„Solche Intendanten fallen nicht vom Himmel“

ADZ-Umfrage mit Angestellten und Mitarbeitern des Deutschen Staatstheaters Temeswar

Dienstag, 14. November 2017

Viele Menschen aus der Theaterszene sind sich einig: Lucian Vărşăndan hat dem Deutschen Staatstheater Temeswar zu seinem wohlverdienten Platz in der rumänischen und europäischen Theaterszene verholfen.
Foto: Zoltán Pázmány

Das Personal des DSTT protestiert gegen die Entscheidung des Bürgermeisteramtes Temeswar, das Amt von Intendant Lucian Vărşăndan nicht zu verlängern. Foto: DSTT

Die Angestellten, Mitarbeiter und Freunde des Deutschen Staatstheaters Temeswar (DSTT) stellen sich auf die Seite des langjährigen DSTT-Intendanten Lucian Vărşăndan. Kurz nachdem bekannt wurde, dass die Amtszeit von Lucian Vărşăndan zu Ende gegangen ist und das Bürgermeisteramt nichts unternommen hat, damit die Kultureinrichtung weiterhin einen Leiter hat bzw. ihre Tätigkeit unter normalen Bedingungen entfalten kann, unterschrieben 86 Angestellte des DSTT ein Protestschreiben, das an Bürgermeister Nicolae Robu gerichtet wurde. In dem Schreiben hoben Schauspieler, Regisseure, Bühnenbildner und andere am DSTT tätige Personen hervor, dass sie bestürzt über die völlig undurchsichtige und unbegründete Art und Weise seien, wie das Bürgermeisteramt im Falle des Managers Lucian Vărşăndan vorgegangen ist. ADZ-Redakteurin Raluca Nelepcu wollte von den DSTT-Mitarbeitern wissen, wie sie sich gegenüber dieser Situation positionieren, und führte diesbezüglich eine Umfrage durch. Einige Aussagen der Umfrageteilnehmer sowie einige offenen Briefe renommierter Künstler aus dem In- und Ausland können Sie weiter unten lesen.

Sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrates Temeswar,

es hat ein paar Tage gedauert, bis wir hier in Luxemburg die Bedeutung und die Tragweite Ihrer Entscheidung, Intendant Lucian Vărşăndan nicht zu verlängern, in seinem gesamten Ausmaß begriffen haben. Schock und Ratlosigkeit lösten sich ab, ich habe mich jetzt entschieden, Ihnen zu schreiben. Sie verlieren einen hochkompetenten und äußerst verantwortungsvollen Intendanten. In seinem organisatorischen Tun war er zu 100-prozentig glaubwürdig, er war für uns, seine Partner im Ausland, absolut verlässlich! Er hat das ramponierte Image Rumäniens im Ausland aufs Beste widerlegt, es war eine Freude und Ehre, mit ihm zu kooperieren. Lucian Vărşăndan ist unbestritten einer der besten Intendanten Europas, engagiert auf diskrete Weise, einfühlsam, hochgebildet und er machte (große) Theaterträume möglich. Unzählig sind die hochrangingen Künstler, die in seinem Theater gearbeitet haben, die Liste ist hinlänglich bekannt. Er hat einen sehr großen Anteil an der Tatsache, dass Temeswar im Laufe der Jahre über die Stadtgrenzen hinaus in Europa bekannt wurde, nicht zuletzt kam es so zu einer intensiven Zusammenarbeit mit meinem Theater in Esch-sur-Alzette/Luxemburg. Esch wird möglicherweise an diesem 10. November 2017 zur europäischen Kulturhauptstadt 2022 ernannt. Da gäbe es unzählige Möglichkeiten, mit Temeswar zu kooperieren, vorausgesetzt, mit einem wirklich glaubwürdigen Intendanten kollaborieren zu können. Im März 2018 ist das Stück „Frühlings Erwachen“ bei uns in Esch zu Gast, wer wird dann unser Ansprechpartner sein? Wir erwarten hier keinen anderen als Lucian Vărşăndan in seiner bekannten Funktion.

Prof. Charles Muller, Intendant und Regisseur, Träger des rumänischen Verdienstordens im Range eines Offiziers


Die Nichtverlängerung der Amtszeit des Intendanten Lucian Vărşăndan durch das Bürgermeisteramt der Stadt Temesvar stößt, wahrscheinlich nicht nur bei mir, auf tiefe Verständnislosigkeit. Soll der außerordentlich steile Aufstieg des DSTT unter der Leitung von Herrn Lucian Vărşăndan in der Landschaft der rumänischen Theaterszene, allgemein von der Presse und Publikum anerkannt, soll all dies so leicht ignoriert werden? Sind Qualität und Erfolg ein Makel? Zumindest eine Erklärung der Gründe wäre jetzt dringend notwendig. Ich denke, wir alle, und auch wir die Gastregisseure, -bühnenbildner, -musiker etc. haben ein Recht auf Transparenz in der Entscheidung des Bürgermeisteramtes. So wie es in einer Demokratie üblich ist – oder sein sollte. Ich persönlich bin sehr dankbar, an dem Erfolg des Hauses beteiligt gewesen zu sein.

Helmut Stürmer, Bühnenbildner


Ich bin die älteste unter den Schauspielern des DSTT. Seit ’89 ist dieses Theater durch Höhen und Tiefen gegangen. Es war nicht leicht, es aufrecht zu erhalten. Fast alle Intendanten haben um das Überleben der Institution gekämpft. Lucian Vărşăndan hat es aber geschafft, das Theater in diesen zehn Jahren auf einen Gipfel zu bringen. Es ist sein Verdienst, dass wir – obwohl das DSTT kein Theater der Hauptstadt ist, sondern eines, das ausschließlich in deutscher Sprache spielt – einen so guten Ruf im In- und im Ausland genießen. Warum will man das ändern? Warum ist so eine Situation nur in Rumänien möglich? Schämen wir uns, dass gutes Theater auf Deutsch gespielt wird? Oder haben irgendwelche Leute persönliche Interessen, ihn zu entfernen? Rache? Neid? Ich liebe meinen Beruf. Nach meinem Sohn ist er das Wichtigste in meinem Leben. Ich unterstütze 100-prozentig Lucian Vărşăndan, weil es ihm zu verdanken ist, dass wir gutes Theater, unter der Spielleitung erstklassiger Regisseure, spielen können. Was fehlt diesen Herren, die ihn entfernen wollen? Wahrscheinlich Kultur und Verstehen des Theaters. Wenn wir für ihn kämpfen müssen, werden wir es tun, denn wir wollen nicht, dass das DSTT stirbt.

Isolde Cobeţ,
Schauspielerin


Eine traurige Nachricht! Ich sage das, weil Lucian Vărşăndan aus meiner Sicht einer der besten Intendanten ist, die ich in Rumänien angetroffen habe. Jene, die ihn kennen, wissen auch, dass er nicht sehr freundlich ist, so wie es einem Menschen gut steht, der diese Verantwortung trägt. Ich hoffe, genauso wie viele andere Künstler auch, die mit dem DSTT zusammengearbeitet haben, dass es keine endgültige Entscheidung ist, sondern nur ein kleiner Fehltritt, der jeder Zeit leicht wieder zurechtgebogen werden kann.

Florin Fieroiu,
Choreograf


Bevor Lucian Vărşăndan als künstlerischer Leiter an das DSTT kam, wurden am DSTT deutsche Volkstanzaufführungen produziert. Nachdem Lucian Vărşăndan gekommen ist, ist aus dem Kulturhaus nicht nur ein Theater im wahrsten Sinne des Wortes entstanden, sondern eine Marke für sich in der rumänischen und europäischen Theaterszene. Dieses Theater unter der Leitung von Lucian Vărşăndan gehört zu den wenigen Theaterhäusern in Rumänien, die – dank seiner Leistung – jährlich mit zwei oder sogar drei Aufführungen beim Nationalen Theaterfestival dabei ist. Unter der Leitung von Lucian Vărşăndan erfreute sich das DSTT nicht nur zahlreicher UNITER-Nominierungen, sondern brachte der Stadt Temeswar auch einige Preise ein. Diese Marke ist unter der Leitung von Lucian Vărşăndan gewachsen, durch die einfache Tatsache, dass die wichtigsten Künstler aus Rumänien am DSTT mitgewirkt haben: Radu Afrim, Laszlo Bocsárdi, Alexandru Dabija, Florin Fieroiu, Alexander Hausvater usw. In diesen unruhigen Zeiten möchte ich mich nicht auf den Charakter Lucian Vărşăndans beziehen, weil wir ihn nicht heiraten möchten, sondern auf seine erwiesene Fähigkeit, eine Kulturinstitution zu leiten. Herr Bürgermeister von Temeswar, lassen Sie uns gemeinsam eine Stil-Übung machen. Wollen wir den Aufstieg eines Theaters, der Ihrer Stadt im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr Ehre erweist, stoppen, oder lassen wir die Eitelkeit beiseite und erlauben ihm, seine künstlerische Mission zu vollenden?

Dragoş Buhagiar,
Bühnenbildner


Mit Betroffenheit und Unverständnis habe ich die Stagnation der Verhandlungen zwischen Stadtverwaltung und Lucian Vărşăndan aufgenommen. Als Schauspieler aus Deutschland kam ich 2012 nach Temeswar und erlebte mit dem Deutschen Staatstheater eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Lucian Vărşăndan förderte stets die Entwicklung des Deutschen Staatstheaters mit Herz, vollem Einsatz und außerordentlicher Kompetenz. Ihm ist es zu verdanken, dass diese Institution weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannt ist und die Kultur Temeswars repräsentiert. Er ist ganz sicher unverzichtbar für das Projekt Kulturhauptstadt 2021. Der Erfolg der letzten Jahre, der sich unter anderem an Festivalteilnahmen und Zuschauerzahlen belegen lässt, ist auch für Theater im deutschsprachigen Raum spektakulär. Ich dachte immer, Rathaus und Deutsches Staatstheater sind eine Einheit, und dass die Kulturverantwortlichen bestimmt stolz über den Zuspruch und die vielen Zuschauer sind. Liebe Stadtverwaltung und lieber Bürgermeister – das sind die Früchte eines guten Managements und solche Intendanten fallen nicht vom Himmel. Manchmal schätzt man nicht genug, was andere Menschen leisten, und denkt, alles läuft automatisch. Falsch gedacht! Man scheint auch zu denken, eine Theaterangelegenheit kann man mal so nebenbei lösen. Doppelt falsch gedacht! Das Theater steht im Zentrum jeder Stadt und dahin wollen die Menschen gehen.

Konstantin Keidel,
Gastschauspieler

Ich unterstütze Lucian Vărşăndan und zeige mich solidarisch mit dem Ensemble des DSTT in dieser anormalen, ungerechten und typisch rumänischen Situation. Nicht nur weil ich an diesem Theater zwei Produktionen in einer professionellen Art und Weise inszenieren durfte, wie es nur selten an anderen Institutionen in Rumänien geschieht, sondern auch, weil Lucian Vărşăndan das DSTT auf die Theater- und Kulturkarte gesetzt und es geschafft hat, aus einem kleinen, deutschsprachigen Theater eines der besten aus ganz Rumänien zu machen. Ich finde es unglaublich, dass wir Argumente und Aussagen bringen müssen – wenn die Ergebnisse und das hervorragende Konstrukt, an dem Lucian Vărşăndan in all diesen Jahren gearbeitet hat, konkrete und anerkannte Sachen sind, die sich im Laufe der Jahre bewährt haben, durch Preise, volle Säle und internationale Anerkennung. Lucian Vărşăndan ist ein Manager mit Vision, eine Persönlichkeit, die die Theaterlandschaft in Rumänien dringend nötig hat. Ich hoffe sehr, dass sich zumindest im Falle dieses Managers und dieses Theaters der ewige, schädliche und fatalistische Ruf eines Volks ohne Sinn für den Aufbau  nicht bestätigen lässt.

Răzvan Mazilu,
Choreograf


Lucian Vărşăndan hat das DSTT auf die Theaterkarte gesetzt. Er hat uns aus der Anonymität herausgeholt. Ohne ihn hätten wir auch jetzt in Vorstellungen mit sieben Menschen im Saal gespielt. Ihm ist es zu verdanken, dass wir da stehen, wo wir stehen. Dank ihm durften wir, die Schaupieler, mit den besten Regisseuren, Bühnenbildnern und Choreografen aus dem In- und Ausland arbeiten.

Daniela Török,
Schauspielerin


Die fehlende Transparenz, mit der das Bürgermeisteramt die ganze Sache angegangen ist, hat mich gestört. Ich möchte das nicht verlieren, was wir bisher gemeinsam aufgebaut haben, und habe große Angst vor dem, was kommen könnte.

Ioana Iacob,
Schauspielerin


Als ich 2005 am DSTT begonnen habe, gab es bei manchen Aufführungen mehr Schauspieler auf der Bühne als Zuschauer im Saal. Jahre später kreiste das Gerücht, dass Silviu Purcărete an unser Theater kommen wird. Ich erinnere mich jetzt noch an das sarkastische Lachen einer ehemaligen Kollegin, die das damals als unmöglich empfand. Als ich 2008 die Uni abgeschlossen habe, stellte sich auch für mich die Frage: Bleiben oder gehen? Ich habe an das DSTT-Projekt geglaubt und bin geblieben. Ich finde, dass wir unter der Leitung von Lucian Vărşăndan das Theater wiederbelebt, erneuert und befreit, ihm eine Vision, Perspektiven, Frische, Mut und Kraft verliehen haben. All das wäre nicht möglich gewesen ohne den Manager, der – obwohl er seit Jahren für und mit uns arbeitet – nun durch diesen Schlamm gezogen wird. Ich glaube, es handelt sich um eine politische Sache, ähnlich dem, was Dorina Lazăr am Odeon- oder Maia Morgenstern am Jüdischen Theater zugestoßen ist. Ich habe in den vergangenen Tagen mit Maia Morgenstern gearbeitet und ihr erzählt, was bei uns los ist. Sie war empört, weil auch sie ein Theatermensch ist und weil so etwas nicht normal und nicht tolerierbar ist. Ich glaube nicht, dass jemand fehlerfrei ist, aber wenn wir einen Schlussstrich ziehen, so ist Lucian Vărşăndan ein ausgezeichneter Manager und ich habe Angst, dass jemand aus dem Temeswarer Bürgermeisteramt das Theater vernichten möchte durch dieses grässliche Manöver, dass nicht nur Lucian Vărşăndan schadet, sondern auch dem Temeswarer und rumänischen Kulturleben.

Horia Săvescu, 
Schauspieler


Es ist eine schreckliche Situation. Das Theater ist nun ohne Intendanten geblieben, es funktioniert aus einer gewissen Inertie heraus. Ich finde es unerhört, dass sich der Bürgermeister erlaubt, etwas, das gut funktioniert hat, zu zerstören. Wir haben ein sehr gutes Image im In- und Ausland genossen und nun riskieren wir, dieses zu verlieren. Wir stehen auf der Seite von Lucian Vărşăndan.

Dana Borteanu,
Schauspielerin


Ich liebe meinen Beruf und wünsche mir, respektiert zu werden. Diese Situation stimmt mich traurig und enttäuscht mich zur gleichen Zeit. Was haben wir falsch gemacht? Dass wir einfach unseren Job getan haben? Dass wir auf der Bühne stehen und einen Beitrag zum Kulturleben der Stadt Temeswar leisten? Wir sind eine Institution, die gut funktioniert hat, Lucian Vărşăndan hat uns respektiert und unterstützt, sowohl uns, die angestellten Schauspieler, wie auch die junge, theaterliebende Generation. Ich unterstütze Lucian Vărşăndan und wünsche mir, dass eine gute Lösung dieser Situation sehr bald gefunden wird.

Isa Berger,
Schauspielerin


Wer die Gelegenheit hatte, Lucian Vărşăndan kennenzulernen, sei es Künstler, DSTT-Mitarbeiter oder sonstwer, der durfte einen außergewöhnlichen Menschen kennenlernen, einen Theatermanager, wie man ihn nur selten in Rumänien antrifft. Wenn Nicolae Robu ihn beleidigt, dann beleidigt er uns alle. Wir werden von den Politikern, die wir gewählt haben, mit Verachtung behandelt. Schäme dich, Bürgermeisteramt Temeswar, schäme dich, Nicolae Robu!

Zsolt Fehérvári,
Bühnenbildner


Wir sind ein kleine „Provinztheater“ und darüber hinaus noch eines in deutscher Sprache, in einem Land, das vorläufig noch nicht ausreichend in Kultur investiert. Trotzdem hat es Lucian Vărşăndan während seiner insgesamt zehnjährigen Amtszeit geschafft, es in ein sichtbares und anerkanntes Theater in Rumänien zu verwandeln, an dem renommierte Regisseure, Bühnenbildner und Choreografen tätig sind und wo qualitative Aufführungen produziert werden. Diese Sachen sind nicht von selbst geschehen, sondern dank Lucian Vărşăndan und der effizienten Arbeitsatmosphäre, die er geschaffen hat. Er hat praktisch ein gut funktionierendes Team auf die Beine gestellt. Wieviele können sich damit rühmen? Ich bin äußerst empört über das, was geschieht. Ich unterstütze Lucian Vărşăndan und wünsche mir eine baldige Lösung der peinlichen Situation, mit der wir uns zurzeit auseinandersetzen.

Ioana Smara Popescu,
Bühnenbildnerin


Die Arbeit von Herrn Lucian Vărşăndan wird von Pünktlichkeit, Ernsthaftigkeit, Menschlichkeit, Professionalismus, Strenge, Vision, Offenheit, Toleranz, Intelligenz und Objektivität charakterisiert. Ich unterstütze ihn und finde, dass sowohl Temeswar, als auch das Land, in dem wir leben, solch wertvolle Menschen nötig hat.

Blénessy Enikő,
Schauspielerin


Ich bin seit 1998 Schauspielerin des DSTT, mit einer fünfjährigen Pause, zwischen 2011 und 2016. Ich habe mehrere Intendanten erlebt, beginnend mit Ildiko Zamfirescu, Anda Ghandi, Ida Gaza und, in den letzten zehn Jahren, Lucian Vărşăndan. Ich habe beobachten können, wie unser Theater, per Definition ein Minderheitentheater, zu einem der besten Theatern in Rumänien geworden ist. Die Lorbeeren für diese schöne Entwicklung trägt Lucian Vărşăndan, und dank seines gut definierten und intelligent angewandten Managements ist das DSTT heute nicht nur ein Minderheitentheater, sondern ein Theater mit besonderen künstlerischen Leistungen in Rumänien und darüber hinaus. LucianVărşăndan konnte unsere Institution so meisterhaft lenken, dass wir, die Schauspieler, die große Chance hatten, mit weltweit anerkannten Regisseuren zu arbeiten und unsere künstlerischen Leistungen zu verbessern. Die Tatsache, dass sein zehnjähriges Engagement plötzlich und ohne Begründung als nichtig erklärt wird, zeigt, dass nicht seine Manager-Fähigkeiten zählen, sondern andere Interessen, die zu einer traurigen Wahrheit führen: Wir sind nur Marionetten in den Händen der Regierenden, die den qualitativen Theaterakt zum Schweigen bringen wollen, zugunsten des ewigen politischen Gehorsams, das heute so modern ist. Ich bin aufgebracht, weil - gleich nach dem Erfolg des Eurothalia-Festivals, das von Lucian Vărşăndan initiiert und ein Emblem unseres Theaters ist - er von der Leitung des DSTT beseitigt wird. Umso mehr, da das DSTT einen immensen Beitrag zur Ernennung der Stadt Temeswar zur Europäischen Kulturhauptstadt 2021 geleistet hat. Es ist traurig, wie ein qualitatives Management, mit sichtbaren Ergebnissen im letzten Jahrzehnt, durch eine absurde Entscheidung zunichte gemacht wird. Ich hoffe, dass Lucian Vărşăndan weiterhin im Amt bleibt und diese Situation nur ein schlechter Traum gewesen ist.

Simona Vintilă,
Schauspielerin


Das, was am DSTT geschehen ist, könnte – aus meiner Sicht – zwei Sachen bedeuten: entweder die unverschämte Beseitigung eines Intendanten, der im letzten Jahrzehnt nur Professionalismus, Respekt, Korrektheit und Charakter bewiesen hat, oder die Inkompetenz des Bürgermeisteramtes, eine einfache Vorgehensweise zu Ende zu führen. Das, was passiert ist, ist nicht nur eine Beleidigung Lucian M. Vărşăndan, sondern auch den Mitarbeitern und Zuschauern des DSTT gegenüber. Ich hoffe, dass das DSTT so wenig wie möglich infolge dieser Situation zu leiden hat und seinen verdienten Leiter zurückbekommt. Ich unterstützte Lucian Vărşăndan.

Richard Hladik,
Schauspieler


Vor zehn Jahren, nachdem ich einer Premiere am DSTT beigewohnt habe, habe ich begonnen, mir alle Aufführungen dieses Theaters anzuschauen. Ich habe das Ensemble kennengelernt und gewusst, dass ich hier sein möchte. Seit sechs Jahren bin ich hier: An einem Ort der schönsten Begegnungen, an einem Ort, wo die zwischenmenschlichen Beziehungen über die Bühne oder den Probesaal hinausreichen. Es ist der Ort, wo ich Flügel bekommen habe, in einem Theater, in dem Grenzen durchbrochen werden, eine national und international anerkannte Institution. Am 16. September 2016, vor der Premiere „Biedermann und die Brandstifter“, bin ich zur Kabine des technischen Regisseurs gelaufen und gesagt: „Achtung, Temeswar hat den Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt 2021 gewonnen“. Was bedeutet im nationalen und europäischen Kontext für diesen Titel, zu dem das DSTT und Lucian Vărşăndan in den letzten Jahren erheblich beigetragen hat, die Indolenz, mit der die Behörden diese Institution und die Menschen, die hier tätig sind, behandelt?

Oana Vidoni,
Schauspielerin


In einer Welt, in der die Kultur mit dem Konsumdenken einer mittelmäßigen Gesellschaft kämpft, einer Welt, in der der „Bindestrich“ eine vom Aussterben bedrohte Art darstellt, hat es das DSTT geschafft, Zuschauer heranzuziehen und die Kritiker durch ein mutiges und qualitätsvolles Repertoire zu überzeugen. Es gibt uns! Es gibt uns dank der Symbiose zwischen Lucian Vărşăndan als Theaterdirektor und einem künstlerischen, technischen und administrativen Team, das die Aussage „Lasă că-i bine şi aşa!“ (Es geht auch so) nicht kennt und das sich Qualität, und nicht Quantität wünscht. Viele sind gekommen und viele sind gegangen, weil es nicht leicht ist, weil Engagement und Professionalismus erforderlich sind. Jetzt, aus einem unverständlichen Grund, will man etwas Funktionierendes zerstören. Ich hoffe, dass die Vernunft über das Absurde siegt und uns gestattet wird, das, was wir am besten können, zu tun, und diese Stadt auf den Rang einer Europäischen Kulturhauptstadt zu bringen. Verlangen wir zu viel?

Odette Pârvulescu,
künstlerische Beraterin


Ich gehöre zu den jüngst angestellten Personen am DSTT. Ich weiß nicht, wie es früher war, obwohl ich von den Kollegen nur schöne Sachen gehört habe, aber ich kann mit aller Überzeugung behaupten: Ich bin Make-Up-Artist des Theaters und Doktorandin im Bereich Visuelle Künste, Fachrichtung „Make-Up-Kunst“ und konnte dadurch mit den wichtigsten Institutionen/Magazinen/Meinungsbildern in diesem Bereich zusammenarbeiten. Am DSTT bin ich auf Ernsthaftigkeit, Professionalismus, Performanz, Respekt vor der Arbeit aller Implizierten und vor allem Unterstützung für unsere Initiativen gestoßen, damit jede Aufführung den Zuschauern und Kunstliebhabern das Beste bietet. Ich habe überall Harmonie und Einheit kennengelernt, wie in einer Familie. Der Beitrag von Lucian Vărşăndan zu all diesen Sachen ist unumstritten. Ich glaube, dass wir in dieser Form weitermachen müssen, um neue Leistungen zu erbringen.

Bojita Ilici,
Make-Up-Artist


Was momentan am DSTT passiert, scheint ein schlechter Traum zu sein. Ich konnte es nicht fassen, als ich davon erfahren habe. Lucian Vărşăndan bleibt ein bewundernswerter Manager, und die Bemühungen dieses Menschen für das Ensemble, für die Schauspieler sind immens. Ich unterstütze ihn bis zum bitteren Ende, auch wenn ich nicht mehr Angestellter bin. Ich hoffe, dass schnell eine Lösung gefunden wird, ohne viel Lärm, aber ich finde, dass es zu spät ist, um unsere Verachtung der Kommunalverwaltung gegenüber zu verstecken, die nun eine der wichtigsten Kultureinrichtungen in Rumänien zerstören möchte. Robu ist von der Situation überwältigt, wie man das schon des Öfteren beobachten konnte, und in verschiedenen Fällen ist er einfach lächerlich.

Radu Vulpe,
Gastschauspieler

Kommentare zu diesem Artikel

Gottseibeiuns, 14.11 2017, 17:09
Sind Sie's, Herr Olasz?
Klaus Christian, 14.11 2017, 14:43
Dass die ADZ/BZ in bedingungsloser Nibelungentreue dem ehemaligen "DSTT"-Intendanten verbunden war und offenbar auch bleibt zeugt zwar von Haltung, ist aber doch auch bedauerlich, da sie sich, wie auch fast alle anderen deutschsprachigen Medien des pressefreiheitlichen Rumäniens, damit ohne Not der Möglichkeit begeben hat, kritischer Beobachter zu sein. Nun füllt auch das Ende der Amtszeit des Intendanten enorm viele Zeilen, Spalten, gar Seiten. Gut investiert wäre weiterer Raum in der Zeitung für einen ordnenden Kommentar, der die sympathischen Solidaritätsbekundungen aus der Belegschaft des "DSTT" und von Geschäftspartnern des ehemaligen Intendanten sauber trennt vom eigentlichen Problem - der fehlenden formalen Qualifikation des ehemaligen Stelleninhabers. Der "Skandal" besteht eben nicht darin, dass das nun problembewußte Rathaus eine den rechtlichen Anforderungen nicht entsprechende Stellenbesetzung wider besseres Wissen nicht einfach verstetigt. Skandalös war vielmehr, dass der Amtsvorgänger des Temeswarer Bürgermeisters wenige Tage vor der Kommunalwahl 2012, aus der Bürgermeister Robu als Wahlsieger hervorgehen sollte, also deutlich vor Ende des ersten Fünfjahresmandats des ehemaligen "DSTT"-Intendanten (mithin nicht fristgerecht) dessen Vertrag im Wissen um die auch nach damals geltendem Recht mangelnde formale Qualifikation klammheimlich und im Wahlkampftrubel kaum wahrnehmbar verlängert hatte um für den neuen Bürgermeister vollendete Tatsachen zu schaffen - dies war ein klarer Rechtsbruch. Wer immer heute nun Druck auf das Temeswarer Rathaus auszuüben versucht, diesen Rechtsbruch erneut vorzunehmen, muss sich vorhalten lassen, der Herrschaft des Rechts in Rumänien keine sonderliche Bedeutung beizumessen. In Zeiten wie diesen, in denen sich der rumänische Rechtsstaat permanenten Anfeindungen ausgesetzt sieht, ein durchaus erschreckendes Phänomen.

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