Sorgen wegen Donauengpass

Grenzüberschreitende Begegnung der Umweltschützer aus Rumänien und Serbien

Samstag, 06. Juni 2015

Selten kann man am Ufer des Golfs von Orschowa so viel Schlamm und teilweise schon getrockneten Schlick sehen wie in diesem Jahr, wo der Spiegel der Donau anfangs um etwa vier Meter abgesenkt wurde durch die Grundentleerung beim Staudamm des Donaukraftwerks Eisernes Tor I.

Neumoldowa/Veliko Gradiste - Zum Welttag der Umwelt trafen sich am Donnerstag die Umweltschützer von GEC Nera aus Orawitza mit ihren Partnern aus dem Neumoldowa gegenüber liegenden serbischen Veliko Gradiste sowie den Vertretern der Verwaltung der Stadt an der Donau. Ziel der Begegnung war die Ausarbeitung einer gemeinsamen Einschätzung des Stands der Bekämpfung der Umweltverschmutzung am Eingang zum Donauengpass beim Eisernen Tor sowie entlang des rumänischen Donauufers – sofern es vom Verwaltungskreis Karasch-Severin administriert wird – und im Weichbild der Kommune von Veliko Gradiste.

Gleichzeitig begingen die Umweltschützer das zehnjährige Bestehen ihrer Partnerschaft, die 2005 am Internationalen Tag des Umweltschutzes startete. Hauptthema der Gespräche war einmal mehr die grenzüberschreitende Staub- und Giftstaubbelastung, die von den ausgetrockneten Klärteichen Boşneag und Tăuşani am nördlichen Donauufer ausgeht, welche vom rumänischen Staat, als Nachlassverwalter des pleitegegangenen Kupferförder- und –erzanreicherungswerks Moldomin in Neumoldowa/Moldova Nouă, ausgeht.

Dragan Milic, der Bürgermeister von Veliko Gradiste, der, neben Neumoldowa, meistbetroffenen Ortschaft, beauftragte die Partner vom rumänischen Donauufer, allen zuständigen rumänischen Verantwortlichen seinen entschiedenen Protest zu übermitteln ob der „Oberflächlichkeit, mit der die rumänischen Autoritäten diesen Fall von Luft- und Umweltverschmutzung behandeln, indem seit Anfang 2006, als die Wässerung der Klärteiche zeitgleich mit der Werkstätigkeit eingestellt wurde, rumänischerseits absolut kein Finger gerührt wurde zur Eindämmung der Luft-, Boden-, Wasser- und Pflanzenvergiftung, die durch die Windstreuung des Giftstaubs der Klärteiche verursacht wird.“

„Es ist eine Peinlichkeit und eine Schande“, fügte der Präsident von GEC Nera, Dr. Ing. Cornel Sturza-Popovici, hinzu, „dass es im Jahr 2015 immer noch einen solchen Fall schwerster grenzüberschreitender Umweltverschmutzung gibt, und das mitten in Europa. Dass dieser Fall letztendlich vor dem Europäischen Gerichtshof geregelt wird, wo der rumänische Staat im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens verklagt werden musste durch die Europäische Kommission, auch das macht uns keine Ehre.“

Das zweite Thema der Gespräche und Anlass zu Protesten war die in jedem Frühjahr stattfindende Grundleerung des Donaustausees Eisernes Tor I – ein Vorgang, der geschieht, indem das Regelwerk zur Nutzung des Donaustausees grob verletzt wird - wodurch Milliarden Jungfische und kaum abschätzbare Mengen Fischlaich zugrundegehen. Diesmal ist der Spiegel der Donau im Bereich des Eingangs zum Donauengpass um zwei Meter abgesenkt worden – im Raum des Golfs von Orschowa wurden weite Gebiete trockengelegt – und zahlreiche geschützte Feuchtareale im Rahmen des grenzüberschreitenden Naturparks Eisernes Tor/Djerdapp sind betroffen, indem dort Millionen Exemplare einer zum Teil einzigartigen Fauna durch die Austrocknung zugrundegingen. In Veliko Gradiste wurde auch die Frage aufgeworfen, wer jetzt für den entstandenen Schaden an der Umwelt aufkommen muss, der durch unabhängige Evaluationen zweifelsfrei festgestellt werden könnte. Dieser Frage will man noch an beiden Donauufern vertieft nachgehen.

Die grenzüberschreitende Begegnung der Partner im Umweltschutz und mit der Administration von Veliko Gradiste wurde von einem Team des Privatsenders PRO TV begleitet, der laufend darüber berichtete, aber auch eine Reportage über die Umweltschutzprobleme am rumänischen Donauufer und deren Auswirkungen auf die serbischen Nachbarn vorbereitet.

Kommentare zu diesem Artikel

Don Emilio, 09.06 2015, 01:49
Traumhaft schön ist es dort in Bazias, wo die Donau fast ein Meer bildet. Wo früher die Könige und Fürsten (ist ja gut) gezockt haben. Seit Jahren bin ich da in der letzten Pension aus Holz, mit meinem Klepper-Faltboot.
Banater Schwaben? Neee, schön ja. Also, was ich eben geschrieben habe, nix mehr. Für mich ist das schön, ich brauche keine Blasmusik!
Jetzt isset aber juut. Gute Nacht.
Tourist, 06.06 2015, 02:08
beim Eisernen Tor gibt es auch unverschlossene Uranminen aus den 1950er Jahren, wo das Donauwasser ständig radioaktives Material rausschwemmt. Das ist gar kein Staatsgeheimnis, steht in offiziellen IAEO-Berichten drin, die jeder im Internet lesen kann. Interessieren tut es in Rumänien aber niemand. Ich würde jedenfalls keinen Fisch von dort essen wollen, auch nicht vom Delta, denn dort sammelt sich der ganze Dreck.

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