Sommerfrische im Retezat-Gebirge

Das Wander- und Bergsteigerparadies ist unverändert anziehend

Donnerstag, 12. Juli 2012

Blick vom Gipfel Retezat (2482) Foto: Die Verfasserin

Freundlich und gefährlich, entspannend und doch anstrengend – die Gegensätze locken viele Touristen an: Viele Temeswarer zieht es an diesen heißen Sommertagen nach oben, ins kühle Gebirge. Denn im Nationalpark Retezat, etwa vier Stunden von Temeswar/Timişoara entfernt, gibt es unberührte Natur, frische Luft und angenehmes Wetter - Ideal für Wanderer, Spaziergänger und Mountainbiker. Das Gebirge bietet beste Bedingungen für einen abenteuerlichen Wanderurlaub, was nicht nur einheimische Touristen ausgiebig nutzen – auch viele Ausländer flüchten in dieser Zeit in die kühlen Retezat-Berge.

Es gibt da drei Voraussetzungen: passende Wanderausrüstung - vor allem gute Bergschuhe - nahrhafter Proviant und viel Energie. Um durch das Retezat-Gebirge richtig wandern zu können, sind diese drei ein Muss. Der gleichnamige Nationalpark erstreckt sich über 20.000 Hektar und bezieht sich auf ein Areal zwischen Retezat-Spitze, Doru-Rudii-Massiv, Râul Mare-Tal, Gura Apei, Drăgşanu-Gipfel, Gruniu-Gipfel und der Berghütte Pietrele. Zirka 1.800 Hektar im Bereich Gemenele-See, Tăul Negru und Dobrun-Tal sind zum Totalreservat erklärt.

 

Das Gebirge ist zwar viel freundlicher als z.B. das Bucegi- oder das Fogarascher-Gebirge, es hat aber auch seine gefährlichen Stellen: etwa die steilen Bergrücken oder das viele Geröll und die Geröllmuren bei etwa 2.000 Meter Höhe. Für Abenteuerlustige sind diese aber eben die stärkste Verlockung.

2012: Überwiegend Ausländer im Retezat

Zur „Entschädigung“ bietet das Retezat-Gebirge dann wunderbare Aussichten, frische Luft, vielfältige Wanderrouten und Entspannung. Vor allem ausländische Touristen sind sich dessen bewusst und kommen immer wieder zurück. „In diesem Sommer waren es sogar mehr Ausländer, als Rumänen“, stellt Albert Piekny, der Verwalter der Berghütte „Buta“ fest. Es sind vor allem Tschechen, Polen, Deutsche und Serben. Die Berghütte Buta auf 1580 Meter Höhe ist für viele Touristen eine redlich verdiente „Atempause“ zwischendurch. Hier kann man übernachten (30 Lei/Person in einem 6-Bett-Zimmer bzw. 35 Lei in einem 4-Bett-Zimmer) oder sich mit einem schnellen Imbiss stärken. Zu Buta kann man entweder aus Poiana Pelegii gelangen (etwa zwei Stunden wandern) oder aus dem Kurort Câmpu lui Neag – da muss man gute drei Stunden wandern, zuerst auf einem eher langweiligen Forstweg, danach durch den Wald. Aus Buta kann man am schnellsten zum Gipfel Piule (2081m) kommen – die zweistündige Bergbesteigung ist zwar nicht leicht, da es an manchen Stellen richtig steil und rutschig werden kann, die weite Aussicht vom Gipfel ist aber eine solche Anstrengung wert. Von dort bietet sich ein wunderbarer Blick auf das „Kleine Retezat“, das Cerna-Tal, den oberen Cerna-Damm, aber auch über die zwei höchsten Gipfel im Retezat-Gebirge: Peleaga (2509m) und Păpuşa (2508m). Wer eher einen ruhigeren Anmarsch möchte, kann durch die „Cheile Butii“ wandern, etwa zwei Stunden von Buta entfernt. „Auch der Weg zum Gipfel Custura lohnt sich, ist aber ziemlich weit, etwa vier Stunden entfernt“, so der Vorschlag eines Bergretters.

Die Serben kommen wieder

„Diese Berge sind wirklich anziehend“, sagt eine 28-jährige Bergwanderin aus Serbien. Sie ist zum zweiten Mal da, nicht aber zum letzten Mal. „Ich komme im nächsten Jahr wieder“, sagt sie. Gerade ruht sie sich in der Gebirgshütte Buta aus und will gleich los gehen, Richtung Bucura-See, der größte Gletschersee in Rumänien. Er erstreckt sich über rund neun Hektar, liegt auf 2041 Meter Höhe und ist bis zu 15 Meter tief.

Gute fünf Stunden muss die Serbin noch unterwegs sein, eine anstrengende Bergbesteigung steht noch voran. Sie und ihr Freund sind aber gut ausgerüstet: Hosen aus atmungsaktivem Material, ein schweißaufsaugendes T-Shirt, Wanderschuhe der Marke Mammut. „Gute Ausstattung, das ist wichtig und notwendig“, fügt sie hinzu. Bei Bucura wollen sie das Zelt aufbauen, so wie im vergangenen Jahr. Den gleichen Plan haben auch die vier Tschechen, die sich gerade auf dem Weg machen. Tatsächlich ist der Bucura-See ein beliebter „Anlegeort“ für viele Wanderer. Von dort beginnen mehrere Routen. Von Bucura lohnt sich vor allem eine Wanderung zum Zănoaga-See, dem tiefsten natürlichen Bergsee des Landes. Gleich drei Gipfel kann man von Bucura aus besteigen: Peleaga (2509m), Păpuşa(2508) und Custura (2457) – die drei kann man sogar an einem Tag schaffen, wenn man richtig früh startet und ein gutes Marschtempo vorlegt.

Auch Kurztouren sind möglich

Eine der kürzesten Möglichkeiten, das Retezat-Gebirge in seinem Kerngebiet zu durchwandern, stellt die Route Pietrele-Hütte – Genţiana-Hütte - Bucura-See - Poiana Pelegii – Plaiul Mic - Buta - Câmpu lui Neag (ab hier Busverbindung in Richtung Lupeni – Petroşani) dar. Bei guten Bedingungen und guter Ausrüstung ist diese Tour in zwei-drei Tagen möglich.

Wer leichtere Routen bevorzugt, kann bei der Berghütte Pietrele zelten. Hier bieten die vielen kleinen Hütten zahlreiche freie Plätze, aber in den Sommermonaten, vor allem am Wochenende, ist hier auch alles ausgebucht. Platz ringsum für das Zelt findet sich aber problemlos. Von hier aus ist der Aufstieg zum Gipfel Retezat (2482m) empfehlenswert. Die Route ist zwar ziemlich lang, aber nicht so anstrengend, es läuft auch an Wasserfällen und dem Stâni{oara-See vorbei, welche die Gegend sehenswert machen. Bei schönem Wetter kann man in der Nähe des Gipfels auch Gemsen und Murmeltiere erblicken.

Wer aber Zeltübernachtungen vermeiden will, der kann sich für eine gemütliche Pension in den verschiedenen Höhenkurorten der Gegend entscheiden. Vor allem in Câmpu lui Neag oder in Râu de Mori gibt es zahlreiche Unterkunftsangebote, manche Pensionen sind auch mit einem kleinen Schwimmbad ausgestattet – eine gut verdiente Entspannung nach einer Wanderung.

Am tiefsten gelangt man mit dem Auto ins Retezat-Gebirge über Haţeg - Gura Zlata-Hütte und mit viel Glück auf schlechter Forststraße bis zur Poiana Pelegii. Hier endet der Forstweg an einem provisorischen Autoparkplatz. Dieser Ort dürfte aber nur für Camper erstrebenswert sein, da es hier keine anderen Übernachtungsplätze gibt.

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