SPORTECHO: Die Prügelknaben

Samstag, 09. Dezember 2017

In der vierten Fußball-Liga, die Kreisliga Kronstadt/Braşov, heißen die Spitzenreiter nach der Hinrunde AS „SR“ Kronstadt und Electroprecizia Săcele. Sie haben je 39 Punkte gesammelt; deshalb ist in der Wertung das Torverhältnis entscheidend. AS „SR“ hat 85 Tore schießen können und 10 einkassiert – bei Electroprecizia sind es 77 Tore und ebenfalls 10 Gegentore. Zwei Ergebnisse des vorletzten Spieltages fallen aus dem Rahmen: AS „SR“ Kronstadt besiegt in einem Auswärtsspiel Voinţa Hurez mit 17:0; Precizia Săcele überrollt zu Hause „Prietenii Rupea“ mit 8:0. Voinţa Hurez ist Tabellenletzter. In 15 Spielen konnte die Mannschaft lediglich drei Punkte sammeln. Acht Tore schoss die Mannschaft; musste aber 108 Mal nach dem Ball ins Netz greifen.

Selbstverständlich kam bei Precizia Ärger auf, als man erfuhr, was Voinţa (rumänisch „der Wille“) gegen die Kronstädter an Widerstand aufbringen konnte. Die Entschuldigungen der Prügelknaben aus der Gemeinde Hurez klingen auch gar nicht überzeugend. Man sei eben ein Team, dem es gefällt, offensiv zu spielen; man wolle sich nicht nur in die Abwehr zurückziehen. In jenem Spiel sei man übrigens mit derselben Verteidigung wie bis dann angetreten. Bei Precizia sucht man nun nach einem Grund, um dieses Spielergebnis anzufechten. Gelingt das, so könnte Voinţa das Spiel „am grünen Tisch“ verlieren, was lediglich als eine 0:3-Niederlage gewertet wird.

„Prietenii Rupea“, die zweite der Mannschaften aus der Prügelknaben-Gruppe  hatte nur mit 0:6 gegen die Kronstädter verloren. Sie waren richtig froh über dieses Spiel, denn erstmals nach langer Zeit kamen so viele zahlende Zuschauer zum Spiel, dass die Gastgeber nicht mehr auf eine Kollekte angewiesen waren, um die Schiedsrichter zu bezahlen.

Unter solchen Umständen ist es klar, dass das Derby zwischen den beiden Anwärtern zum Aufstieg in die dritte Liga entscheidend ist. Im Kronstädter Tineretului-Stadion trennten sich die beiden Mannschaften mit einem 1:1-Unentschieden. Rund 1000 Zuschauer verfolgten dieses Spiel, nach dem es für die Gastgeber auch ein Strafgeld von 30.000 Lei gab, weil Feuerwerkkörper in den Rängen gezündet wurden. Im Vorfeld gab es auch zusätzlichen Druck auf die Kronstädter – die Rivalen aus Săcele ließen nämlich wissen, dass sie an manchen AS-Spieler interessiert seien und diese in nächster Zukunft zu verpflichten gedenken.

AS „SR“ Kronstadt betrachtet sich bekanntlich als Nachfolger von „Steagul Roşu“ und wurde auf Initiative von Steagul-Fans gegründet und in die 4. Liga eingeschrieben. Nun hat mit Simon Maurer auch  ein finanzkräftiger Unternehmer im Immobilienbereich seine Bereitschaft gemeldet, als Sponsor der Kronstädter Mannschaft einzusteigen. Er erwartet dafür einen schnellen Aufstieg, wenn möglich bis in die erste Liga. Da müssen aber die Prügelknaben ihre Pflicht erfüllen und mehr Tore zulassen als die Konkurrenz schießen kann.



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