SPORTECHO: Störende Enthüllungen

Montag, 20. Juni 2016

Maria Olarus Buch „Der Preis des Goldes – eine unbequeme Ehrlichkeit“ („Preţul aurului, sinceritate incomodă) sorgte für einen Riesenskandal in der bisher so viel bewunderten und geschätzten Welt des rumänischen Kunstturnens. Die Verfasserin ist eine der großen Turnerinnen vor fast zwei Jahrzehnten gewesen: 1999 -  Mehrkampf-Weltmeisterin in Tianjin, 2000 - Olympia-Siegerin mit der rumänischen Frauenriege in Sydney sowie Bronzemedaille im Einzel-Mehrkampf sind einige ihrer Höhepunkte in einer elfjährigen sportlichen Laufbahn. Olaru enthüllt schonungslos die weniger schöne Seite dieser sportlichen Meisterleistungen, vor allem das Leben im Trainingszentrum in Deva. Dieses galt bisher als „Medaillenschmiede“ des Landes, wo unter Leitung des Trainerpaares Octavian Bellu und Mariana Bitang Olympia-, Welt- und Europameisterinnen „am laufenden Bande“ vorgestellt werden konnten. Was für Opfer dabei gebracht wurden, konnte nur geahnt oder unter vorgehaltener Hand erzählt werden. Sie reichen von Hungerdiäten, um das optimale Körpergewicht einzuhalten bis zu Körperstrafen und Beleidigungen, gesundheitlichen Risikos, absoluter Kontrolle des persönlichen Lebens auch außerhalb des Sportsaales.

Olaru erkennt die Verdienste ihrer Trainer an und weiß, was sie ihnen zu verdanken hat, ist aber mit deren Methoden und mit dem menschlichen Umgang mit den ihnen anbefohlenen minderjährigen Schützlingen nicht einverstanden. Sie wagt es, dagegen aufzumucken  - oft nur mit einem trotzigen Blick. Dafür wird sie als „fauler Apfel“ von Mariana Bitang eingestuft und, in der Auffassung der Verfasserin, immer wieder benachteiligt. Olaru, das kleine Mädchen aus Fălticeni und aus einer Familie mit Problemen (der Vater beging Selbstmord, die Mutter hatte Alkoholprobleme) zeigt Charakter und hält stand. Ihre aus der Perspektive einer jungen, erfolgreichen, selbstbewussten Frau geschilderte Wahrheit ist mehr als eine späte Abrechnung für alles Erlittene. Das Buch schlug hohe Wellen, nicht nur in der Sportszene. Undankbarkeit und Verrat warf man Olaru vor; Diskreditierung der so glorreichen rumänischen Sportgymnastik mit der Folge, dass nun immer weniger Eltern ihren Kindern den Weg zur Turnhalle erlauben werden. Viele zeigen sich eher empört, dass Olaru über solche skandalöse Zustände zu schreiben gewagt hat, als dass es überhaupt dazu kommen konnte.

Kommentare zu diesem Artikel

Johannes, 21.06 2016, 15:12
Wenn Menschenwürde einfach mit den Füßen getreten wird, und alles mit dem Hinweis auf Goldmedaillen weggewischt werden soll, stehen wir vor den Grundzügen eines Denkens dass seine Quelle etwas weiter östlich in Russland hat. Diese östlich importierte Denkweise welches das System vor den Einzelnen stellt, und jeden Missbrauch unter den Teppich kehrt (sogar in dem jeweils eigenen Kopf) ist der Ursprung vielen Übels.

Ich frage mich auch was ist der "nationale Stolz" der mit diesen Medaillen in Verbindung gebracht wird wert, wenn er einem solchen System entsprungen ist. Mann sollte aufschrecken und die aktuellen Zustände untersuche um eine Wiederholung zu vermeide. Das Wegschauen wird nur zu weiteren Opfern führen.

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