstamm gebaut und mit Blumen geschmückt. Dann wurde eine Flasche mit Getränk auf die Krone getan.“ Georg Stefani hat das sicher nicht so gemeint und jeder Hiesige weiß, dass die aus Blumen und Laub gebundene Krone auf dem Holzstamm angebracht und die Flasche in der Krone befestigt wird.

(Das 294 Seiten umfassende Buch ist für 59 Lei in den deutschen Buchhandlungen erhältlich.) 

Kommentare zu diesem Artikel

Schorsch, 19.01 2014, 18:46
Wie lange, ach wie lange noch wird es dauern, bis manche Supersachsen sich einmal damit abfinden werden, dass sich nicht nur "Hiesige" zu den Deutschen in Rumänien äußern... Diese genetisch bedingte permanente Omphaloskopie scheitert schon lange mangels Masse. Sächsisch man/frau - auch eine Frau Baier - sollte das einmal zur Kenntnis nehmen!

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