So entstand die „Schreinermalerei“

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Roswith Capesius – Pictura de mobilier la saşii transilvăneni , Honterus

Dies ist also die Schreinermalerei auf Rumänisch, übersetzt haben das Buch Cristian Sencovici und Christa Richter. Die beiden Autoren, die sich zeitweilig in Bukarest und in Birthälm aufgehalten haben, leben jetzt in Hermannstadt und ich kann nur das Beste über sie sagen.

Christa Richter kommt aus der literarischen und publizistischen Schule der Neuen Literatur und sie hat hier im Land alle ihre damaligen Kollegen überdauert. Den Radiohörern ist sie bekannt, weil sie immer etwas Besonderes aus Siebenbürgen herbeischafft. Bei der Zeitung ADZ aber und beim Deutschen Jahrbuch treten die beiden als talentierte siebenbürgische Mitarbeiter hervor, mit Text und Bildern, immer mit Themen, die nur Hiesige so schreiben können. Cristian Sencovici ist bei aller Fototechnik, die sich entwickelt hat, ein ausnehmend guter Fotograf. Ich sage immer: Wer es mit einer Leica-Kamera gelernt hat, der hat es eben gelernt.

Die beiden hatten mich stolz verständigt, dass sie die schwere Übersetzung hinter sich gebracht hatten und nun liegt der Band auch als gute typografische Leistung der Honterus Druckerei vor.
Die „Schreinermalerei“ war das letzte Werk von Roswith Capesius, sie hatte vorher auf Rumänisch ihre Dissertation über die rumänischen Bauernmöbel veröffentlicht und das Siebenbürgisch-sächsische Bauernhaus auf Deutsch im Kriterion Verlag. Nun hatte aber Kriterion die großformatigen Bildbände eingeführt und sie wollte gerne auch so etwas machen. Auch auf dieser Ausgabe des Honterus Verlags steht noch: mit 76 Zeichnungen und 73 Fotos.

Das Zeichnen hat Roswith Capesius, die Malerei studiert hatte, noch mehr Spaß gemacht als das Schreiben. Sie saß bei dieser Betätigung an ihrem Sekretärchen, auf das vom Fenster ein gutes Licht kam. Sie arbeitete zuerst mit Bleistift und dann mit Tusche,jedenfalls besaß sie auch die handwerklichen Fähigkeiten, eine Zeichnung so herzustellen, dass im Druck etwas herauskam. Das kann man auch an dieser Zweitwiedergabe - nach dem einmal Gedruckten – noch sehen.

Komplizierter verhielt es sich mit den Fotografien. Nachdem sie aber mit den schwierigen Farbreproduktionen der alten Möbeln allein nicht mehr zurechtkam, wandte sie sich an Berufsfotografen um Hilfe. Das hat bis zuletzt geklappt,obwohl es immer ganze Haupt- und Staatsaktionen waren, wenn sie Ortwin Weiss aus Kronstadt mit dem Trabant in eine Burzenländer Gemeinde schaffen wollte oder Edmund Höfer in ein Möbelmuseum bei Bukarest.
Das Organisieren hörte damit aber nicht auf. Der Farbfilm musste bei den damaligen geschlossenen Grenzen nach Deutschland zum Entwickeln geschickt werden, dann wieder zurück. Ein langer Weg bis die Fotos druckreif waren.

Deshalb sagte sie auch, dieses Buch sei ihr Leichenstein,aber ich hielt nichts von solchen Bemerkungen.

Das sieht man auch daran, dass Cristian Sencovici die meisten Fotos für diesen Band frisch machen musste. Er hat dabei auch andere Möbel aufgenommen, weil längst nicht mehr alles vorhanden ist, was Roswith Capesius zu ihrer Zeit fotografiert hat. Dabei wurden auch Möbel aufgenommen, die Mircea Ungureanu bemalt hatte. Auf ihn geht auch die Anregung zur Übersetzung dieses Buchs zurück: Er versprach Cristian Sencovici, für ihn einen Tisch und zwei Stühle mit sächsischen Motiven zu bemalen, wenn er das Buch für ihn übersetzt.

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