Sommerlektüre der Temeswarer

„Nostradamus“ und „Das Lied von Eis und Feuer“ haben Konjunktur

Mittwoch, 19. Juli 2017

Nach Büchern kann man im Computer suchen, aber auch die alte Kartendatei gibt es noch – ein familiärer Anblick für die älteren Besucher.

Bücher, Bücher, die auf ihre Leser warten.
Fotos: Zoltán Pázmány

Sommer, Sonne, Strandlektüre, auch Stadtlektüre, für die, die nicht verreist sind. Doch lesen die Temeswarer überhaupt in der heißesten Zeit des Jahres? Und wenn ja, dann: Was? Was kitzelt das Interesse des Bücherwurms, was spricht ihn an?

Freizeit-Lektüre ist es, wenn man die Frage an Sebastian Ciocan richtet, den Leiter des Kommunikationsservices für Kollektionen der Kreisbibliothek „Sorin Titel“ Temeswar. Schon allein die Sonne und die Urlaubsatmosphäre, die auch in der Stadt zu spüren ist, bremsen den Spurt auf das Gewichtige. „Im Sommer wächst der Appetit auf leichte Lektüre um 50 Prozent“, so Sebastian Ciocan.

Die Renner der ersten Sommerwochen sind in diesem Jahr Michel Zevacos „Nostradamus“ sowie zwei an die Ikone unter den gekrönten Häuptern Europas des ausgehenden 20. Jahrhunderts erinnernde Titel – gemeint ist Prinzessin Diana: Thomas Sanctons und Scott McLeods „Moartea printesei. Rezultatele anchetei“ („Der Tod einer Prinzessin Die Wahrheit über Dianas Ende“) sowie Jean-Marie Pontauts und Jerome Dupuis’, „Anchetă asupra morții prințesei Diana („Ermittlungen zum Tod von Diana“). Dazu kommt überraschenderweise ein Titel aus dem Bereich Geschichte: Lucian Boias „Mitul democrației“ („Der Mythos der Demokratie“).

Wenn sich die Erwachsenen auf das ausrichten, was Spaß macht oder ihre Hobbies und Interessen in den Blickwinkel rückt, so ist das gerade bei den jungen Lesern nicht immer so. Neben den Büchern, die sie sich selbst aussuchen und die meistens in die Kategorie Fantasy fallen, so zum Beispiel der bereits zum Klassiker aufgestiegene Serienroman „Harry Potter“, sind da noch die früher „Pflichtlektüren“, heute „Schullektüren“ genannten Vorgaben: „Es handelt sich um die Literatur für die Gymnasialschüler, die gesucht wird. Und die Fantasy-Literatur, die in den letzten Jahren einen Aufschwung erfahren hat“, sagt Sebastian Ciocan über die meistgesuchten Titel, wenn es um junge Leser geht.

Fantasy heißt heute neben Tolkien ("Der Herr der Ringe") oder J. K. Rowling, Mutter des Zauberlehrlings Harry Potter, Rick Riordan und seine faszinierenden und mit aktuellen Themen für Jugendliche von heute wie etwa ADHS bespickten Gottheiten-Geschichten, die nicht nur Fantasy bedeuten, sondern dem jungen Leser auch etwas einbringen: Mythologie-Kenntnisse, die vielleicht anders gar nicht an ihn durchdringen könnten wie auch die bereits angesprochene Bewältigung eigener Probleme (im Umgang mit ADHS, Schule, Eltern, Alterskollegen). Oder Erin Hunter, ein Name hinter dem sich ein Team von Autorinnen verbirgt, sozusagen eine kleine Schreibindustrie, die sich das Erfolgsrezept für Romane für die Jugendlichen von heute ausgedacht hat und geschickt einsetzt. Zum Rezept gehören Katzen, Hunde oder Eisbären, die über äußerst menschliche Eigenschaften verfügen und sich auch so verhalten, aber die Geschichten eben umdrehen, sie sind im Mittelpunkt, die „Zweibeiner“ werden zu lebenden Accessoires. In der Kreisbibliothek ist Harry Potter der unentwegt erfolgreiche Held. Und weitere Helden, die eine Verfilmung weltbekannt gemacht hat: Wem der Titel der Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin nicht geläufig sein sollte, der kann sicherlich mit folgenden drei Worten mehr anfangen: „Game of Thrones“ (so die HBO-Serie). Diese Bücher leihen sich aber nicht nur Jugendliche aus, sondern auch an Erwachsene bis Mitte Dreißig.

„Ein zweites Phänomen, das wir im Laufe der Jahre erkannt haben: Im Sommer verlangen die Leser längere Lesezeiten, sie leihen für mehrere Wochen aus. Das Publikum, das uns im Sommer besucht, lässt sich mehr Zeit. Außer unserem Stammpublikum kommen im Sommer noch junge Forscher, die ihre Doktorarbeit vorbereiten oder Studenten, die sich auf die Herbstprüfungen vorbereiten“, erklärt Sebastian Ciocan.

Die Anzahl der Leser variiert nach Bibliothek: „Zum Zentralsitz kommen pro Woche zwischen 40 und 50 Leser, aber hier gibt es auch den Lesesaal. In den Abteilungsbibliotheken ist die Anzahl größer: in der Kinderabteilung, der Erwachsenenabteilung oder der Kunstabteilung“.

Das Profil der Leser ist unterschiedlich je nach Abteilung: „Das Durchschnittsalter unserer Besucher beträgt 40-45 Jahre. Aber eigentlich reicht die Palette vom Kindes- bis ins hohe Alter, in Richtung 75. Die Filialen der Kreisbibliothek haben in den letzten Jahren ein bestimmtes Publikumssegment angesprochen. So ist in der Filiale im Blașcovici-Viertel der Anteil der jungen Leser besonders groß: Elena Faragos Gedichte oder Märchenbücher gehören hier zu den meist gesuchten Büchern. Die Filiale im Jungendhaus zieht vorwiegend die Leser von Geschichtsbüchern sowie Literaturklassikern an“, erklärt Sebastian Ciocan.

Na, Lust auf Lektüre?

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