Sonderausstellung über Deutsche in Rumänien

Informative Schau im DZM Ulm: "Deutsche in Rumänien- Eine Minderheit, viele Geschichten"

Mittwoch, 28. Februar 2018

Die bunte banatschwäbische Tracht ist immer und überall eine Augenweide. Foto: Zoltán Pázmány

Ein vielversprechendes Gemeinschaftsprojekt starteten das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien und die deutsche Botschaft in Bukarest: Am Montag, dem 19. Februar, fand die Vernissage der Sonderausstellung "Deutsche in Rumänien - eine Minderheit, viele Geschichten" im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm statt. Zu diesem Anlass wurde in den Räumen des Museums auch die Ausstellung des sathmarschwäbischen Künstlers Georg Haller eröffnet. Herzliche Grußworte für die zahlreich erschienenen Besucher, Interessenten und Gäste aus der alten und neuen Heimat sprachen zur Eröffnung Iris Mann, Bürgermeisterin für Bildung, Soziales und Kultur in Ulm und DZM-Vorstandsvorsitzende, Julian Würtenberger, Ministerialdirektor des Ministeriums für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden -Württemberg, Vorsitzender des DZM-Stiftungsrates, Dorel [chiopu, rumänischer Konsul in München sowie als Vertreter des DFDR  Dr. Johann Fernbach,  der aus dem Banat (Temeswar) angereiste Vorsitzende des DFDB. Als Ehrengäste zugegen waren auch Peter Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, und Alfred Mrass, Stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen. Für die Einführung von Seiten des Gastgebers, des DZM Ulm, sorgten Direktor Christian Glass, Kulturreferentin Dr. Swantje Volksmann, und Mitarbeiterin Leni Perencevic. Für die musikalische Umrahmung - leider wurden keine Werke rumäniendeutscher Komponisten präsentiert - zeichnete das Musik-Duo Esther Kretzinger (Sopran)  und Georges-Emmanuel Schneider  (Violine).

Bildreich und informativ zugleich führt diese umfassende Schau durch  einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten, vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die lebensweltliche Vielfalt, das Gemeinwesen und das reiche Kulturerbe der Minderheit sind dabei ebenso Thema wie ihre Rolle als Vermittler in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Ein Teil deutsch-rumänischer Geschichte spiegelt sich in der Sammlung des Donauschwäbischen Zentralmuseums wider. Mitgenommenes und Zurückgelassenes, als Erinnerung Aufbewahrtes und zum Abschied Geschenktes, leidenschaftlich Gesammeltes und zufällig Erhaltenes kam über teils verschlungene Wege in das Museum. Eine Auswahl daraus wird nun erstmals ausgestellt. Wenn der Barockdichter Martin Opitz auf der Flucht vor den Greueln des Dreißigjährigen Krieges in Osteuropa landete und nicht wenig über die dort vorgefundenen "ganz echten Deutschen" bzw. Siebenbürger Sachsen staunte, so wissen Besucher aus dem Westen heute schon viel mehr über dieses Thema. 28 Jahre nach der Wende, nach Rumäniens EU-Beitritt, nachdem das Land mit dem Siebenbürger Sachsen Klaus Johannis gar einen Staatspräsidenten aus der deutschen Minderheit erhielt, ist das Image der Deutschen in Rumänien, von Siebenbürger Sachsen bis zu Banater und Sathmarer Schwaben, von Zipser, Landler, Banater Berglanddeutschen, Buchenland- und Dobrudschadeutschen immer reichhaltiger und vielfältiger geworden. Die Ausstellung in deutscher und rumänischer Sprache, die bis zum 27.Mai zu besichtigen ist, gibt nun erstmals einen umfassenden Überblick über die Deutschen in Rumänien in einem Zeitraum von über 850 Jahren und zeichnet ihren Weg als Mittler zwischen Deutschland und Rumänien bis in die Gegenwart nach. Ein Teil der rumänisch-deutschen Geschichte ist in der Sammlung des DZM Ulm, in dieser Ausstellung ist eine repräsentative Auswahl dieser oft auf abenteuerlichen Wegen ins Museum gelangten Objekte zu sehen.

Am Rande der Schau sind etliche Veranstaltungen vorgesehen, die dieses vielfältige Thema im Detail auffächern sollen. So gibt es für Besucher Führungen mit Rita Siegmund (Siebenbürgen/Ulm), immer sonntags, um 14 Uhr, am 25. Februar, 11. und 25. März, 8. und 22. April, 13. und 27. Mai.

Weitere Veranstaltungen im DZM Ulm: am Mittwoch, 11. April, 19 Uhr- Expertengespräch „Doppelte Identität? Französische Schwabendörfer im Banat“ mit dem Journalisten Ernst Meinhardt (Deutsche Welle, Berlin); am Donnerstag, 19. April, 19 Uhr- Lesung und Gespräch „Die Spitzen-Elf / Primul unsprezece – junge Lyrik aus Rumänien“ mit Herausgeber Bogdan Coşa (Bukarest) und Verleger Thomas Zehender (danubebooks Verlag Ulm); Samstag, 19. Mai, 19 Uhr- Heimattage der Banater Schwaben in Ulm (19. bis 21. Mai) „Nach dem Fest das Fest“, Vernissage und lyrisch-musikalisches Programm mit Katharina Eismann (Temeswar/Offenbach).

 

 

Auszüge aus der Rede des DFDB-Vorsitzenden Dr. Johann Fernbach


Ich freue mich, heute, auf Einladung des Direktors des Donauschwäbischen Zentralmuseums, Herrn Christian Glass, hier in Ulm sein zu können, um gemeinsam mit Ihnen die Ausstellung über die deutsche Minderheit in Rumänien zu eröffnen. Diese Ausstellung wurde zum ersten Mal im März 2015 in Hermannstadt gezeigt, anlässlich der 25-Jahr-Feier der Gründung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien. Damals nahmen Rumäniens Staatspräsident Klaus Johannis, der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein rumänischer Amtskollege Bogdan Aurescu sowie zahlreiche weitere Würdenträger aus Deutschland und Rumänien an der Vernissage teil.

Die Idee zur Ausstellung stammt von Herrn Ovidiu Gan], dem Abgeordneten der deutschen Minderheit im Parlament Rumäniens. Die Umsetzung erfolgte durch das  Landesforum und seinen Vorsitzenden, Herrn Paul Jürgen Porr.

Mehr als 850 Jahre ist es her, dass die Siebenbürger Sachsen auf das Gebiet des heutigen Rumäniens siedelten und 300 Jahre seit der Einwanderung der ersten Banater Schwaben sowie der Sathmarschwaben und der Bukowina-Deutschen. Dies sind bedeutende Meilensteine in der Geschichte der deutschen Minderheit in Rumänien, die auch eine prägende Rolle für diese Landstriche gespielt haben.

Die Deutschen haben im Laufe der Jahrhunderte mit den Rumänen sowie mit den anderen Minderheiten in diesen Landstrichen friedlich zusammengelebt. Oft spielten sie auch eine ausgleichende Rolle, standen für kulturellen Austausch. Das Banat und Siebenbürgen, mit ihrer multikulturellen und multiethnischen Struktur, standen und stehen bis heute für Modernität und Frieden und werden mit Recht in diesem Sinne als beispielhaft innerhalb der Europäischen Union angesehen.

Viele Ereignisse des 20sten Jahrhunderts hatten schwerwiegende Folgen für die deutsche Minderheit in Rumänien: zwei Weltkriege, die Deportationen in die damalige Sowjetunion und in die B²r²gan-Steppe, die Massenauswanderung nach der Wende von 1989, als viele Deutsche Rumänien verließen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.       

Wir wollen den Besuchern dieser Ausstellung die Geschichte der deutschen Gemeinschaft in Rumänien näherbringen und zeigen, welche Rolle diese Gemeinschaft gespielt hat. Es ist uns wichtig, heute, wenn auch in deutlich kleinerer Zahl, weiterhin eine aktive Rolle in der Gesellschaft einzunehmen.     

In Rumänien leben noch nahezu 40.000 Deutsche, die zahlenmäßig größte Gruppe gibt es in der westrumänischen Region Banat, mit etwa 14.000 Deutschen.

Die politische Vertretung der Deutschen in Rumänien ist das Demokratische Forum der Deutschen, untergliedert auf fünf Regionalforen, Kreis- und Ortsforen.

An vielen Schulen Rumäniens konnte der Unterricht in Deutsch als Muttersprache auch nach der massiven Auswanderung der Deutschen erhalten bleiben, vielerorts wurden sogar Schulen und Abteilungen neu gegründet. Die landesweit größte deutsche Schule ist das Nikolaus- Lenau- Lyzeum in Temeswar, mit 1500 Schülern.

Jugendliche können auch über das Abitur hinaus in deutscher Sprache studieren: So gibt es deutsche Abteilungen in diversen Bereichen an Hochschulen in Rumänien.

In Temeswar gibt es ein deutsches Staatstheater und in Hermannstadt eine Abteilung in deutscher Sprache.

Als deutsches Forum sind wir Herausgeber der einzigen deutschsprachigen Tageszeitung in Süd-Ost-Europa. Es geht um die Allgemeine Deutsche Zeitung und ihre wöchentlich erscheinenden Tochterzeitungen Banater Zeitung und Karpatenrundschau. Weitere deutschsprachige Publikationen sind die Hermannstädter Zeitung und die Schwabenpost im Raum Sathmar.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen und Radio strahlen zum Teil täglich Sendungen in deutscher Sprache aus.

Wir geben auch weiterhin Bücher in deutscher Sprache heraus. Dabei geht es um rumäniendeutsche Autoren, aber auch um Übersetzungen, die die Kultur, Land und Leute aus unserem Umfeld in den Vordergrund rücken.

Den 100sten Jahrestag seit der Gründung eines einheitlichen rumänischen Staates wollen wir in diesem Jahr mit Konferenzen zu diesem Thema begehen und dabei auf die Rolle der deutschen Minderheit im Gesamtprozess der Entwicklungen nach dem Ersten Weltkrieg eingehen.

Eine Minderheit hat an sich immer einen schweren Stand: Sie muss sich anpassen und ist auf das Verständnis der Mehrheitsbevölkerung angewiesen. Wir Deutsche in Rumänien sind in einer glücklichen Situation, denn wir verfügen über die Unterstützung und das Entgegenkommen sowohl der rumänischen als auch der deutschen Regierung.

Wir wissen es sehr zu schätzen, dass unsere Länder, als Mitglieder der Europäischen Union, einer Wertegemeinschaft angehören, die für Demokratie, Freiheit, Rechtstaatlichkeit und Minderheitenschutz steht. Diese Werte teilt auch unsere deutsche Gemeinschaft. Wir blicken natürlich auf unsere Vergangenheit zurück, schauen aber auch in die Zukunft, der wir uns mit Selbstvertrauen stellen.

Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien bleibt in diesem Zusammenhang ein lebendiger, aktiver und sichtbarer Teil der Gesellschaft in der wir leben.

(Redaktionell gekürzt, Siegfried Thiel)

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